University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Dr. Stefano Saracino

Neue Griechen im Alten Reich: Die mobile Präsenz Griechisch-Orthodoxer aus dem Osmanischen Reich im Heiligen Römischen Reich

Das Habilitationsprojekt setzt sich mit der mobilen Präsenz von Griechisch-Orthodoxen aus dem Osmanischen Reich im Heiligen Römischen Reich auseinander und legt den Fokus auf das späte 17. und auf das 18. Jahrhundert. Durch die Größe der einwandernden Gruppen und wegen den von ihnen über Generationen hinweg geschaffenen Netzwerken, stechen hierbei vor allem drei Migrationstypen hervor: Die Händler, die Studenten und die „Almosenfahrer“ (meist Kleriker, die von den vier Patriarchaten entsandt wurden). Migrationsgeschichtliche Aspekte, wie die Modalitäten des Reisens sowie die Interaktionen und Normenkonflikte zwischen Migranten und Einwanderungsgesellschaften, sollen dabei mit einem wissensgeschichtlichen Ansatz verbunden werden.
Denn für Gelehrte im Alten Reich (wie auch für weltliche und geistliche Obrigkeiten) dienten die Migranten als Wissensquelle und lieferten auf der Grundlage bestimmter epistemischer Verfahren reiche Informationen, ebenso wie Text- und Sprachmaterial. Gothaer Gelehrte waren für die epistemische Bedeutung des Aufenthalts griechisch-orthodoxer Migranten besonders sensibel; ungeachtet dessen, ob es darum ging, Wissen zur Confessio Graeca als potentiellem Bündnispartner in der Auseinandersetzung mit den konkurrierenden Konfessionen zu gewinnen, oder aber Wissen, das für die studia orientalia dienlich war.
Während meines Forschungsaufenthaltes in Gotha soll Archivmaterial ausgewertet werden, um folgende Aspekte zu beleuchten:

1.    Die Aufenthalte von Almosenfahrern in Gotha und ihre Reiseitinerarien in den mitteldeutschen Gebieten.

2.    Die Aufenthalte und Kontakte ehemaliger griechischer Studenten des Hallenser Colloquium Theologicum Orientale in Gotha.

3.    Der Austausch von Gothaer Gelehrten, wie Wilhelm Ernst Tentzel, Johann Heinrich Stuß und Ernst Salomon Cyprian, mit Almosensammlern und die karitativ-epistemischen Tauschbeziehungen, die zwischen Migranten und Ortsansässigen zustande kamen.

4.    Der weitere Horizont der „neogräzistischen“ Forschungen von Tentzel, Stuß und Cyprian, und v.a. Cyprians Materialsammlung für sein unvollendet gebliebenes Projekt einer Abhandlung über die griechisch-orthodoxe Kirche.

Kurzbiographie

Seit Juni 2019
Forschungsstipendiat der Gerda Henkel Stiftung (Forschungsthema: „Griechisch-orthodoxe Almosenfahrer aus dem Osmanischen Reich im Heiligen Römischen Reich – Zwischen Caritas, Kommerz und Konfessionalisierung“)

2014 – 2018
Projektmitarbeiter im FWF-Projekt „Soziales Engagement in den Wiener griechischen Gemeinden, 1750-1918“ (Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Uni Wien in Zusammenarbeit mit dem Institut für Österreichische Geschichtsforschung)

April – Juli 2018
Dr. Liselotte-Kirchner-Stipendiat an den Franckeschen Stiftungen zu Halle

April – Juli 2017
Gastprofessur am Graduiertenkolleg Interkonfessionalität in der Frühen Neuzeit, Universität Hamburg

2011 – 2013
Postdoc-Stipendiat am geschichtswissenschaftlichen Internationalen Graduiertenkolleg „Politische Kommunikation“, Historisches Seminar, Goethe-Universität Frankfurt a. M.

2006 – 2011
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft, Ludwig Maximilians Universität München

2011
Promotion an der Ludwig Maximilians Universität München (zum Thema: „Tyrannis und Tyrannenmord im politischen Denken der Generation Machiavellis“, Betreuer: Prof. Thomas Maissen, Prof. Henning Ottmann)

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