University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Hannah Schlimpen M.A.

"Artes manticae" y geomancia en las literaturas española y francesa altomodernas / "Artes manticae" und Geomantik in der spanischen und französischen Literatur der Frühen Neuzeit

Die heutzutage gänzlich in den Bereich der Scharlatanerie gerückte Geomantik –zu deutsch auch Punktierkunst– meint eine in vielzähligen frühneuzeitlichen Gelehrtenkreisen äußerst beliebte Divinationstechnik, die in Form von gedruckten Handbüchern konzipiert und rezipiert wurde. Sie verspricht, Hilfestellung bei der Beantwortung von Fragen nach Verborgenem –vor allem nach Zukünftigem– zu leisten, indem sie willkürlich auf Papier „geworfene“ Punkte zu Figuren formt und diese über unterschiedliche arithmetische Verfahren in das in Anlehnung an astrologische Prinzipien zu interpretierende „geomantische Thema“ überführt.
Wenn namhafte Autoren wie François Rabelais (Les cinq livres des faits et dits héroïques de Gargantua et Pantagruel, 1532-1564) und Francisco de Quevedo (Sueños y discursos, 1627) in ihren Werken einen Geomanten „auftreten“ sowie ein geomantisches Thema erstellen und –insbesondere im Falle Quevedos– mittels des Gebrauchs fachspezifischer Termini interpretieren lassen, liegen diesen literarischen Darstellungen vertiefte Kenntnisse zugrunde, die das Dissertationsprojekt zu untersuchen und zu beurteilen erstrebt.
Hierbei folgt die Studie der Annahme von Kellner et al. (2011), dass Literatur Wissen nicht nur aufnimmt und archiviert, sondern auch formt und verwandelt, bestätigt oder revidiert. In diesem Zusammenhang werden die literarästhetischen Strategien im Umgang mit mantischen Disziplinen sowohl im Hinblick auf die narrative Funktion der Fiktionalisierung ebendieser Bestände als auch in Bezug auf die außerliterarische Motivation und Tragweite der jeweiligen Fiktionalisierungstechniken studiert.
Ziel ist es, die Rezeption und Bewertung der Geomantik sowohl in epistemologischer als auch in theologischer Perspektive herauszustellen. Hierfür müssen die literarischen Texte unabdingbar vor dem Hintergrund des wissens- und kulturhistorischen Kontextes ihrer Entstehung erfasst werden, was der systematischen Erschließung eines äußerst heterogenen, den Diskurs um die Punktierkunst formenden Analysekorpus bedarf. Dieses Korpus umfasst nicht nur mittelalterliche Magiesystematsierungen und Wissenschaftseinteilungen, sondern auch frühneuzeitliche Papstbullen, superstitionskritische Traktatliteratur und, vor allem, die eingangs erwähnten frühneuzeitlichen Geomantiken selbst.
Das Studium der in der Forschungsbibliothek Gotha bewahrten lateinischen und französischen Geomantiken ermöglicht, die konzeptuelle und wissenshistorische Dimension der Punktierkunst in der Frühen Neuzeit zu bestimmen. Auf diese Weise intendiert das komparatistisch und interdisziplinär angelegte Vorhaben ferner, anhand der Punktierkunst einen Beitrag zur Erschließung frühneuzeitlicher Formen der Wissensgenerierung sowie des Wissenstransfers und der Wissensvernetzung im europäischen Kontext jener Zeit zu leisten.

Kurzbiographie

Hannah Schlimpen studierte Spanische und Französische Philologie an den Universitäten Trier und Sevilla und verfasste ihre Masterarbeit zum Thema «(D)escribir Sevilla en la literatura áurea». Seit 2016 arbeitet sie im Rahmen des DFG-Projekts «Voraussagen zwischen okkultem Wissen und Wissenschaft» (Prof. Dr. Folke Gernert) an dem Dissertationsvorhaben «Artes manticae y geomancia en las literaturas española y francesa altomodernas» (Promotion im Cotutelle-Verfahren an den Universitäten Trier und Salamanca). Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der literaturwissenschaftlich orientierten Wissensgeschichte im europäischen, vorzüglich spanischen und französischen, Kontext der Frühen Neuzeit sowie im Bereich der literarischen Repräsentation und Konstruktion urbaner Räume derselben Epoche.

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