University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Julia Fesca

Die Vermittlung numismatischen Wissens in den gelehrten Zeitschriften des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts

Das Münzwesen des Alten Reiches erhielt durch das Aufkommen des Talers zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen neuen Impuls, der auch das außerökonomische Interesse an Münzen beförderte. So kam es, dass die bisher zumeist auf antike Münzen ausgerichteten fürstlichen und humanistischen Privatsammlungen zunehmend durch besonders seltene oder aufwendig gestaltete Taler ergänzt wurden. In der Erforschung solcher Sammlungen, insbesondere fürstlicher Münzkabinette, richtete sich der Fokus bisher vor allem auf die Zusammensetzung der Bestände, auf die Akteure (Numismatiker, Historiker, Sammler, Medailleure) sowie die Praktiken des Sammelns und Forschens im 17. Jahrhundert. 

Weitaus weniger Beachtung hat hingegen die numismatische Literatur des 17. Jahrhunderts gefunden und fast schon unbeachtet blieb der Anteil numismatischer Beiträge in der sich neu entwickelnden periodischen Presse. Dieses Themengebietes nimmt sich das Projekt an und untersucht im Kontext der frühaufklärerischen Publizistik, welche numismatischen Inhalte dem interessierten und gebildeten Lesepublikum vermittelt werden sollten, mit welcher Intention diese Inhalte vermittelt wurden und inwiefern diese Beiträge auch in einer Tradition der barocken Emblematik stehen. Diese Fragen sind vor allem vor dem Hintergrund des Repräsentationsgedankens adeliger Fürstenhöfe interessant: Münzen und Medaillen wurden sowohl in herrschaftlichen Wunderkammern als auch in eigenständigen Sammlungen als Prestigeobjekte genutzt, die den sozialen Rang, Ansehen und Wohlstand ausdrücken sollten. Vor allem seltene oder besondere Stücke waren ein Ausdruck der Reichweite und der Vernetzung des Herrschers. 

Als Quellengrundlage für diese Untersuchung dienen die gelehrten Zeitschriften des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts, die nicht nur ausführlich über literarische Neuerscheinungen informierten, sondern auch Aufsätze und Berichte zu neuen Forschungen im In- und Ausland enthielten. Im Vordergrund stehen dabei die von Wilhelm Ernst Tentzel (1659–1707) in Gotha verfassten „Monatliche Unterredungen Einiger guten Freunde von Allerhand Büchern und andern annehmlichen Geschichten […]“ (1689–1698). Deren große Themenvielfalt sowie die Verwendung der deutschen Sprache machten die Zeitschrift zu einem bedeutenden Faktor in der Entwicklung der deutschen gelehrten Zeitschriften. Wilhelm E. Tentzels Lebenslauf scheint zudem besonders aufschlussreich, da er zu Beginn der Veröffentlichungen noch nicht im Dienst des Gothaer Hofes stand, kurz darauf jedoch zunächst Verwalter des fürstlichen Münzkabinetts (1692–1694) und dann sogar Hofhistoriograph (1694) wurde. Mit Blick auf den fürstlichen Repräsentationsgedanken erscheint es interessant, ob und inwieweit sich die Berichterstattung über die Numismatik nach Wilhelm E. Tentzels Eintritt in den höfischen Dienst verändert hat.

Kurzbiographie

Julia Fesca studierte zunächst von 2012 bis 2016 Französisch und Geschichte im 2-Fächer-Bachelor an der Universität Osnabrück. Dort nahm sie zum Wintersemester 2016/17 auch ihr Masterstudium „Geschichtswissenschaften“ mit dem Epochenschwerpunkt Frühe Neuzeit auf, dass sie zurzeit mit einer Arbeit zu den numismatischen Beiträgen in Wilhelm Ernst Tentzels Zeitschrift, den „Monatlichen Unterredungen Einiger Guter Freunde […]“, abschließt, um das Thema anschließend in einer Promotion zu vertiefen.

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