University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Tobias E. Hämmerle M.A.

Das Schwedenbild im Heiligen Römischen Reich. Auto- und Heterostereotype in deutschsprachigen illustrierten Flugblättern während der schwedischen Großmachtzeit (stormakstiden 1611-1721)

Der/die HistorikerIn wird in den illustrierten Flugblättern des 17. und frühen 18. Jahrhunderts zwar auf keine national-ethnischen Stereotype  stoßen, die den BewohnerInnen eines Landes bzw. eines Staates gewisse Eigenschaften oder Attribute pauschalisierend zuschreibt. Diese national-ethnischen Stereotype sind vielmehr ein Phänomen des 18. Jahrhunderts und werden erstmals in der tabellarisch-angelegten Darstellungsform der Völkertafeln greifbar, im Zuge welcher der Nationalcharakter der gesamten Bevölkerungsschicht eines Staates anhand visueller und textueller national-ethnischer Stereotype definiert wird. Jene Völkertafeln wurden im Zuge des 18. Jahrhunderts äußerst populär und es erscheint für dieses Dissertationsvorhaben äußerst trefflich, dass die der Forschung wohl bekannteste Völkertafel (die sogenannte Steirische Völkertafel) auf einem illustrierten Flugblatt – dem sogenannten Leopoldstich  – beruht.  

In den illustrierten Flugblättern des 17. Jahrhunderts und Anfang des 18. Jahrhunderts wurde im Zuge der Berichterstattung von Medienereignissen, bei den verschiedene Länder beteiligt waren, somit nicht nationale Stereotype auf ganze Bevölkerungsgruppen (beispielsweise Schweden, Spanien, Holland, Frankreich ...) projiziert.  Stattdessen wurden Städte, Regionen, Länder, Königreiche oder einzelne Typengruppen  (beispielsweise „der“ französische Adelige , „der“ Alte, „der“ Pfaffe, „der“ osmanische Soldat , „der“ Buchdrucker, „der“ polnische Bauer etc.) durch einzelne Persönlichkeiten verkörpert. Man kann im eigentlichen Sinn hier von personifizierten Stereotypen sprechen. Im Falle des schwedischen Königreiches, welches für diese Doktorarbeit von zentralem Interesse ist, stoßen wir im 17. und Anfang 18. Jahrhundert hinsichtlich der Berichterstattung und Flugblatt-Propaganda im Heiligen Römischen Reich ebenso auf personenbezogene Stereotype. So vermittelte der/die regierende MonarchIn, die in den zeitgenössischen Medien abgebildet wurde das Schwedenbild, welches im Heiligen Römischen Reich vertreten und von den RezipientInnen der illustrierten Flugblättern wahrgenommen wurde.

Dieses Doktoratsvorhaben setzt sich das Ziel nachzuzeichnen, auf welche mediale Art und Weise die schwedischen RegentInnen bzw. das schwedische Königreich in zeitgenössischen deutschsprachigen illustrierten Flugblättern des 17. und 18. Jahrhunderts inszeniert wurden. Der zu untersuchende historische Zeitrahmen ist dabei deckungsgleich mit der Periode der schwedischen „Großmachtzeit“ (auf Schwedisch: stormaktstiden 1611–1721) und kann grob unterteilt werden in eine Phase des Aufstieges zur Großmacht (1630–1648), eine Phase der Konsolidierung der Macht (1655–1660) und eine Phase des Niederganges der schwedischen Großmacht (1700–1721). Hierbei soll untersucht werden, ob die mediale Berichterstattung stark von der konfessionellen (katholisch – protestantisch), regionalen (Norden – Süden im Heiligen Römischen Reich) und politischen (Frieden – Krieg) Situation abhängig war.

Es wird davon ausgegangen, dass man im Zuge der zu beleuchtenden Epoche, also der schwedischen Großmachtzeit (1611–1721), auf Auto- und Heterostereotype stoßen wird, die über lange Zeit aktiv waren. Mit Hilfe der Historischen Stereotypenforschung werden die Kontinuitäten und Brüche der medialen Berichterstattung aufgearbeitet. Dabei soll gezeigt werden, welche visuellen und textuellen Auto- und Heterostereotype von Seiten der proschwedischen und der antischwedischen Flugblatt-Publizistik benutzt wurden um sich selbst, das verbündete Schweden bzw. Schweden als Feind zu beschreiben.

Kurzbiographie

Tobias E. Hämmerle wurde am 12.06.1990 in Wien geboren und wuchs bilingual, mit den Muttersprachen Schwedisch und Deutsch, auf. Er studierte Geschichte, Skandinavistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Derzeit arbeitet er als Lektor im Verlag des Instituts für niederösterreichische Landeskunde (NÖIL) und schreibt an seiner Dissertation. Sein Doktoratsprojekt befasst sich mit dem Schwedenbild im Heiligen Römischen Reich während der schwedischen Großmachtzeit (stormaktstiden 1611–1721) in illustrierten Flugblättern.

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