University of Erfurt

20 Jahre Kommunikationswissenschaft in Erfurt

Cazzamatta, Regina, M.A.: Thema: "Struktur und Entstehungsbedingungen der Lateinamerika-Berichterstattung in der deutschen Presse"

Lebenslauf:

  • Geboren 1983
  • Seit 2014: Doktorandin bei Prof. Kai Hafez, Universität Erfurt (mit der Förderung des Programms DAAD/Capes/CNPq)
  • 01/2014 - 04/2014: Praktika im Journalismus bei der Deutschen Welle, portugiesische  Redaktion für Afrika (Radio und Online) und brasilianische Redaktion (Online)
  • 10/2011 - 02/2114: Masterprogramm  Kommunikationsforschung an der Universität Erfurt,  Thema der Masterarbeit: „Brasilienberichterstattung in der deutschen Presse“ 
  • 2007 - 2011: Spezialisierungsprogramm internationaler Journalismus - Pontifícia Universidade Católica de São Paulo (PUC-SP)
  • 2002 - 2006: Bachelor in Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Journalistik
  • 2002 - 2008: Praktika und berufliche Erfahrung im Bereich Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit in São Paulo

Dissertationsvorhaben:

Die Rolle der Auslandsberichterstattung wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch bedeutsamer. Wegen internationaler Integration von Nachrichtentechnik, der Erweiterung unterschiedlicher Kommunikationsbeziehungen und transnationaler politischer Vernetzung bekommt die Auslandsberichterstattung heutzutage eine zunehme Bedeutung (vgl. Koschwitz, S.466). Das heißt, in Zeiten globaler politischer und ökonomischer Vernetzung ist es für ein Land essentiell geworden, ob bzw. auf welche Art und Weise es in den Medien anderer Länder porträtiert wird (vgl. Scherer, et al, 2006, S.201). Die (Nicht-) Wahrnehmung einer spezifischen Nation kann zu bestimmten Images führen, die konkrete Konsequenzen für politische und wirtschaftliche Prozess haben könnten (vgl. Hahn, 2008, S.19). Welche „topics“ oder „issues“, welche Sorten von Fakten und Entwicklungen werden von den Medien selektiert und als publikationswürdig eingestuft? Der Auslandsberichterstattung wird ein stark ausgeprägter Agenda-Setting-Effekt zugeschrieben, denn dem Publikum fehlt oft die eigene Erfahrung über die Berichterstattungsregion. Daher gewinnen die Medien an Einfluss bei der Themensetzung (vgl. Hafez, 2002a, S. 42). Eine Relation zwischen Auslandsberichterstattung und Vorstellung von fremden Ländern und Kulturen ist unbestritten (vgl. Nitz, 2008, S.64).

Lateinamerika gehört zu den blinden Flecken der Auslandsberichterstattung in Deutschland. „Wenn Südamerika oder Lateinamerika unterginge, würde es in Hamburg keiner merken“, beobachtet ein Regionalkorrespondent (vgl. Wienand, 2008, S. 323). Allerdings hat die Region sich seit den 80er-Jahren wirtschaftlich, politisch und sozial stark verändert. Die 1990er Jahren brachten mehr Demokratie und neoliberale Wirtschaftspolitik. Aber seit Beginn des Jahrtausends sind die politischen Führungen im Kontinent immer mehr links oder  mittig links orientiert. Es wäre  Anfang der 1990er Jahren unvorstellbar gewesen, dass in so vielen Ländern wie Brasilien, Bolivien, Chile, Ecuador, Uruguay und Venezuela mehr oder weniger linke Regierungen demokratisch gewählt werden können, ohne dass Militärs oder eine fremde Macht eingegriffen hätte (vgl. Le Monde, 2010, S.40). Die neoliberalistische Ära kam zum Ende und in vielen Staaten gelangen Vertreter der Linken oder linken Mitte an die Macht. Anfang des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts gewannen zudem soziale und ökologische Bewegungen an Bedeutung (vgl. Le Monde, 2011, S.152). Deswegen argumentiert Wienand (2008, S.323), dass „Südamerika noch immer ein Ort für romantisch verklärte Fantasien der politischen Linken, erotische Träume verklemmter Europäer oder Wunschbilder von Umweltaktivisten“ zu sein scheint, „wie sie gemeinsam mit Indios den Urwald zurückerobern“ (ebd.).

Da die Karten neue gemischt sind, zielt dieses Dissertationsprojekt darauf ab, die Struktur und Entstehungsbedingungen lateinamerikanischer Berichterstattung in der deutschen Presse hinsichtlich einer aktuellen politischen Ordnung neu zu untersuchen. In welcher Art und Weise wird Lateinamerika gegenwärtig in der deutschen Presse dargestellt? Verbindet man auch heutzutage die Region mit Bürgerkrieg, Umsturzversuchen, Guerillabewegungen, Wahlmanipulation und Schuldenkrisen (vgl. Wilke und Schenk, 1987, S. 30)? Wurde das Image Lateinamerikas als „Hinterhof der USA“ (vgl. Le Monde, 2011, S.62) abgelöst? Konzentriert sich die Berichterstattung weiterhin auf wenige Länder bzw. Brasilien, Chile und Argentinien wie Wöhlcke  in den 70er-Jahren konstatiert (vgl. Roemeling, 1987, S. 37-38)?

Hatte die Veränderung in der Politik und Wirtschaft des Kontinentes Einfluss, wenn auch nicht unbedingt, hinsichtlich der Quantität auf die Berichterstattung? Sind die Länder innerhalb des Kontinents gleichmäßig porträtiert oder gibt es Ländermerkmale, die ihre Nachrichtenfaktoren erhöhen? Werden große Heterogenität, kulturelle Vielfalt und unterschiedliche geografische, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Gegebenheiten der Länder in der Berichterstattung berücksichtigt? Sind die in der früheren Forschung identifizierten Nachrichtenfaktoren für Lateinamerika stabil geblieben? Welche Faktoren und Ausprägungen treten gegenwärtig in der Berichterstattung am häufigsten auf? Die Arbeit soll das Ziel verfolgen, die Strukturmerkmale der Auslandsberichterstattung Lateinamerikas und deren Nachrichtenfaktoren, sowie unterschiedliche Ebenen und Aspekte von deren Entstehungsbedingungen zu untersuchen. Dafür wurde ein Mehr-Methoden-Design entwickelt, welches quantitative und qualitative Inhaltsanalyse kombiniert.

Gutachter:

Erstgutachter: Prof. Dr. Kai Hafez (Universität Erfurt)

Publikationen:

  • Cazzamatta, R. (2014a). Brasilien-­Berichterstattung in der deutschen Presse. Berlin: Frank
    & Timme.
  • Cazzamatta, R. (2014b). A imagem do Brasil na imprensa alemã — um estudo empírico sobre os fatores de seleção da notícia e da estrutura do noticiário. (auf Portugiesisch). Estudos Em Jornalismo E Mídia. (Akzeptiert für Publikation – Dez. 2014/DOI noch nicht bekannt)

Kontakt:

regina.cazzamatta@uni-erfurt.de oder regcaz@uol.com.br

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