Prof. Dr. Hartmut Rosa

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Research projects

Von der Resonanz zur Unverfügbarkeit

Das abgelaufene Jahr hat deutlich werden lassen, dass das Konzept der Resonanz als Modus der Weltbeziehung auf einer erfreulich breiten Basis interdisziplinär (und international) anschlussfähig ist. So hat es Anlass zu Workshops und Tagungen von Shanghai und Wuhan in China über Paris, Ribe oder Nijmegen bis nach Yale gegeben und damit Perspektiven für zukünftige internationale Kooperationen eröffnet.

Die Möglichkeit, der kulturellen und historischen Vielfalt von materialen, sozialen und vertikalen Resonanzbeziehungen systematisch und auf institutionalisierter Basis nachzugehen, hat sich nun auch und vor allem durch die Bewilligung und Etablierung des internationalen Graduiertenkollegs ‚Resonant Self-World-Relations in socio-religious practices’ eröffnet, von dem wir uns viele fruchtbare Impulse für die weitere Forschung zur kulturvergleichenden Analyse von Weltbeziehungen versprechen.

Besonders groß ist die Resonanz über die Sozialwissenschaften und die Philosophie hinaus in den psychologischen, pädagogischen und theologischen Disziplinen, in denen und mit denen bereits eine intensive Diskussion eingesetzt hat (vgl. die Sammelbände »Resonanzen und Dissonanzen. Hartmut Rosas Kritische Theorie in der Diskussion«, hg. von Helge Peters und Peter Schulz, Transcript 2017, sowie »Zu schnell für Gott? Theologische Kontroversen zu Beschleunigung und Resonanz, hg. von Tobias Kläden und Michael Schüßler, Herder 2017; sowie demnächst: Hartmut Rosa, Claus G. Buhren und Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik und Schulleitung, Beltz 2018).

Bei vielen Diskussionen um Resonanz und Weltbeziehung hat sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven eine Frage immer wieder als ebenso brisant wie relevant herausgestellt: Die Frage nach der Bedeutung des Verhältnisses von Verfügbarkeit und Unverfügbarkeit für gelingende Weltbeziehungen. Über wieviel und welche Art von Verfügungsgewalt über sich selbst, über Dinge, Kontexte und Praktiken müssen Subjekte verfügen, um auf resonante Weise mit der Welt verbunden sein zu können? Welche Arten und Formen der Anerkennung von und des Umgangs mit Unverfügbarkeit sind umgekehrt ebenfalls konstitutiv für Resonanzbeziehungen? Wie verhält sich das Streben der Moderne nach Verfügbarkeit mit der prinzipiellen Unverfügbarkeit vieler Prozesse?

Auf diesen Fragekomplex soll sich ein nicht unwesentlicher Teil meiner Forschung in den nächsten Monaten konzentrieren, um in ein Buch oder einen Essay über Unverfügbarkeit zu münden.

Vergleichende und trans-historische Analyse von Weltbeziehungen

In den vergangenen zwölf Monaten hat das Programm der komparativen und trans-historischen Analyse von Weltbeziehungen am Max-Weber-Kolleg in vielfacher Hinsicht deutlich an Kontur, Profil und Schärfe gewonnen. So haben wir uns auf der Klausurtagung des Max-Weber-Kollegs im April in den Grundzügen darauf verständigen können, es als eine unsere gemeinsame Arbeit leitende Interpretation des Weberschen Forschungsprogrammes zu verstehen. Erfreulicherweise können wir diese Arbeit durch die Bewilligung unseres Forschungsbau-Antrages „Attraktion, Repulsion, Indifferenz – eine kulturvergleichende Analyse von Weltbeziehungen“ durch den Wissenschaftsrat im Frühjahr 2016 ja nun auch auf eine langfristige räumliche Basis stellen. 

Inhaltlich, so hoffe ich natürlich, hat dieses Programm durch die Publikation meines Buches Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung (Berlin: Suhrkamp 2016) und auch des kleineren Bandes zur Resonanzpädagogik (Weinheim: Beltz 2016) eine breitere Arbeits- und Diskussionsgrundlage gewinnen können. Die Bücher stießen auf erfreuliche öffentliche und fachöffentliche Resonanz – das Hauptwerk wird demnächst auch in Englisch (Polity), Französisch (La Découverte) und Koreanisch erscheinen. Während meiner Gastprofessur an der Fondation Maison des Sciences de’l Homme (FMSH) in Paris im Juni diesen Jahres hat sich darüber hinaus gezeigt, dass die Idee einer vergleichenden Analyse von Weltbeziehungen auch die Basis für eine Kooperation mit der FMSH bzw. der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales (EHESS) bilden könnte.

Weltbeziehung und Resonanz wird daher gewiss auch in den nächsten Monaten und vielleicht Jahren mein zentrales Forschungsthema bleiben, da sich von hier aus viele Anschlüsse in die unterschiedlichsten Disziplinen und vor allem auch zu den am Max-Weber-Kolleg bereits laufenden Projekten ergeben. Die gemeinsame Arbeit am Antrag für das geplante internationale Graduiertenkolleg zum Themenkomplex von „Resonant Self–World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices“ mit den Kollegen und Kolleginnen der Universität Graz hat, wie ich meine, spürbar werden lassen, dass sich hier überaus fruchtbare und wechselseitig inspirierende, fruchtbare Perspektiven eröffnen und Synergien ergeben. Solche Synergien sind darüber hinaus auch bereits im Austausch mit den indischen Kolleginnen und Kollegen im Rahmen des Form annehmenden ICAS-MP-Projektes (Metamorphoses of the Political) spürbar geworden, wenn es etwa darum geht, die Differenzen und Konvergenzen in den religiösen und politischen Weltbeziehungen zwischen Indien und Europa herauszuarbeiten.

Third-party funds

selected third-party funds (DE, March 2017)

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