Doktorand (Max Weber Centre for Advanced Cultural and Social Studies)

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Steffen Andrae

Zur Person

Curriculum Vitae

Akademischer Werdegang

  • Seit 10/2019: Doktorand am Max-Weber-Kolleg, Universität Erfurt
  • 2015-2018: Master of Arts Politische Theorie, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 08/2016-12/2016: Auslandssemester, New School for Social Research, New York City
  • 2014-2015: Master of Arts Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main (eingestellt)
  • 2009-2014 Joint Bachelor of Arts Philosophie/Soziologie, Technische Universität Darmstadt

Wissenschaftliche Anstellungen

  • 2015-2019: Studentische/wissenschaftliche Hilfskraft, Geschäftsstelle des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 2011-2014: Studentische Hilfskraft (Tutor), Institut für Soziologie, Technische Universität Darmstadt

Lebenslauf (PDF)

Forschungsprojekt

Realismus und Erfahrung. Zum Verhältnis von Poetik und Gesellschaftskritik bei Siegfried Kracauer und Alexander Kluge

Das Ziel meines Forschungsvorhabens besteht darin, Kracauer und Kluge als nonkonformistische Exponenten eines theoretischen und künstlerischen Realismus eingehend zu rekonstruieren und in systematischer Absicht neu zu interpretieren. Der Realismus beider Autoren, so meine leitende These, kann als spezifische Konfiguration von Poetik und Gesellschaftskritik gelesen werden und ist es wert, thematisch als eigene Position innerhalb der Kritischen Theorie wie der Tradition des (Nachdenkens über) Realismus ernst genommen zu werden.

Das gravitative Zentrum dieser genuin eigenen Form der Beschäftigung mit historischen, sozialen und politischen Verhältnissen besteht im Begriff der Erfahrung, der im Spannungsfeld von Sozialphilosophie, Erkenntnistheorie und ästhetischer Theorie zu verorten ist. Wie die Protagonisten der ersten und zweiten Generation der Kritischen Theorie gehen auch Kracauer und Kluge davon aus, dass die moderne Existenzweise von fundamental defizitären Erfahrungs- und Beziehungsverhältnissen geprägt ist. Im Gegensatz zu jenen reagieren sie auf die Problemkonstellation der Moderne jedoch mit einer eigensinnigen Spielart des Realismus, dessen Anordnung theoretischer und ästhetischer Verfahrensweisen innovative Formen der Kritik ermöglicht. Diese liegen zwischen einer poetisch verstandenen Wissenschaft und einer wirklichkeitsorientierten Art der Kunst und sollen Erfahrung(en) gleichermaßen vergegenwärtigen wie organisieren.

Die Spezifik der Denkarten, Schreibweisen und Produktionsformen von Kracauer und Kluge verfolge ich insbesondere in der ihre Arbeiten auszeichnenden Vermittlung dokumentarischer und lebensweltorientierter Elemente mit jenen der (geschichts-)philosophischen Kartographie, im erzählerischen Zug ihres Realismus sowie ihrem sensualistisch angereicherten Rationalitätsbegriff. Nachzuvollziehen ist darüber hinaus die besondere Darstellungs- und Forschungsform der beiden Autoren, die das Fragmentarische der Ganzheit, das Partikulare dem Universellen und die Konstellation dem System gegenüber vorzieht, dabei allerdings keinen Verzicht auf synthetische Interventionen oder, wie es bei Kluge heißt, »massenhaftes Unterscheidungsvermögen« leisten will.

Die von Kracauer und Kluge induzierten Modelle der Erforschung, Interpretation und Darstellung von Wirklichkeit sollen schließlich auf ihre gleichsam kritische wie alternative Bedeutung für menschliche Erfahrungs- und Beziehungsweisen hin befragt werden, auch insofern, als die kritische Praxis ihres Realismus als eine in die Formen menschlicher Erfahrungs- und Beziehungsverhältnisse praktisch eingreifende Produktionsweise immer schon Teil des gegenständlichen Zusammenhangs ist, den sie thematisiert.

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Publikationen

  • „Durchs Material der Welt hindurchgetrieben. Ein Interview mit Jörg Später über Siegfried Kracauers wunderlichen Marxismus“, in: Platypus Review #12, 2020. 
  • „Gegenstand, Darstellung, Kritik. Versuch über einige Berührungspunkte zwischen den Realismus-Konzeptionen von Siegfried Kracauer und Alexander Kluge“, in: Richard Langston et al. (Hg.), Alexander Kluge Jahrbuch, V&R unipress, Göttingen 2019, S. 387-404.
  • „Kracauer trifft Kluge. Über Adorno als Lehrer und als Schüler und über das Verhältnis von Erfahrung, Realismus, Poetik und Kritik“, in: Dennis Göttel/Christina Wessely (Hg.), Im Vorraum. Lebenswelten Kritischer Theorie um 1969, Kulturverlag Kadmos, Berlin 2019 (zusammen mit Jörg Später), S. 13-32.