Professur für Globalgeschichte

Aktuelles

Karte "Der große Ozean"

Digitale Ausstellung „Karten Wissen Meer“ jetzt online besuchen

Auf den Meeren formte sich die Welt zur Einheit. Welchen Anteil die Kartographie der Meere daran hat, globale Zusammenhänge beobachtbar und begreiflich zu machen, zeigt ab Herbst 2021 die digitale Ausstellung „Karten Wissen Meer: Globalisierung vom Wasser aus“.

Ausstellung besuchen
An See- und Meereskarten von der Wende zum 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts zeigt die Ausstellung, wie eine neuartige Kartographie die Herausbildung der globalen Welt vor Augen führte: Der maritime Handelsverkehr und die transozeanische Migration erscheinen hier ebenso wie die Wind- und Strömungssysteme der Ozeane oder die Topographie der Meeresböden. Die Breite der Exponate erstreckt sich von klassischen See- und Weltkarten in Mercator-Projektion über handgezeichnete Skizzen und Vogelschaupläne bis hin zu See-Atlanten und kartengestützten Werbeplakaten. Mit dieser Auswahl werden auch jene unterschiedlichen Funktionen und Qualitäten deutlich, die sich zeitgenössisch mit der Kartographie der Meere verbanden: Mal stiften Karten Orientierung, modellieren Räume, schaffen Übersicht und versprechen Ordnung; mal bekräftigen sie Argumente, veranschaulichen Daten, reflektieren Weltbilder oder regen zum Phantasieren an. Und manche Karten werfen mehr Fragen auf, als sie Antworten geben.

Weitere Informationen:

WortMelder-Beitrag: Präsentation der digitalen Ausstellung „Karten Wissen Meer“

Forschungsprojekt „Karten-Meere. Für eine Geschichte der Globalisierung vom Wasser aus“

Karten-Meere Blog

Interdisziplinäres Verbundprojekt gestartet

Unter dem Titel „Towards Illiberal Constitutionalism in East Central Europe: Historical Analysis in Comparative and Transnational Perspectives“ erforschen zehn Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus vier Ländern illiberale Tendenzen und ihre historischen Ursachen in Ostmitteleuropa. Neben Universitäten und Forschungsinstitutionen in Prag, Warschau, Budapest und Jena, sind zwei Forschungsprojekte auch an der Professur für Globalgeschichte der Universität Erfurt angesiedelt.

A new interdisciplinary project called „Towards Illiberal Constitutionalism in East Central Europe: Historical Analysis in Comparative and Transnational Perspectives“  has commenced at the University of Erfurt. Ten academic researchers from four countries will examine the rise of illiberalism in post-socialist East Central Europe and its historical roots. Two projects based at the Chair for Global History at the University of Erfurt will be collaborating with universities and academic institutions in Prague, Warsaw, Budapest and Jena.

Weitere Informationen:

Projektseite: Towards Illiberal Constitutionalism in East Central Europe: Historical Analysis in Comparative and Transnational Perspectives

 

Elefant vor dem Pagenhaus

Start ins Wintersemester

Zurück aus der virtuellen Welt: Die Professur und das Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes freut sich auf die Rückkehr der Präsenzveranstaltungen im Wintersemester 2021/22.

Auf der Tagesordnung stehen Veranstaltungsreihen wie das seit 2014 eingeführte Forschungsseminar „Mappings“ zur Historischen Wissensforschung und Kartographiegeschichte sowie das seit dem Sommersemester 2021 laufende Forschungsseminar zur Geschichte des Perthes Verlags und seiner Nachfolger in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Überdies bietet unsere Vortragsreihe „Tuesday Talks“ erneut ein breitgefächertes Themenfeld:

So können wir, dank der Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, am 26. Oktober Michael Jeismann (Leipzig) bei uns empfangen, um mit ihm über sein Buch „Die Freiheit der Liebe“ und Transkulturelle Paare zu sprechen. Am 9. November fragt Prof. Dr. Stephanie Zehnle (Kiel) nach den „Grenzen der Ahnen“ und das mit Blick auf Karten aus dem kolonialen Kamerun. Sodann wird in Kooperation mit dem Sammlungs- und Forschungsverbund Gotha / Gotha Transdigital 2027 und der Forschungsinitiative „Wissensdinge“ (Göttingen, Gotha und Lübeck) Prof. Dr. Peter Gaehtgens (Berlin) mit uns über „Die geraubten Objekte Tewodoros aus Magdala“ diskutieren.

Weitere Veranstaltungen und die genauen Hinweise zu Ort und Zeit finden Sie im Semesterprogramm. Hier ist ebenfalls ausgewiesen, ob wir uns in Präsenz oder online zusammenfinden.

Neue Forschungsprojekte

Kartographien Afrikas und Asiens (1800–1945). Ein Digitalisierungsprojekt zur Sammlung Perthes-Gotha (KarAfAs)

Die Sammlung Perthes birgt als Nachlass des Verlagshauses Justus Perthes eines der bedeutendsten Kartenarchive Kontinentaleuropas. Die Überlieferung der Kartensammlung ist ein Glücksfall, da sie sowohl die in Gotha produzierten als auch breite vom Verlag international angekaufte Kartenbestände umfasst. Dank der großzügigen Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird jetzt ein erster zentraler Teilbestand digital erschlossen und damit weltweit zugänglich gemacht...mehr

Bild: Originalkarte der nord-abessinischen Grenzlande,Maßstab: 1 : 500.000, Bruno Hassenstein, 1864 © SPK 547-112085962, Sammlung Perthes / Forschungsbibliothek Gotha

Voluntariness, Decolonization, and the Regulation of Labor in (Post) Colonial Ghana

This project analyzed voluntariness during a period of decolonization, thereby focusing on an often-overlooked political principle of (post) colonial governance By drawing on the example of the British Gold Coast/Ghana, it explores the ways in which voluntary practices shaped the political and social order during the transition from late colonial “indirect rule” to independence. In doing so, the project also explores the changing significance of voluntariness as a norm and resource in this particular period...more

Bild: Eine Formation der „Ghana Young Pioneers“ bei Aburi/Ghana mit beiden Flaggen, 23. Oktober 1964 © Wikimedia Commons/Wieland Koerbel

Between ‘Goodbye to Berlin’ and ‘Off to Casablanca’: Queer Migration and Border Transgressions in Twentieth-Century (West) Germany

So vielfältig und bunt die deutsche queere Geschichte des 20. Jahrhunderts ist, so schwierig und widersprüchlich ist sie auch. Deutschland war oft Zufluchtsort für queere Menschen aus dem Ausland, wie z.B. Dichter W.H. Auden und Schriftsteller Christopher Isherwood in Berlin in den 1920er Jahren, oder auch Queen Frontmann Freddie Mercury in München in den 1980ern. Gleichzeitig ist diese Geschichte aber auch von Unterdrückung und Ungerechtigkeit geprägt. Das Projekt untersucht diese wechselseitigen Trends der queeren Migration durch deutsche (geographische aber auch normative) Grenzen im Laufe des 20. Jahrhunderts...mehr

Bild: Berlin, Bar "Eldorado", 1932 © Bundesarchiv, Bild 183-1983-0121-500 / CC-BY-SA 3.0

Transnationale Unterwelt. Akteur*innen, Räume und Orte des „Mädchenhandels“. Deutschland-Frankreich-Nordafrika 1890-1940

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts interessierte sich eine transnationale Öffentlichkeit für den „Mädchenhandel“, den „traite des blanches“ oder die „white slavery“. In diesen gesellschaftlichen Verständigungsprozessen über mobility, sex and crime verschränkten sich Ängste vor (weiblicher) Sexualität, Mobilität und Globalität. Dabei gab es auch ein Interesse deutscher Akteur*innen für französische Städte, Mittelmeerhäfen und Nordafrika, die sowohl Frankreich eine zentrale Rolle im „Mädchenhandel“ zuschrieben als auch gängige Motive des Orientalismus bedienten...mehr

Bild: La Rue Bouterie à Marseille, Postkarte 1919, L. L., Louis Lévy, Paris © Wikimedia Commons

Hidden Histories: Frauen in ländlichen Entwicklungsprogrammen in Indien, c. 1920–1966

Das Projekt widmet sich Beiträgen indischer Frauen zu ländlichen Aufbauprogrammen von etwa 1920 bis 1966 und folgt dabei der Forderung, Gender als Analysekategorie in die Geschichte von Entwicklung einzubeziehen. Das Ziel des Projektes ist es, die Rolle von Frauen in der Gestaltung und Umsetzung von staatlichen und nichtstaatlichen ländlichen Entwicklungsprojekten in Indien in den Schlüsselbereichen Gesundheit, Bildung und Existenzsicherung zu untersuchen und auf diese Weise die Prozesse von Entwicklung und Staatsbürgerschaft neu zu erfassen...mehr

Bild: INDIEN: FAMILIENPLANUNG. NUM Familienplaner Vorlesungen Frauen auf die Verwendung von Verhütungsmitteln Geräte in einem Dorf in der Nähe von Neu-Delhi, Indien, 1968. Quelle: Granger Historical Picture Archive / Alamy Stock Foto.

Towards Illiberal Constitutionalism in East Central Europe: Historical Analysis in Comparative and Transnational Perspectives

Die Europäische Gemeinschaft betrachtete sich selbst lange Zeit als „Rechtsgemeinschaft“, weshalb sie die zentrale Rolle des Gesetzes im europäischen Prozess als einen „Integrationsprozess durch das Recht“ unterstrich. Rechtsstaatlichkeit, also die Machtbegrenzung von öffentlichen Ämtern durch das Gesetz und die Unabhängigkeit der Justiz, definiert dabei den demokratischen Charakter des europäischen Projekts. Hier stellt das Heranwachsen eines unverkennbaren illiberalen Konstitutionalismus, ein in sich selbst scheinbar widersprüchliches Konzept, in einigen ostmitteleuropäischen EU-Mitgliedern eine erhebliche Herausforderung mit potenziell weitreichenden Konsequenzen für die europäische Integration dar...mehr

Neuerscheinungen

Karten – Reisen

Struck, Wolfgang/ Schilling, Ruth/ Theis, Frederic/ Tüchert, Florian, Karten – Reisen. Von Meereswissen und Welterfahrung, Wiesbaden 2021.

Reisende waren Suchende, auf Segel- und Dampfschiffen, auf den Meeren und an den Küsten dieser Welt. Ihre Karten wissen zu berichten von dynamischer Kühnheit und wissbegieriger Erderkundung, vom Drang in die Ferne, von Sehnsüchten und Fantasien. Karten-Reisen entwickelt eine multiperspektivische Erzählung entlang persönlicher Reisegeschichten und einzigartiger Kartenblätter von der Antike über das ›Zeitalter der Entdeckungen‹ bis in das frühe 20. Jahrhundert. Wir laden dazu ein, Karten als Zeugnisse historischer Forschungsfahrten in entfernte Seegebiete zu lesen, als Ausweise touristischer Schiffspassagen, aber auch als Instrumente langfristiger Raumordnungsbestrebungen, die, bei Platon beginnend, bis in die jüngere Vergangenheit fortdauerten. Ergänzt um ausgewählte Textauszüge entwickelt der attraktive Band ein lebendiges Weltbefahrungspanorama und ist zugleich auch eine literarische Reise über das neu kartografierte Meer.

Die Publikation entstand im Rahmen des BMBF-Verbundprojektes „Karten-Meere. Für eine Geschichte der Globalisierung vom Wasser aus“.

Alle aktuellen Informationen zum Projekt finden sie im Karten-Meere Blog.

Zwischenfälle im Reichsland

Frenking, Sarah, Zwischenfälle im Reichsland. Überschreiten, Polizieren, Nationalisieren der deutsch-französischen Grenze (1887–1914), Frankfurt a.M./New York 2021.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) annektierte das Deutsche Kaiserreich das Elsass und Teile Lothringens, die damit als »Reichsland« bis 1918 zu Deutschland gehörten. Mit ihrer Untersuchung zeigt Sarah Frenking, welche Bedeutung die neu gezogene deutsch-französische Grenze im »nation building« des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts bekam. Ihre mikrohistorische Studie gibt erstmals Aufschluss über Entstehung und Praktiken einer Grenzpolizei und verbindet Polizeigeschichte und »border studies«. Sie analysiert die polizeilichen Kategorisierungsprozesse und Kontrollpraktiken sowie die vielfältigen Raumbezüge unterschiedlicher Grenzgänger_innen. Anhand der daraus resultierenden Konflikte zeichnet sie nach, wie die »Zwischenfälle« internationale diplomatische Dimensionen annahmen, wie der Grenze – und dem, was an ihr geschah – zunehmend mediale Aufmerksamkeit galt und sie mit einem nationalen Interesse verknüpft wurde.

„Zwischenfälle im Reichsland“ ist im Campus Verlag erschienen.

 

Information

Conference Postponement – „Africa and the Global Cold War III“

Due to the Corona pandemic, the conference "Africa and the Global Cold War III” - originally scheduled for 17-19 September 2020 – will be postponed. We are currently considering a new date for the event in 2021 and will publish any new information about the event on this website. We are still very much looking forward to holding the conference and to welcoming scholars working on Africa during the Cold War in Erfurt in the coming year!”

Contact:  christian.methfessel@uni-erfurt.de