University of Erfurt

Qualitätsoffensive Lehrerbildung - Identität. Immersion. Inklusion.

EINBLICKE: Erfurter Lehrerbildung im Blickpunkt

Der Präsident der Universität Erfurt, Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg, zu den Zukunftsaufgaben der tragenden Säule Lehrerbildung und den Beitrag des Vorhabens QUALITEACH

Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg

Die Lehrerbildung ist eine der tragenden Säulen und profilbestimmenden Elemente der Universität Erfurt. Damit stellt sich die Universität insbesondere auch den aktuellen bildungspolitischen Herausforderungen, die sowohl quantitativ als auch qualitativ hohe Ansprüche stellen. Einerseits müssen die Absolvierendenquoten auf hohem Niveau gesichert werden, andererseits hat ein berufsorientiertes Studienmodell in Verbindung von wissenschaftlicher Auseinandersetzung und der Reflexion schulpraktischer Erfahrungen bestmöglich auf den anspruchsvollen Lehrerberuf vorzubereiten.

 Das Projekt QUALITEACH leistet hier als Vorhaben des Bundesprogramms Qualitätsoffensive Lehrerbildung einen entscheidenden Beitrag:

  • Es entwickelt erfolgreiche Ansätze zur Förderung berufsrelevanter Persönlichkeitsmerkmale und überfachlicher Kompetenzen.
  • Es stimuliert selbstgesteuertes und kooperatives Lernen.
  • Es fördert auf Fachdidaktik spezifizierte Trainingsprogramme zur diskursiven Gesprächsführung.
  • Es unterstützt das forschende Lernen in Lehramtsstudiengängen.

In der nun begonnenen zweiten Förderphase werden diese Formate bis 20123 weiterentwickelt und im Zuge der anstehenden Reakkreditierungen nachhaltig in den Lehramtsstudiengängen verankert. Mit den Themenfeldern „Sprachliche Bildung in mehrsprachigen Kontexten“ und „Förderung von Lernenden mit besonderen Interessen und Begabungen“ gehen zusätzliche Heterogenitätsdimensionen in die Erfurter Lehrerbildung ein. Das Teilprojekt „Kompetenznetzwerk digitale fachbezogene Lehrerbildung“ bündelt außerdem fakultätsübergreifend Kompetenzen, um die vielfältigen Initiativen rund um das Themenfeld Digitalisierung für die Lehrerbildung nutzbar zu machen und gleichzeitig Impulse zur Digitalisierung an der Universität Erfurt zu setzen.


Insgesamt umfasst das Fördervolumen von 2016 bis 2023 mehr als sechs Millionen Euro aus der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Qualitätsoffensive Lehrerbildung. In der aktuellen zweiten Förderphase beteiligt sich die Universität Erfurt mit rund einer Million Euro zusätzlich daran.


Wobei sich insgesamt auch eine vielfältige Reihe von Zukunftsaufgaben stellt. Wie sichern wir sowohl die hohen Studierendenzahlen als auch die Qualität der Studienangebote? Wie gelingt ein evidenzbasiertes Studienkonzept auch unter dem Druck enger staatlicher Reglementierung durch die KMK-Vorgaben und Thüringer Lehrerbildungsgesetz? Wie integrieren wir die Fakultäten und insbesondere die Fachwissenschaften bei der Gestaltung einer professionsbezogenen Lehrerbildung? Wie gewinnen wir Absolventen/innen für eine Promotion und wie sichern wir den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Lehrerbildung? Wie entwickeln wir die bestehenden Strukturen weiter? Kann ein berufsbegleitendes Programm zur Deckung des Bedarfs von Lehrerinnen und Lehrern für die berufsbildende Schule gelingen? Wie verschränken wir bestmöglich die unterschiedlichen Phasen der Lehrerbildung und schaffen bruchlose Übergänge zwischen akademischer Ausbildung, dem Vorbereitungsdienst und dem Berufseinstieg?


Viele brisante Fragen und Aufgaben für die vor uns liegenden Jahre, denen wir uns mit Elan stellen wollen. Das Projekt QUALITEACH leistet dabei einen wertvollen Beitrag. Und die Lehrerbildung bleibt insgesamt eine der tragenden Säulen der Universität Erfurt. Allen Beteiligten sei herzlich für ihr großes Engagement gedankt.


Prof. Dr. Anja Binanzer und Prof. Dr. Dr. Csaba Földes zum Schwerpunkt Sprachliche Bildung in mehrsprachigen Kontexten

 

Prof. Dr. Anja Binanzer, Juniorprofessorin für Didaktik der deutschen Sprache am Seminar für Sprachwissenschaft, und Prof. Dr. Dr. Csaba Földes, Inhaber des Lehrstuhls für germanistische Sprachwissenschaft an der Philosophischen Fakultät, bereichern das Teilprojekt Kompetenz- und Entwicklungszentrum Inklusion durch die Bearbeitung des Schwerpunktes Sprachliche Bildung in mehrsprachigen Kontexten. Im Interview erläutern sie ihren Projektansatz.

 

In den Klassen der Grund-, Regel- und Förderschulen ist die Mehrsprachigkeit fast überall Realität. Wie bereiten wir an der Universität Erfurt auf diese Herausforderung des pädagogischen Alltags vor?

Die Themen Mehrsprachigkeit und Sprachliche Bildung sind zurzeit im Modul Heterogenität und Inklusion der Master of Education-Studiengänge verortet bzw. vertreten. Studierende mit dem Unterrichtsfach Deutsch können diese Themen in ausgewählten deutschdidaktischen Seminaren auch vertiefen. Darüber hinaus bieten wir ein Studienprogramm für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an, dass sich vornehmlich an Absolvent*innen der Master of Education-Studiengänge richtet. Entsprechend ist das Themengebiet in der Erfurter Lehrerbildung und auch im Studienprogramm der Germanistik repräsentiert, allerdings handelt es sich um fakultative und z. T. fachspezifische Studienangebote, die aktuell nicht alle Lehramtsstudierenden erreichen. Aufgrund der sprachlichen Vielfalt in Gesellschaft und Schule ist es aber dringend notwendig, alle zukünftigen Lehrkräfte auf den Umgang mit sprachlicher Heterogenität vorzubereiten und sie für die Interaktion von sprachlichen und fachlichen Lernprozessen sowie die besonderen (sprachlichen) Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit Deutsch als Zweitsprache zu sensibilisieren.

 

Wie soll der beantragte Schwerpunkt „Sprachliche Bildung in mehrsprachigen Kontexten“ in die Lehramtsstudiengänge der Universität Erfurt hineinwirken?

 Mit unserem Teilprojekt wollen wir das Studienangebot zu den Themen Mehrsprachigkeit und Sprachliche Bildung stärken und ein Angebot schaffen, dass für alle Lehramtsstudierenden geöffnet ist. Dies wollen wir durch zwei Maßnahmen erreichen: 

Zum einen soll in der Lernwerkstatt eine praxisorientierte Werkstatt für sprachliche Bildung in mehrsprachigen Kontexten eingerichtet werden, in der zum einen kollaborativ mit Studierenden aller Unterrichtsfächer ein Pool für sprachsensible Unterrichtsmaterialien entwickelt werden soll. In der Werkstatt wird auch eine DaZ-Sprechstunde angeboten werden, in der sich alle Lehramtsstudierenden zum Unterrichten von Kindern und Jugendlichen mit Deutsch als Zweitsprache und zum sprachsensiblen Unterricht beraten lassen können. Darüber hinaus werden von dieser Werkstatt auch Workshops zum Themengebiet angeboten.
Zum anderen wollen wir auf hochschuldidaktischer Ebene in Kooperation mit Fachdidaktiker*innen und Bildungswissenschaftler*innen der Universität Erfurt interdisziplinäre Lehrformate entwickeln, um den Themenbereich fächerübergreifend in die Erfurter Lehrerbildung zu integrieren. Dabei wollen wir auch auf die in der „Werkstatt für sprachliche Bildung in mehrsprachigen Kontexten“ entwickelten Lehr-Lern-Materialien für sprachsensiblen Unterricht zurückgreifen und sie in der Lehre für verschiedene Unterrichtsfächer einsetzen.

 

Sie steigen im Juli 2019 in das bereits seit dreieinhalb Jahren laufende Vorhaben QUALITEACH ein. Gibt es dort entwickelte inhaltliche, didaktische oder organisatorische Formate, die Sie aufgreifen und in Kooperation mit anderen Akteur*innen weiterentwickeln möchten?

 Unser Teilprojekt wird im Kompetenz- und Entwicklungszentrum Inklusion angesiedelt sein. Die inhaltlich dahinterstehende Idee ist es, den bisher an der Universität Erfurt vertretenen Inklusionsbegriff gemeinsam mit den Kolleg*innen um die Heterogenitätsdimension Mehrsprachigkeit zu erweitern. 

Didaktisch knüpfen wir ebenfalls an Formate an, die im Kompetenz- und Entwicklungszentrum Inklusion bereits in der ersten Phase erfolgreich erprobt wurden. So greifen wir hochschuldidaktisch z. B. das Team-Teaching- und Team-Planning-Format auf, um gemeinsam mit Lehrenden anderer Unterrichtsfächer das Themengebiet Mehrsprachigkeit und Sprachliche Bildung auch in die fachspezifische Lehrerbildung zu integrieren. Die DaZ-Werkstatt können wir außerdem die das Angebot der Lernwerkstatt integrieren, so dass die bereits aufgebauten Strukturen auch inhaltlich erweitert werden können.  
Schließlich streben wir an, gemeinsam mit den QUALITEACH-Kolleg*innen für die nächste Reakkreditierung der Lehramtsstudiengänge ein Inklusionsmodul zu entwickeln, in dem auch das Themengebiet Mehrsprachigkeit und Sprachliche Bildung in mehrsprachigen Kontexten verankert werden soll.


Prof. Dr. Heike Hahn und Prof. Dr. Ernst Hany zum Schwerpunkt Förderung besonderer Interessen und Begabungen

Heike Hahn, (apl.) Professorin für Mathematikdidaktik, und Ernst Hany, Professor für Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät, werden im Teilprojekt Kompetenz- und Entwicklungszentrum Inklusion das Thema „Förderung besonderer Interessen und Begabungen“ bearbeiten. Im Interview erläutern sie ihren Projektansatz.


In den öffentlichen Diskussionen rund um das Thema Heterogenität und Inklusion spielt die Förderung von besonderen Interessen und Begabungen kaum eine Rolle. Warum rücken Sie es im Vorhaben QUALITEACH stärker in den Fokus?

 Prof. Hany: Fachleute unterscheiden einen engen und einen weiten Inklusionsbegriff. Zu einem weiten Verständnis von Inklusion – und Inklusion sollte weit verstanden werden – gehört auch die angemessene Förderung leistungsstarker oder potentiell leistungsstarker Kinder. Das hat die KMK 2015 in einem Grundsatzpapier selbst festgestellt und 2016 ein bundesweites Förderprogramm aufgelegt. Interessanterweise fragen die Lehramtsstudierenden in Erfurt selbst immer wieder nach Grundlagen und Empfehlungen für die Förderung besonders begabter Schüler*innen. Einfach deshalb, weil sie solchen Kindern in ihren Praktika begegnen und sie individuell fördern wollen.

Prof. Hahn: Dass Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und verschiedenen Lernmöglichkeiten gemeinsam in einer Lerngruppe sind, können wir tagtäglich im Unterricht sehen. Dabei werden Kinder, die langsamer lernen als andere, die besondere Hilfe benötigen, die mit einem speziellen Material arbeiten, die eine wiederholte Erklärung eines Inhaltes benötigen, wahrgenommen. Für sie gibt es – oft auch institutionalisierte – Angebote sowie eine sonderpädagogisch ausgerichtete Didaktik. Für Kinder am anderen Ende des Leistungsspektrums trifft dies leider oft nicht zu. Daher geht es uns im Projekt darum, Konzepte für eine angemessene Förderung aller Kinder zu entwickeln, die auch die mathematisch Interessierten bzw. Begabten in ihrer Entwicklung voranbringt.

 

Wie soll der beantragte Schwerpunkt „Förderung besonders interessierter und begabter Kinder“ in die Lehramtsstudiengänge der Universität Erfurt hineinwirken?

 Prof. Hany: Die lehrerbildenden Masterstudiengänge in Erfurt enthalten schon seit Jahren ein Modul zur Heterogenität. Darin ist eine Vorlesung zur Begabungs- und Begabtenförderung als Wahlangebot vorgesehen. Dieses Angebot wird sehr stark in Anspruch genommen und soll deshalb intensiviert und aktualisiert werden. Auch andere Hochschulen zeigen sich an dieser Online-Vorlesung interessiert, so dass die Vorlesung in die dortigen Studiengänge eingespeist werden könnte.

Prof. Hahn: Über eine Sensibilisierung der Studierenden für mathematisch besonders interessierte bzw. begabte Grundschulkinder hinaus geht es darum, mathematikdidaktische Lehr-Lern-Konzepte zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren, mit denen eine integrierte Förderung im Sinne der KMK-Förderstrategie (KMK 2015) erfolgen kann. Förderangebote des Enrichments bzw. der Akzeleration, die über Arbeitsgemeinschaften, Wettbewerbe, Mathe-Olympiaden, Schnupperkurse in höheren Jahrgangsstufen oder Feriencamps organsiert werden, sind im schulischen Kontext mehr oder weniger gut verbreitet. Mit unserem Konzept orientieren wir auf die Individualisierung der Lernprozesse im Unterricht. Im Projekt werden Lernsettings entwickelt, erprobt und schließlich dauerhaft in die Lehramtsausbildung integriert, mit denen auch besonders mathematisch interessierte Schülerinnen und Schüler angemessen gefördert werden können. Erfahrungen in der Arbeit mit solchen qualitativ wertvollen Lernsettings und die Diskussion darüber wird Lehramtsstudierenden schließlich helfen, in ihrem späteren Mathematikunterricht in der Schule diese Schülerklientel nicht aus den Augen zu verlieren.

 

In einem Drittmittelprojekt können mit zusätzlichen Ressourcen sehr interessante Ansätze entwickelt werden. Was werden die Lehramtsstudierenden nach der Projektlaufzeit noch von Ihren Entwicklungen haben?

 Prof. Hahn: Am Ende der Projektlaufzeit stehen Lernsettings mit Förderansätze zu verschiedenen mathematischen Inhalten zur weiteren Nutzung zur Verfügung, die zur Diagnose von Kindern mit besonderen mathematischen Interessen herangezogen werden können und die Aufgabenformate zur vertieften inhaltsbezogenen Erschließung enthalten, bei denen die Weiterentwicklung von heuristischen Strategien sowie Fähigkeiten im Erkennen und Nutzen von Mustern, Beziehungen, Regeln, Regelmäßigkeiten ein zentrales Anliegen ist. Unser Ziel ist es, dass Studierende in den mathematikdidaktischen Lehrveranstaltungen passende Lehr-Lern-Konzepte kennenlernen, die sie im Komplexen Schulpraktikum und in ihrer späteren Berufspraxis nutzen und anwenden können.

Prof. Hany: Im Rahmen von QUALITEACH sollen Schulen, die an der Initiative „Leistung macht Schule“ teilnehmen, nach ihren Konzepten, Erfahrungen und Erfolgen befragt werden. Diese Modellversuche, die an 300 Schulen im ganzen Bundesgebiet, darunter auch an sechs Schulen in Thüringen, stattfinden, sollen in Fallstudien aufgearbeitet und den Studierenden als Lernmaterial langfristig zur Verfügung gestellt werden. Idealerweise können wir Kooperationen zu den beteiligten Thüringer Schulen aufbauen und langfristig fortführen.


Neues Teilprojekt: Kompetenznetzwerk digitale fachbezogene Lehrerbildung

 

Prof. Dr. Petra Kirchhoff, Prof. Dr. Sven Jöckel und Prof. Dr. Patrick Rössler: Digitale Medien in der Lehrerbildung

In der Fortsetzungsphase von QUALITEACH werden neben der nachhaltigen Weiterentwicklung der bisher vorhandenen Fördergebiete weitere Akzente in der Digitalisierung gesetzt, um die angehenden Lehrkräfte auf die Anforderungen einer Bildung in der digitalen Welt vorzubereiten. Hierbei sollen die Lehramtsstudierenden die eigene digitale Medienkompetenz ausbauen sowie mediendidaktische Kompetenzen entwickeln, damit sie digitale Medien sinnvoll und lernförderlich im eigenen Fachunterricht einsetzen können.


Digitalisierung in der Lehrerbildung fassen wir als Querschnittsaufgabe aller lehrerbildenden Fächer auf. Im Kompetenznetzwerk digitale fachbezogene Lehrerbildung werden die in der ersten Förderphase entwickelten Ansätze der digitalen Unterstützung der lehramtsbezogenen Lehre systematisiert, weiterentwickelt und in ein curriculares phasenübergreifendes Konzept integriert. Im nächsten Schritt werden wir Möglichkeiten finden, die Angebote zum digital gestützten Lernen und Lehren an Schulen in die bereits bestehende Lehre an der Hochschule zu integrieren. Dadurch sollen alle Lehramtsstudierende der Universität Erfurt verpflichtend mit diesem Thema in Berührung kommen. Zudem wird in der Kommunikationswissenschaft ein Lehrangebot entwickelt, welches grundlegende Bereiche der digitalen Medienkompetenz vermittelt.


Die verstärkte Hinwendung zum digitalen Lernen an Hochschule und Schule ist eine große Entwicklungsaufgabe für die Universität Erfurt und ihre Partner. Im Fokus steht hier nicht nur der Aufbau einer technischen Infrastruktur, sondern auch und vor allem die Arbeit an Curricula und hochschuldidaktischen Unterrichtskonzepten. Hinzu kommt die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften sowie die Klärung rechtlicher Rahmenbedingen. Zudem gilt es mit unseren Partnerschulen in einem interdisziplinären Kompetenznetzwerk für digitale Lehrerbildung herauszufinden, wie wir bestehende Bildungsprobleme auch mit Hilfe der digitalen Medien lösen können.

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