University of Erfurt

Exhibitions

„Gotha macht Schule - Bildung von Luther bis Francke“

Ausstellung der Forschungsbibliothek Gotha und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha auf Schloss Friedenstein vom 28. April bis 4. August 2013

Das Reformationsjubiläum 2017 und der 350. Geburtstag von August Hermann Francke (1663-1727) – einer der wichtigsten Gestalten des lutherischen Pietismus – 2013 bilden den Rahmen für die Ausstellung „Gotha macht Schule – Bildung von Luther bis Francke“ auf Schloss Friedenstein in Gotha. Die Ausstellung stellt aufgrund bislang weitgehend unbekannter Quellen erstmals in großem Umfang das Herzogtum Sachsen-Gotha als Musterland für die Entwicklung innovativer Bildungskonzepte in der Frühen Neuzeit vor. Sie ist zugleich Korrespondenzausstellung des von den Franckeschen Stiftungen 2013 veranstalteten Francke-Jahres.

Die Ausstellung schlägt einen weiten Bogen: Von der Einrichtung des Gothaer Gymnasiums im Jahre 1524 durch den lutherischen Reformator Friedrich Myconius (1490-1546), der die bildungsreformatorischen Ansätze Luthers und Melanchthons durch eine Stärkung der humanistischen Studien in den Schulalltag umsetzte, über die umfassenden Schulreformen unter Herzog Ernst I. (1601-1675) in den 1640er Jahren bis hin zu den Umgestaltungen des Schulsystems im frühen 18. Jahrhundert durch den Rektor des Gothaer Gymnasiums und Pietisten Gottfried Vockerodt (1665-1727).

Insbesondere unter Ernst I. kam es zu einer räumlichen Verdichtung des pädagogischen Wissens im Herzogtum Sachsen-Gotha, das eng mit den führenden Bildungsreformern der Zeit Wolfgang Ratke (1571-1635), Johannes Kromayer (1576-1643) und Sigismund Evenius (1585/9-1639) verknüpft ist. Eine besondere Bedeutung bei der Umsetzung der Reformen spielte Andreas Reyher (1601-1673), Rektor des Gothaer Gymnasiums, der mit seinem „Schulmethodus“ von 1642 den Unterricht in den Elementarschulen regelte. Eine allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen und der Naturalienunterricht an allen Schulen wurden ebenso eingeführt wie die höheren Klassen am Gymnasium. Eine breite Grundausbildung (einschließlich der Erwachsenbildung) ging hier Hand in Hand mit einer Elitenbildung. Wie sehr das Herzogtum zu einem Musterland wurde, wird daran ersichtlich, dass Francke, der seine Schulzeit in Gotha verbrachte und dort in den 1690er Jahren die pietistische Gemeinde förderte, wesentliche Elemente dieses Schulsystems für die Neugründung des Waisenhauses in Halle übernahm.

Natürlich sollen bei allen diesen theoretischen Debatten die praktischen Aspekte des Unterrichts nicht zu kurz kommen: Wie sah der Schulalltag der Schüler und Schülerinnen aus? Was wurde gelehrt und wie wurde der Unterricht gestaltet? Welche Schwerpunkte prägten sich aus?

Um die theoretischen Diskussionen und den Schulalltag lebendig werden zu lassen, werden aus den reichen, in diesem Umfang nahezu einmaligen Sammlungen der Forschungsbibliothek Gotha, der Stiftung Schloss Friedenstein sowie des Staatsarchivs Gotha Stundenpläne, Schultabellen und Seelenregister gezeigt, ebenso Schulbücher und -hefte, zeitgenössisches Mobiliar, Naturalien, Karten, Grafiken, Kupferstiche und Gemälde. Eine besondere Rarität sind Reden und Theateraufführungen von Schülern, die uns ein eindringliches Bild vom damaligen Bildungsstand vermitteln.

„Mit Lust und Liebe singen“ – Die Reformation und ihre Lieder

Ausstellung der Forschungsbibliothek Gotha und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha auf Schloss Friedenstein vom 6. Mai bis 12. August 2012


Was wäre die Reformation in Deutschland ohne ihre Lieder? Gesammelt und veröffentlicht wurden sie in Gesangbüchern, die zunächst für die Kantoren und Pfarrer gedacht waren. Im Gottesdienst wurden die Lieder auswendig gesungen. Erst um 1700 setzte sich das Gesangbuch für jeden Haushalt und im Gottesdienst durch. In dieser Zeit entstanden die ersten offiziellen Gesangbücher für einzelne Territorien. Das Gesangbuch ist eine der traditionsreichsten Buchgattungen überhaupt und war im protestantischen Bereich über Jahrhunderte ein noch größerer Bestseller als die Bibel. Es wurde von Generation zu Generation weitergegeben und war – sichtbar unter dem Arm in den Gottesdienst getragen – Bekenntnisbuch und Identitätssymbol.

Historische Gesangbücher und die in ihnen überlieferten Lieder mit ihrer tiefen Verwurzelung im Leben sind heute bedeutende kulturgeschichtliche Quellen. Die Ausstellung zeigt die Gesangbücher selbst und präsentiert zugleich das reiche Thüringer Liedschaffen, das seinen Niederschlag in ihnen gefunden hat. Sie widmet sich der Thüringer Gesangbuch-Landschaft vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, die so vielfältig ist wie die Thüringer Landkarten dieser Zeit bunt waren.

Veranstalter: Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha in Zusammenarbeit mit dem Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Gotha.


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