University of Erfurt

Die Bibel im Protestantismus

Martin Luther: Druckmanuskript der dt. Übersetzung des Propheten Jeremia. [Coburg], 19. Juni 1530. FBG, Chart. B 142, Bl. 31v.
Friedrich Myconius: Handschriftliche Einträge in die Bibel. FBG, Mon. typ. 1514 8° 4a, S. LXVjr.

 

Die bekannte protestantische Formel „sola scriptura“ (die Schrift allein) steht für die Ansicht, dass die Bibel nicht nur die alleinige Quelle zur Ermittlung der wahren Lehre Christi sei, sondern sich auch gleichsam selbst auslege, so dass es zu ihrem Verständnis keiner kirchlichen Tradition bedürfe. Die Zentrierung auf das Wort, wie es im protestantischen Gottesdienst mit eingeschränktem sinnlichen Beiwerk sichtbar wird, zog zahlreiche Neuausgaben der Bibel in den Landessprachen nach sich. Martin Luther übersetzte die ganze Bibel zwischen 1521 und 1534 in die deutsche Sprache. Sein Druckmanuskript zum Propheten Jeremia (Kap. 20, Vers 7-16) zeigt, wie er bis zum Schluss um die rechte Übersetzung der Worte rang. Ihm verdanken wir viele neue Redewendungen, die unsere Sprache bis heute bereichern.

Auf reformierter Seite liegt ein ähnlich epochales Werk von Johannes Piscator (1546–1625) vor, der von 1602 bis 1604 die erste Bibelübersetzung im Sinne des reformierten Glaubens anfertigte. Eine umfangreiche Bibelkonkordanz erschloss das Werk, um einen systematischen Vergleich der Wortverwendungen – wie das Verb „entgegen gehen“ – zu ermöglichen. Die Gelehrten arbeiteten aber weiterhin bevorzugt mit der Bibel in lateinischer Sprache („Vulgata“), wie das persönliche Exemplar des Thüringer Reformators und Gothaer Pfarrers Friedrich Myconius (1490–1546) belegt. Es ist mit zahlreichen handschriftlichen Randkommentaren versehen. Ob nun in deutscher oder lateinischer Sprache: Die Bibel blieb im Protestantismus das Buch der Bücher.

Navigation

Toolbox

User menu and language choice