University of Erfurt

Gesammelte Erinnerung

Johannes Forster: Bucheintrag auf dem Vorsatzblatt einer Bibel. [September] 1556. FBG, Chart. A 379, Bl. 56ar.
Georg Major: Bucheinträge auf dem Vorsatzblatt einer Bibel. Wittenberg, 1556. FBG, Chart. A 379, Bl. 54v.

 

Schon zu Lebzeiten Luthers kam unter Wittenberger Studenten der Brauch auf, die Reformatoren um handschriftliche Einträge in neu erworbene Bücher zu bitten. Insbesondere auf bei gebundenen Vorsatzblättern in Exemplaren der Lutherbibel sind in großer Zahl Bucheinzeichnungen der Wittenberger Reformatoren überliefert. Diese Autographensammlungen waren Vorläufer der Stammbücher (Alba amicorum). Sie hatten einen hohen ideellen Wert und waren ein wichtiger Teil der protestantischen Erinnerungskultur. So findet sich auf dem Vorsatzblatt einer Bibel ein Eintrag von Johannes Forster (1496–1556), Professor für Hebräisch und Altes Testament in Wittenberg, den er kurz vor seinem Tod verfasste. Er wählte für seinen Eintrag ein Psalmzitat, das er aus dem hebräischen Urtext und in lateinischer Übersetzung zitierte: „im Buch ist von mir geschrieben“ (Psalm 40, 8). Anschließend folgen eine Auslegung der Textstelle sowie eine knappe methodische Anleitung zur Bibellektüre.

Ähnlich aufgebaut ist der Bibeleintrag von Georg Major (1502–1574), der seit 1537 als Prediger an der Wittenberger Schlosskirche und nach seiner Promotion 1544 bis zu seinem Lebensende – mit kurzer Unterbrechung – als Theologieprofessor in Wittenberg wirkte. Er wählte als ermutigenden Spruch den Bibelvers 1. Timotheus 4,13: „Fahre vor mit Vorlesen, mit Ermahnen, mit Lehren, bis ich komme“. Dass sich Philipp Melanchthon auf derselben Seite wie Major verewigte, belegt die Bedeutung der kollektiven Identität und Autorität der sogenannten Wittenberger Schule im 16. Jahrhundert auch nach Luthers Tod.

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