University of Erfurt

Protestantische Erinnerungskulturen

Kupferstich aus Ernst Salomon Cyprians "Hilaria Evangelica", FB Gotha, Th 4° 3085, 3.

 

Die hier gezeigten Handschriften sind Teil einer umfangreichen protestantischen Erinnerungskultur, die schon zu Lebzeiten Martin Luthers, Philipp Melanchthons, Ulrich Zwinglis und Johannes Calvins gepflegt wurde. Viele Studenten, Pfarrer und Theologen strebten danach, in den Besitz eines eigenhändigen Schriftstücks eines Reformators zu gelangen oder Abschriftensammlungen von Briefen, Gutachten und Sprüchen dieser verehrten Personen anzulegen. Man wusste um die epochemachenden Folgen des Ereignisses der Reformation. Das Herzogtum Sachsen-Gotha(-Altenburg) fühlte sich dieser Erinnerungskultur seit seiner Einrichtung im Jahre 1640 durch Herzog Ernst I. (1601-1675), genannt der Fromme, verpflichtet.

Ernst I. und die nachfolgenden Herzöge Friedrich I. (1646-1691) und Friedrich II. (1676-1732) verstanden ihre Dynastie als Sachwalterin des "wahren Luthertums". Sie scheuten keine Mühen und Kosten, um die handschriftlichen Bestände der Herzoglichen Bibliothek auf Schloss Friedenstein durch Erwerbungen in den nächsten Jahrhunderten kontinuierlich zu erweitern. Früh wurde die Bibliothek unter den Reformationshistoriographen Veit Ludwig von Seckendorff (1626-1692), Wilhelm Ernst Tentzel (1659-1707), Christian Schlegel (1667-1722) und Ernst Salomon Cyprian (1673-1745) zu einem Zentrum der Reformationsforschung ausgebaut. Insbesondere das 200jährige Jubiläum der Reformation 1717 war für die Erneuerung und Vertiefung der protestantischen Erinnerungskultur bedeutend.

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