University of Erfurt

Visitation und Ordination

Nikolaus Selnecker: Visitationsakten für die Stadt Leipzig und das dazu gehörige Land, 1577/78. FBG, Chart. A 632, Bl. 118r.
Paul Eber: Titelblatt des Wittenberger Ordiniertenbuches (1558–1567).
FBG, Chart. B 18, Bl. 1r.

 

Um die Inhalte der Reformation bekanntzumachen, sie mit den jeweiligen örtlichen Bedingungen in Übereinstimmung zu bringen und zugleich die Einhaltung der Lehren zu überprüfen, ließ die Obrigkeit im mitteldeutschen Raum zahlreiche Kirchen- und Schulvisitationen durchführen. Aus der Hand des Leipziger Superintendenten Nikolaus Selnecker stammen die Visitationsakten für Leipzig und Umgebung, die im Zusammenhang mit der Einführung der Konkordienformel flächendeckend in Kursachsen durchgeführt worden sind. Thematisch konzentrierten sich die Befragungen vor allem auf die kirchliche Disziplin, die Häufigkeit des Kirchgangs und die Arbeit der Geistlichen, ihrer Diakone und der Lehrer.

Die Vereinheitlichung der Lehre stieß dabei immer wieder an ihre Grenzen durch neue, auch politisch motivierte Konflikte, wie das Verzeichnis entlassener Theologen und Pfarrer belegt, die durch einen radikalen Personalwechsel unter dem albertinischen Kurfürsten August von Sachsen ihr Amt verloren hatten. Zu ihnen gehörten u.a. der Gothaer Superintendent Melchior Weidmann (1529–1597) sowie der ehemalige Weimarer Hofprediger Bartholomäus Gernhard (1525–1600), der dieses Verzeichnis seit 1573 führte. Ein Verzeichnis anderer Art führte Paul Eber (1511–1569), der seit 1558 als Stadtpfarrer und Superintendent in Wittenberg für die Ordination von neuen Pfarrern zuständig war. Sein Ordiniertenbuch belegt eindrucksvoll, dass Wittenberg über lange Zeit der zentrale Ordinationsort für die Kirchen der lutherischen Reformation in fast ganz Europa war.

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