University of Erfurt

Wittenberger Gelehrsamkeit

Philipp Melanchthon: Horoskope für die Söhne des Justus Menius. [Wittenberg],
vor 9. September [1545].
FBG, Chart. A 384, Bl. 66r und 67r.
David Aquila: Handschriftliche Einträge in Paul Ebers Calendarium Historicum (Wittenberg 1564). Druck 8° 213, S. 429.

 

Die Wittenberger Reformation wurde dank Philipp Melanchthons (1497–1560), Praeceptor Germaniae, auch zu einer humanistischen Bildungsreform. Seine universale Gelehrsamkeit, die er in zahlreichen Schriften zu fast allen wissenschaftlichen Disziplinen zum Ausdruck brachte, umfasste auch die Astrologie. Anders als Luther, der sie aus religiösen und wissenschaftlichen Gründen vehement ablehnte, sah Melanchthon in ihr ein göttliches Zeichen für die Geschicke der Völker und Menschen. Er selbst erstellte viele Horoskope, wie jene für die beiden Söhne seines Freundes Justus Menius (1499–1558). Dem älteren Sohn Justinus bescheinigte er eine eher martialische Natur, dem jüngeren Sohn Eusebius eine Liebe zu den philosophischen Studien.

Paul Ebers (1511–1569) Calendarium historicum, erstmals 1550 in Wittenberg erschienen, ist Archetyp des historischen Tageskalenders, der ein wichtiger Bestandteil der protestantischen Gelehrtenkultur wurde. Er enthält biblische und historische Ereignisse sowie die Lebensdaten geistlicher und weltlicher Persönlichkeiten für das ganze Jahr. David Aquila (1540–1614), Sohn des „Saalfelder Reformators“ Caspar Aquila (1488–1560) hielt seit 1565 bis kurz vor seinem Tod in seinem Handexemplar autobiographische und zeitgeschichtliche Ereignisse in zahlreichen Notizen fest. Von einem besonderen historischen Interesse sind Aquilas Einträge zum Geschehen an der Universität Jena, an der er selbst studierte und 1568 seinen Magistergrad erwarb.

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