University of Erfurt

Das 16. Jahrhundert

Lied „Nun freut Euch, lieben Christen g’mein“ im Gothaer Chorbuch Johann Walters, FB Gotha, Chart. A 98, Bl. 158v-159r.

Die Hinrichtung zweier, sich zur Reformation bekennender Augustinermönche am 1. Juli 1523 in Brüssel war der Anlass für Martin Luthers (1483-1546) erstes Kirchenlied. In „Ein neues Lied wir heben an“ kehrte er die Schrecken dieses Ereignisses in ein „Gottes Lob und Singen“ der Märtyrer um. Das „fröhliche Singen“ auch angesichts von Leid und Tod wurde nachfolgend zu einem Kennzeichen des evangelischen Liedguts. Luther hat dieses Motiv in dem Lied „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ erneut aufgenommen. Es bildet den Kern des Achtliederbuchs, das neben den vier Texten des Reformators auch drei von Paul Speratus (1484-1551) enthält.

Das so genannte Gothaer Chorbuch ließ Luthers „Kantor“ Johann Walter (1496-1570) im Auftrag des Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen erstellen. Die prachtvolle Handschrift enthält das gottesdienstliche Repertoire im protestantischen Mitteldeutschland um 1550. Walter nahm sie aus Torgau nach Jena mit. Von dort gelangte sie nach mehr als 160 Jahren Wanderschaft in die Herzogliche Bibliothek nach Gotha und wird seitdem als „Gothaer Chorbuch“ bezeichnet.

Weitere Exponate aus der reformierten und katholischen Tradition runden das interkonfessionelle Bild des ersten Themenkreises ab. Hierzu zählen auf katholischer Seite das 1537 durch Michael Vehe (1485-1539) in Halle herausgegebene New Gesangbüchlein Geystlicher Lieder und die 1567 veröffentlichten Geistlichen Lieder und Psalmen des Bautzener Domdekans Johannes Leisentritt (1527-1586).

Für die reformierte Kirche wurde der sogenannte Hugenottenpsalter verbindlich, der aus den Übersetzungen des Theologen Théodore de Bèze und des Dichters Clement Marot zusammengestellt worden ist. Ambrosius Lobwasser (1515-1585) edierte 1573 unter dem Titel Psalmen Davids eine deutsche Version, die über 100 weitere Auflagen erlebte und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts das maßgebliche Gesangbuch der reformierten Gemeinden blieb.

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