University of Erfurt

Study Centre for Protestantism

Fürsten und Theologen der Wittenberger Reformation

Die Reformationshandschriften und -drucke der Forschungsbibliothek Gotha

In einem Kupferstich von Gotha des ausgehenden 17. Jahrhunderts wird Schloss Friedenstein treffend als Schutzstätte der ernestinischen Bibliothek (Bibliothecae Ernestinae sacrarium) bezeichnet. Unter den vielfältigen und umfangreichen Beständen der heutigen Forschungsbibliothek Gotha gilt die Sammlung der Reformationshandschriften und -drucke. Ihre Entstehung war dynastisch motiviert und hing unmittelbar mit dem Selbstverständnis der Ernestiner als Schutzherren des Luthertums zusammen. Bereits in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung wurde die Politik der sächsischen Kurfürsten entsprechend diesem Image stilisiert. Durch die erfolgreiche Schutzpolitik Friedrichs des Weisen gegenüber Papst und Kaiser gewann Martin Luther den Freiraum, um seine Kirchenreform zu verwirklichen. Johann der Beständige erhielt seinen Beinamen vor allem dadurch, dass er auf dem Augsburger Reichstag von 1530 Kaiser Karl V. die Confessio Augustana überreichte, die unmittelbar danach zur Bekenntnisgrundlage des Protestantismus wurde. Nach dem Tod Luthers im Jahre 1546 und der machtpolitischen Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg 1547 bemühte sich Johann Friedrich der Großmütige um die Bewahrung des theologischen Erbes des Reformators gegenüber dem Religionsausgleich des Kaisers und der Pluralität innerhalb des Luthertums. Diesem dynastischen Selbstbild verpflichtet, entwickelten die Herzöge von Sachsen-Gotha ihre 1647 gegründete Bibliothek zum Erinnerungsort der Reformation. Zum Grundstock gehörten solche repräsentativen Objekte wie der Teilnachlass des kursächsischen Hofpredigers, Geheimsekretärs und frühen Weggefährten Luthers, Georg Spalatin, sowie der umfangreiche Nachlass des Nachfolgers Luthers und Melanchthons an der Universität Wittenberg, Paul Eber. Durch die Aufnahme der Altenburger Hofbibliothek kamen 1672 zentrale Bestände auch zur Spätreformation in Thüringen in die von Herzog Ernst dem Frommen gegründete Sammlung. Ernsts Nachfolger, allen voran Herzog Friedrich II. mit seinem Kirchenrat und Bibliothekar Ernst Salomon Cyprian, bauten diese Sammlung rasch aus, so dass sie bereits Anfang des 18. Jahrhunderts die Reformation als gesamteuropäisches Phänomen widerspiegelte. (Texte: Daniel Gehrt)

Virtuelle Ausstellung

To top

To top

Navigation

Toolbox

User menu and language choice