University of Erfurt

Theological research seminar

Lea Lerch: Doktorandin

Lea Lerch (geb. Herberg)

Doktorandin

 Lea_Lerch@gmx.de

Dissertationsprojekt

Modernisierung durch Kulturkritik. Historischer Kontext und theologische Heterogenität der Liturgischen Bewegung


Die Liturgische Bewegung des 20. Jahrhunderts nimmt sich als Zeugin einer historischen Zäsur wahr, welche die von der Aufklärung geprägte Epoche beendet. Daraus entsteht ein ‚Zugleich‘ von modernekritischen Gegenwartsanalysen und spezifischem Anspruch auf Modernität, das die Liturgische Bewegung mit kulturkritischem Denken der Zwischenkriegszeit verbindet. In zeittypischer Weise präsentiert sie die eigenen fachspezifischen Anliegen als umfassende Antwort auf ebenso akute wie zukunftsentscheidende Fragen. Ein zentrales zeitgenössisches Motiv, das in theologischer Wendung von der Liturgischen Bewegung aufgenommen wird, ist die Suche nach einer neuen Verhältnisbestimmung von Individuum und Gemeinschaft im gesellschaftlich-politischen Bereich: Dieses Grundanliegen bestimmt zeitgenössische Deutungen und Sinngebungen des Ersten Weltkriegs und setzt sich im kulturkritischen Denken der Weimarer Republik fort. Insbesondere die Kontextualisierung der Liturgischen Bewegung mit den „Ideen von 1914“ als einem anlässlich des Ersten Weltkriegs geführten Diskurs über Freiheit in politischer, gesellschaftlicher und anthropologischer Hinsicht ermöglicht daher ein neues Verständnis des spezifischen, liturgiebezogenen Gemeinschaftsdenkens der Liturgischen Bewegung sowie ihrer Zeitdiagnosen, ihrer Geschichtsbilder und ihres Selbstverständnisses als einer katholisch-theologischen Erneuerungsbewegung. Diese Anliegen sind in der Rede von der „Objektivität“ der Liturgie konzentriert – einem Leitmotiv der Liturgischen Bewegung in ihren Reflexionen gesellschaftlicher wie theologischer Modernisierung. Funktionen und Bedeutungen dieses semantisch variablen Schlagworts werden anhand der einzelnen Theologen analysiert. Die Kontextualisierung mit dem außertheologischen gesellschaftlichen und geistigen Umfeld ist die Basis für ein neues Verständnis der Liturgischen Bewegung als solcher ebenso wie für eine differenzierte Sicht auf ihre einzelnen Protagonisten, deren Umfelder – und somit auf die innere Heterogenität der Liturgischen Bewegung.

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