University of Erfurt

Zur Kartografie des Heiligen Landes: Pressemitteilung Nr.: 105/2011 - 08.07.2011

Dr. Jutta Faehndrich und Dr. Bruno Schelhaas vom Leibniz-Institut für Länderkunde beim Sichten des Materials in der Forschungsbibliothek Gotha.
Dr. Jutta Faehndrich und Dr. Bruno Schelhaas vom Leibniz-Institut für Länderkunde beim Sichten des Materials in der Forschungsbibliothek Gotha.

„Robinson, van de Velde, and German Holy Land Cartography in the mid-19th Century“ ist der Titel eines deutsch-israelischen Projekts zur Palästinakartografie, das jetzt mit einem ersten Workshop am Leipziger Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) gestartet ist. Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Tel-Hai College in Israel werden die Experten in ihrem Forschungsvorhaben zur Kartografie des Heiligen Landes im 19. Jahrhundert die Entwicklung der deutschen Palästinakartografie von 1830 bis 1880 analysieren. Als Kooperationspartner sind auch Mitarbeiter der Sammlung Perthes der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt mit dabei.

Im Fokus der historischen Untersuchungen stehen die Werke des amerikanischen Bibelforschers und Gründers der Biblischen Archäologie Edward Robinson und des niederländischen Marineoffiziers, Kartografen und Malers Charles William Meredith van de Velde. „Wir  wollen herausfinden, welche biografischen und intellektuellen Hintergründe deren Arbeiten beeinflusst haben und wie diese von Zeitgenossen rezipiert wurden“, erläutert Dr. Jutta Faehndrich, Projektmitarbeiterin und Absolventin der Universität Erfurt. Ein besonderes Augenmerk werde dabei auf Fragen der kartografischen Visualisierung gelegt, denn Karten haben in der damaligen internationalen Forschergemeinde eine wichtige Rolle gespielt: Sowohl Robinson als auch van de Velde setzten gezielt kartografische Darstellungen ein, um die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu vermitteln. Daraus ergab sich eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit deutschen Kartografen, darunter Carl Ritter, Heinrich Berghaus, Heinrich Kiepert, August Petermann und viele andere. Wie entstanden diese persönlichen Netzwerke und wie lief der Prozess des Kartenmachens von der Feldforschung bis zum fertigen Produkt ab? Antworten darauf  wollen die Wissenschaftler jetzt aus bisher unerschlossenen Archivquellen – unter anderem der Sammlung Perthes – rekonstruieren. Aus ihnen hoffen sie, neue Erkenntnisse der wissenschaftshistorischen Zusammenhänge wie auch der vielfältigen religiösen und geopolitischen Motive der beteiligten Personen zu gewinnen. In einem weiteren Schritt wollen die Experten die Beziehungen zwischen Karten und anderen schriftlichen Informationsquellen aufdecken.

„Wir sind stolz darauf, dass wir dieses spannende Projekt mit unseren umfangreichen Kartenbeständen der Sammlung Perthes unterstützen können“, erklärt Dr. Petra Weigel, Fachfrau für die Karten des ehemaligen Gothaer Verlages Justus Perthes und Mitarbeiterin in der Forschungsbibliothek Gotha, in der die Sammlung heute aufbewahrt, erschlossen und erforscht wird. „Die Fragen, die die Wissenschaftler aus Leipzig und Israel interessieren, können mehr oder weniger nur noch mit den Beständen der Sammlung Perthes beantwortet werden, weil sie das im deutschsprachigen Raum einzige, geschlossen erhaltene Firmenarchiv eines kartografisch-geografischen Verlages darstellen. Hier sind Kartenproduktionsprozesse, die die Wissenschaftler im Projekt erforschen wollen, noch rekonstruier- und nachvollziehbar.“ Der Justus Perthes Verlag dominierte mit seinen Karten und Atlanten die Herausbildung des modernen kartografischen Antlitzes der Erde im 19. und 20. Jahrhundert und hatte auch einen wesentlichen Anteil an der Umformung der spätantik-mittelalterlich-frühneuzeitlichen Kartografie der Heiligen Stätten hin zu einer modernen Palästinakartografie.

Das Forschungsprojekt „Robinson, van de Velde, and German Holy Land Cartography in the mid-19th Century“ wird von der German Israeli Foundation for Scientific Research and Development gefördert und läuft bis Ende 2013. Das deutsch-israelische Expertenteam steht unter Leitung von Prof. Dr. Haim Goren vom Tel-Hai College in Israel und Dr. Bruno Schelhaas vom Leibniz-Institut für Länderkunde.

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