University of Erfurt

Forschungsbibliothek erwirbt zwei bislang unbekannte Briefe Paul Ebers: Pressemitteilung Nr.: 151/2011 - 08.11.2011

Letzte Seite des Briefes von Paul Eber an seinen Freund Friedrich Bernbeck vom 2. Januar 1548.
Letzte Seite des Briefes von Paul Eber an seinen Freund Friedrich Bernbeck vom 2. Januar 1548. Eber unterschreibt mit seinem Vornamen „Paulus“.
(© Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt, Foto: Sergej Tan)

Die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt hat im Vorfeld des sich im November 2011 zum 500. Mal jährenden Geburtstags des bedeutenden Luther-Mitstreiters Paul Eber zwei bislang unbekannte Briefe Ebers auf dem Antiquariatsmarkt erwerben können. Eber, der bei Melanchthon in Wittenberg studiert hatte und zu Luthers vertrautesten Tischgenossen gehörte, war einer der führenden Theologen und Prediger der zweiten Generation Wittenberger Reformatoren. Heute ist er vor allem für seine Kirchenlieder wie „Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott“ bekannt, dessen erste und fünfte Strophe Johann Sebastian Bach in seiner Kantate BWV 127 verarbeitet hat.

Beide für die Forschungsbibliothek auf dem Antiquariatsmarkt erworbenen Briefe richtete Eber an seinen Schulfreund Friedrich Bernbeck, der der Reformation im mainfränkischen Kitzingen zum Durchbruch verhalf. Im Brief von 1548, der nunmehr der älteste überlieferte Brief von Ebers Korrespondenz mit Bernbeck ist, schreibt Eber besorgt über die ungewisse Zukunft der Universität Wittenberg nach dem Schmalkaldischen Krieg. „Wir erfahren die Einschätzungen der Wittenberger Professoren über die Zukunftslage der Universität einen Tag bevor sie nach Monaten der Unsicherheit ein klares Signal vom Hof des sächsischen Kurfürsten erhielt, die Universität weiter zu finanzieren“, erläutert Daniel Gehrt, der wissenschaftliche Bearbeiter der Eber-Briefe in der Forschungsbibliothek. „Auch wenn diese Positionen zum Teil durch die bereits veröffentlichte politische Korrespondenz des Kurfürsten bekannt sind, ist der Brief ein interessantes Beispiel dafür, wie politische Nachrichten im 16. Jahrhundert über Gelehrtennetzwerke verbreitet worden sind.“ „Doch Eber“, sagt Gehrt weiter, „teilt seinem Freund natürlich auch Persönliches mit. In dem Brief erfahren wir den Namen und Geburtstag seiner Tochter Magdalene und erfahren auch etwas über die Komplikationen bei der Entbindung“ (die Tochter starb noch 1548).

Die Forschungsbibliothek Gotha, die den Kern des Nachlasses Ebers mit mehr als 1000 Briefen aufbewahrt und vor kurzem im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts online erschlossen hat, würdigt diesen bedeutenden, aber in der Forschung allzu wenig beachteten Reformator vom 10. bis 12. November mit einer Fachtagung unter dem Titel „Paul Eber. Humanist und Theologe der zweiten Generation der Wittenberger Reformation“. Die Tagung wird gemeinsam mit der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und Prof. Dr. Volker Leppin, Universität Tübingen, veranstaltet.

Weitere Informationen / Kontakt:

Dr. Kathrin Paasch

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