University of Erfurt

Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg: Pressemitteilung Nr.: 98/2011 - 24.06.2011

Das Seminar Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt mit Gästen aus Udine.
Das Seminar Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt mit Gästen aus Udine.

Studierende der „Università degli studi di Udine“ haben in dieser Woche das kommunikationswissenschaftliche Master-Seminar der Universität Erfurt unter Leitung von Prof. Dr. Joachim R. Höflich besucht. Im Mittelpunkt stand dabei der interkulturelle und wissenschaftliche Austausch mit Studierenden und Dozenten der Universitäten – sowohl über vergangene Forschung als auch neue wissenschaftliche Kooperationsprojekte. Um diesen Transfer noch weiter zu vertiefen, organisierten die Gastgeber ein vielfältiges kulturelles Angebot, das den Rahmen für einen umfangreichen Workshop rund um die Themen „Mobile Kommunikation“, „Öffentlicher Raum“ und „Digitale Medien“ bot, zu denen es auch aktuelle Forschungsprojekte an der Universität Erfurt gibt.

Studierende des Master-Programms Kommunikationswissenschaft untersuchen beispielsweise in einem aktuellen Projekt unter Leitung von Professor Höflich, ob und wie Medien die Wartezeit im öffentlichen Raum prägen. Hierzu führen sie Beobachtungsstudien durch, um die Handnutzung von Wartenden zu analysieren. Im deutsch-italienischen Workshop stellten die Erfurter nun die ersten Ergebnisse ihrer Studie vor. Sie zeigten an zahlreichen Beispielen, wie unterschiedlich Wartesituationen aussehen können und stellten die zentrale Frage, wie Menschen mit der Zeit umgehen, in der sie beispielsweise auf das Eintreffen öffentlicher Verkehrsmittel warten. Dazu fanden Beobachtungen und Befragungen an unterschiedlichen zentralen Haltestellen wie dem Erfurter Hauptbahnhof, dem Anger und dem Flughafen statt. Ergebnis: Wartende Menschen greifen gern zu Handy, MP3-Player und Co., um sich die Langeweile zu ersparen. Bei einem Handy-Telefonat oder beim Musikhören scheinen sie sogar so vertieft zu sein, dass sie ihre Umgebung kaum wahrnehmen. Auf der anderen Seite ignorieren die umstehenden Personen, die bei einem mobilen Telefonat zwangsweise Zeuge verschiedener Informationen werden, offensichtlich diese Inhalte. Insgesamt zeigte die Beobachtung der Studierenden, dass der Einsatz von Medien im öffentlichen Raum die Verhaltensweisen des Mediennutzers und die Kommunikationsregeln verändert.

Die italienischen Master-Studierenden präsentierten in Erfurt nun ihrerseits, wie vielfältig die Anwendungsmöglichkeiten der Internet-Plattform Facebook tatsächlich sind. Jeder Facebook-Nutzer kennt den „Like“-Button und weiß, dass er sich seine eigene Freunde- oder Nachrichten-Liste zusammenstellen kann. Vermutlich können viele noch nachvollziehen, dass die soziale Plattform ein Marketing-Potenzial für Unternehmen bietet. Weniger bekannt dürfte hingegen sein, dass Facebook auch sehr gut zu Lehrzwecken eingesetzt werden kann, indem es die Organisation und den Wissensaustausch unterstützt. Auch werden sich wahrscheinlich nicht viele Nutzer im Klaren darüber sein, dass Facebook die Herausbildung sogenannter „Microcelebrities“ unterstützt – heute kann jeder eine kleine Berühmtheit werden, sofern er etwas zu posten hat und dementsprechend genügend Interessenten findet. Denkt man über die Mini-Spiele wie „CityVille“ oder „FarmVille“ nach, kann die umstrittene Plattform sogar für einen Ausgleich vom stressigen Arbeitsalltag sorgen, Freundschaften vertiefen und die Intelligenz fördern.

Mit dem Treffen in Erfurt haben die deutschen und italienischen Studierenden an die kontinuierliche Forschung des kommunikationswissenschaftlichen Seminars zur mobilen Mediennutzung angeknüpft. 2003 war das internationale Austauschprojekt von  Prof. Dr. Joachim R. Höflich gemeinsam mit der Kommunikationssoziologin Prof. Leopoldina Fortunati ins Leben gerufen worden. Daraus sind inzwischen verschiedene  Forschungsprojekte entstanden: So untersuchte beispielsweise die „Piazza-Studie“, wie sich Menschen beim mobilen Telefonieren in der Öffentlichkeit verhalten, und die „Stress-Studie“, inwiefern sich Dritte durch das Klingeln eines Handys gestört fühlen. Die verblüffendste Studie der vergangenen Jahre war die „Clown-Studie“, bei der es ebenfalls um Aufmerksamkeit beim Telefonieren in der Öffentlichkeit ging. Mehr als 70 Prozent der befragten Handy-Telefonierer übersahen beim Telefonieren einen Clown, der zum Teil direkt vor ihrer Nase Einrad fuhr.

Mit dem Besuch der italienischen Studierenden in Erfurt wurde nun der Weg für die weitere Zusammenarbeit geebnet. Neue Projekte sind bereits in Planung.

Weitere Informationen / Kontakt:

Prof. Dr. Joachim Höflich

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