Belgien

Interview mit Lukas Ziegler zum Auslandspraktikum in Brüssel

Welches Land hast du besucht und für welchen Zeitraum warst du dort?

Ich war für 2 Monate in der belgischen Hauptstadt Brüssel.

Warum hast du dich für dein Gastland und die jeweilige Praktikumsschule entschieden?

Ich muss zugeben, dass die Internationale Deutsche in Brüssel die einzige Deutsche Schule im Ausland war, die mir für den Zeitraum eine Zusage erteilt hatte. Ursprünglich wollte ich nach Spanien um meine eigenen Spanischkenntnisse verbessern zu können.
Auf der anderen Seite bot Brüssel die einmalige Chance kennenzulernen, was es heißt in einer mehrsprachigen Stadt zu leben und zu arbeiten. 

Hast du dein Praktikum an einer einheimischen Schule oder einer Auslandsschule absolviert?

Das Praktikum habe ich an einer Deutschen Auslandsschule absolviert.

Wie unterschied sich deine Schule im Ausland von denen in Deutschland? Wie haben die Schülerinnen und Schüler in deinem Gastland gelernt?

Rein von der Wissensvermittlung sind die Unterschiede nicht besonders groß. Es wird bis zur Oberstufe nach dem Thüringer Lehrplan unterrichtet. Ab der Oberstufe wird nach einem gesonderten Curriculum unterrichtet, den die Deutschen Auslandsschulen der jeweils zuständigen Region selbst festlegen. Brüssel zählt dabei zur Region Nordwesteuropa. Die Klassen sind im Allgemeinen kleiner als im Inland, d.h. meistens liegt die Klassenstärke zwischen 15 und 23 Schülern. Durch die geringere Schülerzahl und eine eine höhere Stundenzahl im Vergleich zu Inlandsschulen haben Schülerinnen und Schüler mehr Zeit in der Schule zu lernen bzw. intensiver von den Lehrkräften betreut zu werden.

Hast du ein besonderes Projekt begleitet oder geleitet?

In einer 7. Klasse haben wir im Verlauf des Englischunterrichts über mehrere Wochen eine Webseite in Gruppenarbeit erstellt. Auf diese wurden zu selbst ausgewählten Themengebieten von den Schülerinnen und Schülern Artikel erstellt und hochgeladen.
Des Weiteren gab es viele andere Projekte und Arbeitsgemeinschaften an denen ich teilhaben durfte. Es gab sehr interessante Schülerprojekte im Rahmen des Kunst- und Theaterunterrichts sowie abendliche Sportangebote, an denen Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler gemeinschaftlich teilnahmen.

War es einfach, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen?

Ja sehr leicht. Ich hatte durch einen Bekannten bereits einen Kontakt in Brüssel bei dem ich die erste Woche auch unterkam. Die restlichen 7 Wochen wohnte ich in einer 17er-WG in der zum großen Teil junge Menschen aus den verschiedensten europäischen Ländern lebten, die aus unterschiedlichsten Gründen in Brüssel waren. Sei es durch Praktika in der Europäischen Kommission oder Parlament, bei staatlichen oder nicht-staatlichen Organisationen, oder auch als Studierende.
Durch diese Situation konnte ich viele tolle und sehr interessante Menschen kennenzulernen, von denen ich jetzt einige meine Freunde nenne.

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten an deinem Praktikumsort?

Die Lebenshaltungskosten sind nicht wesentlich höher als in anderen westeuropäischen Großstädten. Für mein Zimmer habe ich 350 Euro zahlen müssen und für meine Monatskarte für die Metro 50 Euro. Wie in jeder großen Stadt gibt es immer Nachbarschaften, die eher gut-situierte oder Menschen mit weniger Geld anziehen. Dementsprechend passen sich auch die Preise der Geschäfte an. Ich wohnte im Stadtteil Sint-Josse-ten-Noode, welches eines der ärmsten Stadtteile Belgiens ist. Dadurch waren die Kosten für Lebensmittel in den vielen arabischen Geschäften, aber auch im Allgemeinen Essen in Restaurants oder auch Kaffee und Bier in Gaststätten und Cafes günstiger als in Deutschland. 

Was war die größte Herausforderung im Zusammenhang mit deinem Auslandsaufenthalt?

Die größte Herausforderung war, dass 90% der Bewohner Brüssels Französisch als Muttersprache sprechen und von diesen einige gar kein Englisch sprechen. Obwohl ich kein Französisch verstehe, konnte ich mich jedoch mit Englisch und teilweise Spanisch gut verständigen.

Was aus Deutschland hast du am meisten vermisst?

Natürlich meine Freunde und die Sonne. Durch die geographische Lage Brüssels ist das Wetter sehr maritim geprägt was dazu führte, dass im gesamten Monat März nur gefühlt fünf Stunden die Sonne schien.

Was vermisst du aus deinem Gastland?

Ich vermisse natürlich einige meiner tollen Mitbewohner und andere Freunde. Die Schule vermisse ich auch sehr. Ich wäre sehr gerne länger geblieben. Am meisten vermisse ich jedoch, besonders hier in Thüringen, das allgemeine Lebensgefühl mit Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt zusammenzuleben. Das Verständnis, die Toleranz und Offenheit für Fremdes und andere Kulturen habe ich während meines Aufenthaltes in Brüssel sehr gemocht.

Was würdest du anderen empfehlen, die über einen Auslandsaufenthalt nachdenken? Welche drei Gründe sprechen dafür, sein Praktikum im Ausland zu absolvieren?

Ich würde jedem empfehlen, sich möglichst wenig Sorgen zu machen, besonders wenn man einen Aufenthalt im EU-Ausland plant. Die meisten Dinge des alltäglichen Lebens, ausgenommen der Sprache, sind identisch mit denen in Deutschland. Man sollte unvoreingenommen in die Ferne gehen und Menschen mit Eigeninteresse und Positivität begegnen. Bevor ihr euch Sorgen um die Finanzierung macht solltet ihr die verschiedenen Fördermöglichkeiten von ERASMUS, dem DAAD, und anderen Organisationen überprüfen und euch auf Stipendien bewerben!

Drei Gründe um sein Praktikum im Ausland zu machen?

  1. Förderung von Verständnis für andere Kulturen
  2. Kennenlernen anderer Arbeitsweisen
  3. Networking

Was hast du aus deinem Land mitgenommen oder gewonnen? Erfahrungen, Gegenstände, Freunde oder Inspirationen?

Belgisches Bier und Schokolade habe ich mitgenommen. Nein natürlich viel mehr: Das Praktikum an der Internationalen Deutschen Schule in Brüssel hätte nicht besser verlaufen können. Vom ersten Tag an haben mich alle Kollegen und Mitarbeiter freundlich und offen empfangen. Mir wurde viel Interesse entgegen gebracht und ich wurde direkt in den Schulalltag integriert. Durch den sehr offenen und familiären Umgang im Kollegium war es mir dann möglich, mein Praktikum selbst zu planen und zu strukturieren um einen umfassenden Einblick zu erhalten.
Ich habe ganz viel für mich als angehenden Lehrer dazulernen können und neben praktischen Tipps auch sehr nützliche Materialien zur Unterrichtsplanung und zum Lehrerberuf erhalten. Ich bin sehr glücklich, dass ich die Möglichkeit für ein Praktikum im Ausland erhalten und genutzt habe. Ich hatte eine tolle Zeit und konnte mich beruflich und persönlich in diesen zwei Monaten weiterentwickeln.