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Interview mit Janina Meier zum Auslandspraktikum in Cuenca (Ecuador)

Welches Land hast du besucht und für welchen Zeitraum warst du dort?

Ich habe ein vierwöchiges Praktikum an der deutschen Schule in Cuenca in Ecuador gemacht, bin jedoch für insgesamt 6 Wochen geblieben und habe vor und nach dem Praktikum das Land ein bisschen bereist und kennengelernt. 

Warum hast du dich für dein Gastland und die jeweilige Praktikumsschule entschieden?

Momentan noch ist es mein Traum als Lehrkraft ins Ausland zu gehen und nicht in Deutschland zu arbeiten. Um herauszufinden, ob mir die Arbeit als Lehrkraft in einem anderen Land überhaupt gefällt, habe ich mich für ein Praktikum im Ausland entschieden. Da ich bereits in Asien und Australien war und etwas Neues kennenlernen wollte, fiel meine Wahl auf Südamerika. Durch Gespräche und interessante Reisegeschichten von Freunden entstand der Gedanke nach Ecuador zu gehen und auch Kontakte zu der Schule in Cuenca ließen sich über ebendiese herstellen.

Hast du dein Praktikum an einer einheimischen Schule oder einer Auslandsschule absolviert?

Das Praktikum habe ich an einer privaten deutschen Auslandschule absolviert.

Wie unterschied sich deine Schule im Ausland von denen in Deutschland? Wie haben die Schülerinnen und Schüler in deinem Gastland gelernt?

Meine Praktikumsschule war in vielerlei Hinsicht anders, als eine Schule in Deutschland. Zuerst einmal war es eine Privatschule- dies ist zwar nicht unüblich in Deutschland, aber Neuland für mich gewesen. Die Eltern haben sich bewusst für die deutsche Auslandsschule entschieden und tragen somit die Kosten der Schule. Mit dem Gedanken, dass die Kinder am Ende der Schulzeit Deutsch sprechen und vielleicht sogar in Deutschland studieren, werden sie auf die Schule geschickt. Die Kinder können bereits den deutschen Kindergarten besuchen und fangen somit frühzeitig an Deutsch zu lernen.
In der Grundschule dann finden die Fächer Mathe, Sachkunde und Deutsch in deutscher Sprache statt. Mit steigender Klassenstufe werden auch Biologie, Erdkunde, Geschichte, Philosophie,.. auf Deutsch unterrichtet. Nicht immer jedoch lässt sich der Unterricht auf Deutsch vollkommen durchsetzen. Ab und an bedarf es einer wiederholten Erklärung der Aufgabenstellung auf Spanisch zur Verständnissicherung. Es werden in regelmäßigen Blöcken Klausuren in allen Fächern geschrieben und wenn ein Kind den Leistungsnachweis nicht besteht, dann bekommt es einen Wiederholungsplan, mit welchem es den Stoff eigenständig Zuhause nachholen soll. Nach Ablauf der Wiederholungszeit muss das Kind die Arbeitsblätter der Lehrkraft abgeben und erneut eine Prüfung antreten. Im Idealfall besteht es beim zweiten Anlauf die Prüfung, ansonsten wiederholt sich die Wiederholungsphase erneut. Für besonders gute Schüler/innen im Deutschunterricht gibt es außerdem ein zusätzliches Förderprogramm. Sie bekommen in Kleingruppen mit anderen Kindern Intensivunterricht und freuen sich meist sehr darüber.
Das Notensystem besteht aus Noten von 1-10, wobei 10 das Beste und 1 das Schlechteste ist. Während der zweiten Stunde kommen Angestellte der Cafeteria in die Klassenzimmer und stellen Frühstück für die Kinder, deren Eltern es bestellt haben, auf einen Tisch in der Ecke. Vor Beginn der großen Pause dürfen sich ebendiese Kinder ihr Essen mit Obst und frischem Saft abholen und alle essen gemeinsam bevor es in die Pause geht. Das Mittagessen kann sich jedes Kind für 1-2$ in der Cafeteria kaufen und zusätzliche Snacks werden an einem Kiosk verkauft.
Das Schulgelände ist etwas außerhalb der Stadt und liegt direkt in den Anden. Steht man auf dem Schulgelände hat man neben des warmen Klimas auch noch eine tolle Aussicht. Aufgrund der warmen Temperaturen sind sowohl die Sporthalle, als auch Schwimmhalle und die Mensa lediglich überdacht und nicht in abgeschlossenen Räumen. Die Klassenzimmer sind alle sehr gut ausgestattet und die Lehrkräfte wissen die technischen Hilfsmittel sehr gut in den Unterricht einzubringen. Außerdem herrscht in Ecuador Schuluniformpflicht und so auch an der Schule. Jeden Tag müssen alle Kinder in Schuluniform zur Schule kommen und sofern dies nicht geschieht, werden die Kinder abgemahnt und es wird schriftlich notiert. Die meisten Kinder werden morgens von kleinen gelben Schulbussen oder Vans von Zuhause abgeholt und zur Schule gefahren. Ist ein Kind spät dran, so wartet der Fahrer oder manchmal geht die "Mitfahrerin/ Aufpasserin" zum Haus und klingelt. Ihre Aufgabe ist es die jüngeren Kinder anzuschnallen, teilweise auch zu bespaßen und aufzupassen, dass alle Kinder sicher zur Schule kommen. In der Schule gibt es einmal im Monat den 'acto cívico', wobei sich alle Kinder auf dem Sportplatz versammeln, aufgereiht in ihren Klassen, und wichtige Ankündigungen gemacht werden. Außerdem werden beide Nationalhymnen (die ecuadoriantische und die deutsche) gesungen. Am Nachmittag können die Kinder für zusätzliche Sprach-, Sport- und Spielkursen angemeldet werden und werden nach der Schule wieder in den Bussen und Vans nach Hause gefahren. 

Hast du ein besonderes Projekt begleitet oder geleitet?

Ich habe kein spezielles Projekt geleitet, durfte aber in allen Klassen von der 1.-12. Jahrgangsstufe reinschnuppern und auch die Tore des deutschen Kindergartens, der direkt neben der Schule war, standen mir offen. Des Weiteren habe ich die Kindergarten- und Grundschulkinder beim Schwimmunterricht am Nachmittag betreut. Außerdem gibt es für die besonders begabten und ehrgeizigen Schüler/innen im Deutschunterricht ein Programm, welches sie in Kleingruppen 2 Stunden die Woche fördert. Auch in diesen Stunden durfte ich die Lehrkräfte unterstützen.

War es einfach, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen?

Die Schule hat mir geholfen eine Unterkunft vor Ort zu finden und mich vor die Wahl gestellt, ob ich alleine, bei einer einheimischen Gastfamilie oder in einer Wohngemeinschaft einziehen möchte. Ich habe mich für die WG entschieden, welche sich als ein großes "WG-Haus" entpuppte, in welcher sowohl Südamerikaner/innen, als auch Menschen anderer Nationalitäten wohnten. Jeder machte etwas anderes in der Stadt, sei es arbeiten, ein Praktikum oder eine Sprachschule. Durch die familäre Hausgemeinschaft war es leicht in Kontakt mit Einheimischen zu kommen und insbesondere der junge Hausbesitzer war sehr bemüht seine einheimischen Freunde mit den Hausbewohnern zusammen zu führen. In der Küche wurde häufig zusammen gekocht und weitere Pläne wurden geschmiedet. Mit immer wieder neuen Leuten machten wir Wanderausflüge, erkundeten die Stadt, saßen abends auf dem Balkon, gingen zusammen ein Bier trinken und tanzen oder veranstalteten Feiern bei uns im Haus. In der Schule hingegen war es etwas schwieriger mit den einheimischen Lehrkräften in Kontakt zu treten, da sich die Lehrkräfte häufig in Grüppchen entsprechend ihrer Nationalitäten zusammensetzten. 

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten an deinem Praktikumsort?

Für mein WG-Zimmer habe ich für 4 Wochen 155$ bezahlt. Da die Schule etwas außerhalb der Stadt ist, wurde ich morgens mit einem Schulbus abgeholt, jedoch habe ich für diesen nichts bezahlen müssen. Ansonsten kostet eine Fahrt mit dem öffentlichen Bus etwa 0,25$ und ein Taxi ca. 1,50$ pro Kilometer. Das Mittagessen in der Schule kostete maximal 2-3$ und auch ansonsten kann man für etwa denselben Preis oder ein bisschen mehr in der Stadt lecker essen. Die meiste Zeit habe ich jedoch sehr günstig auf den großen Märkten eingekauft und Zuhause mein eigenes Essen alleine oder mit Freunden gekocht. Mit etwa 200$/Monat kommt man sehr gut aus. 

Was war die größte Herausforderung im Zusammenhang mit deinem Auslandsaufenthalt?

Meine größte Herausforderung waren definitiv meine fehlenden Spanischkenntnisse. Mit lediglich den Basics trat ich meine Reise an und musste bei der Ankunft in meiner WG feststellen, dass wirklich alle außer mir sehr gut Spanisch konnten und sich auf Spanisch unterhielten. Mit einem Mix aus Englisch und Spanisch konnte ich mich halbswegs verständigen und wurde hin und wieder von einem Deutschen und einer Schweizerin an die Hand genommen. Auch die Schule war eine große Hilfe. Während die Grundschulkinder mit Bildern, Memories, Geschichten, Liedern, dem Körper und vielem mehr die deutsche Sprache lernten und Wörter immer wieder zum sicheren Verständnis ins Spanische übersetzten, nutzte ich genau diesen Moment und passte aufmerksam auf, um die spanische Vokabel aufzugreifen und zu behalten. Meine Mitbewohnerin gab mir zudem ihr Spanisch-A1-Buch und ich übte eigenständig Zuhause weiter. Am Ende der 6 Wochen konnte ich mich erstaunlich gut verständigen und mehr oder weniger flüssige Konversationen waren möglich. Ich habe also nicht nur eine Auslandsschule, viele inspirierende Menschen und ein Land in Südamerika kennengelernt, sondern auch eine neue Sprache. Mit dem neuen Semester habe ich zusätzlich einen Spanischsprachkurs angefangen.

Was aus Deutschland hast du am meisten vermisst?

Eigentlich gar nichts, mag aber vielleicht daran liegen, dass ich generell ein sehr abenteuerlustiger Mensch bin und mich offen auf neue Länder mitsamt ihrer Kultur und kulinarischen Gerichte einlasse. 

Was vermisst du aus deinem Gastland?

Mein WG-Haus, in dem ich gewohnt habe. Am liebsten würde ich Deutschland mit meinen Freunden in genau so einem Haus zusammen wohnen, in der Küche gemeinsam kochen und auf dem Balkon abends zusammensitzen und das gute Wetter genießen. Die atemberaubende Landschaft und das Nachtleben fehlen mir ebenfalls. Die spanische Musik bringt einfach jeden zum Tanzen und ist leider nicht mit dem deutschen Nachtleben zu vergleichen.

Was würdest du anderen empfehlen, die über einen Auslandsaufenthalt nachdenken? Welche drei Gründe sprechen dafür, sein Praktikum im Ausland zu absolvieren?

Setz dich zunächst mit der Schule für die du dich interessierst in Kontakt und stell all die Fragen, die dich vielleicht bisher an einem Praktikum im Ausland zweifeln lassen. Im Normalfall kann dir die Schule alle Fragen beantworten, Hilfestellung bei der Wohnungssuche anbieten und einen Überblick über deinen möglichen Prakikumsverlauf geben. Welche Gründe sprechen für ein Praktikum im Ausland? 1. Horizonterweiterung - du bist dir sicher für immer Lehrer/in in Deutschland bleiben zu wollen, hast aber nicht mal ein Praktikum im Ausland gemacht? Wie willst du dann überhaupt wissen, ob es gar nichts für dich ist und das deutsche System dich vollkommen zufrieden stellt. Ich kann dir nur raten es wenigstens einmal zu probieren. Danach kannst du immer noch für dich entscheiden, dass es nicht das Richtige ist und du dich in Deutschland wohl fühlst. Und: gut für deinen Lebenslauf macht es sich trotzdem. 2. das Leben im Ausland - ein Praktikum im Ausland bedeutet, dass man einen geregelten Alltag mit Verpflichtungen hat. Anders als beim Reisen, lebt man in der Stadt und lernt sie richtig kennen. Man kennt mehr als nur die Tourispots und verfügt irgendwann über einen großen Fächer an Geheimtipps für Einkaufen, Essen, Ausgehen, ... 3. neue Fremdsprachenkenntnisse und Social Networking - Je nachdem für welches Land du dich entscheidest, kommt vielleicht eine größere oder kleinere fremdsprachliche Hürde auf dich zu. Entweder du sprichst die Landessprache schon ein wenig und kannst deine Kenntnisse erweitern oder das Spracherlernen verläuft anfänglich etwas holprig, je nachdem wie viel Zeit du für das Eigenstudium investierst, verbessert sich aber schnell, da es täglich in deinen Alltag integriert ist. Auch das Social Networking kommt im Ausland nicht zu kurz. Du triffst überall neue, interessante Leute und wer weiß wofür die Kontakte später einmal gut sind. Wenn du für ein Praktikum angenommen wurdest, dann informiere dich rechtzeitig über die vielen Förderungsmöglichkeiten. Diese sind sowohl im Internet gelistet, aber auch an der Uni bekommst du alle Informationen und Hilfestellungen.

Was hast du aus deinem Land mitgenommen oder gewonnen? Erfahrungen, Gegenstände, Freunde oder Inspirationen?

Mein Erfahrungsschatz hat sich noch einmal um einiges erweitert durch meinen Aufenthalt in Ecuador. Außerdem hat sich für mich bestätigt, dass die Arbeit als Lehrkraft im Ausland für mich definitiv in Frage kommt und mir Spaß machen würde. Ob für immer oder nur für ein paar Jahre im Ausland bleiben, das weiß ich jetzt noch nicht, aber das ist auch nicht von allzu großer Relevanz. In den 6 Wochen habe ich sehr viele inspirierende Menschen kennenlernen dürfen, die mich an ihren spannenden Geschichten teillassen haben. Einige von ihnen darf ich heute als meine Freunde bezeichnen und manche der Lehrkräfte, werde ich vielleicht später im Lehrerzimmer wiedertreffen. Außerdem hat Ecuador in mir eine große Abenteuerlust auf Südamerika, deren Kulturen und das Erlernen der spanischen Sprache hervorgerufen. Ich würde jederzeit wieder ein Praktikum im Ausland antreten und kann es jedem nur ans Herz legen. Ich hoffe, dass dich mein kleiner Bericht vielleicht inspiriert hat auch einmal für ein Praktikum ins Ausland zu gehen. :)