Österreich

Interview mit Kim-Alicia Golez zum Auslandspraktikum in Wien

Welches Land hast du besucht und für welchen Zeitraum warst du dort?

Ich habe von Februar bis August 2020 in Wien, Österreich, gelebt.

Warum hast du dich für dein Gastland und die jeweilige Praktikumsschule entschieden?

Ich habe mich für die tolle Stadt Wien entschieden. Sie ist zu Recht zum wiederholten Male zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt worden.
Die Praktikumsschule ist aus drei Gründen etwas ganz Besonderes für mich: Sie ist eine Ganztagsschule mit außergewöhnlich vielfältigen Angeboten für ihre Freizeitstunden. Sie ist bilingual (Vienna Bilingual Schooling). Ihr Schulkonzept mit Leseschwerpunkt erstreckt sich auf der Basis der Werte Astrid Lindgrens.

Hast du dein Praktikum an einer einheimischen Schule oder einer Auslandsschule absolviert?

An einer bilingualen (Englisch und Deutsch) Volksschule in Wien.

Wie unterschied sich deine Schule im Ausland von denen in Deutschland? Wie haben die Schülerinnen und Schüler in deinem Gastland gelernt?

Vor allem durch den bilingualen Unterricht und das Ganztagskonzept.

Hast du ein besonderes Projekt begleitet oder geleitet?

Nein. Dadurch, dass ich aufgrund von Corona nicht im Schulgebäude anwesend sein durfte, war das leider nicht möglich.

War es einfach, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen?

In einem Auslandssemester an der Uni wäre das sicher einfacher gewesen, im Praktikum für mich leider nicht, da man kaum Gleichaltrige kennenlernt. Ich habe dann die App Bumble BF genutzt - das war super, aber darüber lernt man eher andere Zugezogene kennen. Die Wiener bleiben gerne unter sich ;-)

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten an deinem Praktikumsort?

Die waren ähnlich wie in Deutschland - glücklicherweise. Ich habe mit meinem Freund in einer 46qm-Altbauwohnung im zentralen 5. Bezirk gewohnt, die 500€ warm gekostet hat. Die Lebensmittel in Supermärkten sind etwas teurer als in Deutschland, alles andere ist ähnlich.

Was war die größte Herausforderung im Zusammenhang mit deinem Auslandsaufenthalt?

Definitiv die Corona-Krise und alles was damit einher ging: der Lockdown, das Anwesenheitsverbot beim Praktikum, die Reisebeschränkungen (uns konnte niemand besuchen, wir konnten nicht weg - bis auf Juni und Juli), die Kontaktbeschränkungen (wir konnten niemanden kennenlernen), keine Clubszene/Nachtleben. Das hat alles sehr erschwert, aber rückblickend hatten wir dann noch eine tolle Zeit in Wien.

Was aus Deutschland hast du am meisten vermisst?

Familie und Freunde.

Was vermisst du aus deinem Gastland?

Den Wiener Dialekt.

Was würdest du anderen empfehlen, die über einen Auslandsaufenthalt nachdenken? Welche drei Gründe sprechen dafür, sein Praktikum im Ausland zu absolvieren?

1. Die wichtigste Sache im Leben: Aus der Komfortzone raus, über den Tellerrand blicken, den Horizont erweitern! (Wohnung ausmisten und mit minimalem Gepäck woanders leben, eigene soziale Blase verlassen und andere Menschen/Kulturen/Sprachen/usw. kennenlernen)
2. Schulsysteme (oder eben berufsbezogene Dinge) im Ausland kennenzulernen ist eine so wertvolle Erfahrung!
3. Man kann nie wieder so unkompliziert für eine Zeit im Ausland leben als in der Unizeit.

Was hast du aus deinem Land mitgenommen oder gewonnen? Erfahrungen, Gegenstände, Freunde oder Inspirationen?

Ein Gegenstand, den ich aus Wien habe, ist ein toller Achat-Ring aus dem Antiquitätenladen (davon gibt es zahlreiche!).
Eine tolle Freundin, die ich hier dazugewinnen durfte, ist Willemijn aus Amsterdam, die ich nächstes Jahr dort besuchen werde.
Eine Erfahrung, die ich dank Corona machen durfte, ist, dass es nie so kommt, wie man es geplant hat, aber genau das nichts Schlechtes heißen muss. So durfte ich Wien ganz ohne Tourismus, ganz pur, kennenlernen - wer hat das schon?
So ist eine Inspiration für mich die Wiener Redewendung "Das geht sich alles aus!", denn das stimmt wirklich!