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Interview mit Henrike Bolli zum Auslandspraktikum in New York

Welches Land hast du besucht und für welchen Zeitraum warst du dort?

New York, USA (März 2019, 4 Wochen)

Warum hast du dich für dein Gastland und die jeweilige Praktikumsschule entschieden?

Ich war bereits nach meinem Abitur 2015 als AuPair in NY. Die Grundschule kannte ich von meinen damaligen Gastkindern. Ich konnte so mein Praktikum für zwei Wochen an einer Auslandsschule absolvieren und meine Gastfamilie und Freunde dort wiedersehen.

Hast du dein Praktikum an einer einheimischen Schule oder einer Auslandsschule absolviert?

Die Grundschule, die ich besucht habe, ist eine öffentliche amerikanische Grundschule und liegt in einem Vorort von Manhattan. 

Wie unterschied sich deine Schule im Ausland von denen in Deutschland? Wie haben die Schülerinnen und Schüler in deinem Gastland gelernt?

Aufgefallen ist mir der ständige Gebrauch und die Verwendung von Medien im Unterricht. Diese sind verbreiteter in Amerika und Geräte wie Smartboards oder Laptops/Tablets gehören (zumindest in reicheren Gegenden) zum Schulalltag.
Ansonsten ist mir aufgefallen, dass die Grundschulen dort von der Vorschule (Kinder werden mit 5 eingeschult) bis zur 5. Klasse gehen und diese ganztags sind (von 8:20 bis 15:20 Uhr) für alle Schüler und Schülerinnen.
Auch gibt es das Fach „Library“ (Bibliothek), bei dem die Kinder geschichtliche Hintergründe zu bekannten literarischen Werken und Autoren oder auch Feiertagen (wenn welche anstehen) kennen lernen und sich außerdem regelmäßig Bücher ausleihen können/sollen.
In Deutschland wäre dies eine Ergänzung zum „Deutschunterricht“ und die Feiertage werden im Religionsunterricht behandelt. Religionsunterricht gibt es dort nicht!
Des Weiteren gab es ein sehr hohes Sicherheitssystem. Man kam ohne Pass nicht in die Schule (Eltern oder Andere mussten klingeln und warten, bis der Hausmeister/Sicherheitsmensch aufmachte) und musste sich jedes Mal anmelden. Ich bekam ein Schild auf dem mein Name stand und was ich in dem Gebäude für den Zeitraum mache. Auch war ich bei einer Probe im Fall eines Amoklaufs dabei. (Zusätzlich gibt es dort regelmäßig Proben für Feueralarm oder für Dinge, die außerhalb des Gebäudes passieren.)

Hast du ein besonderes Projekt begleitet oder geleitet?

Nein. Ich habe eine Stunde über die deutsche Kultur gehalten und die Schüler und Schülerinnen konnten mich alles fragen, was sie schon immer mal über Deutschland wissen wollten. Ein Projekt war dieses allerdings nicht.

War es einfach, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen?

 Ja. Alle waren sehr offen und freundlich. Auch waren alle sehr interessiert an der deutschen Kultur und erfreut über "etwas Neuem" im Klassenzimmer. An dieser Schule gab es noch nie eine deutsche Praktikantin, die in Deutschland studiert.

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten an deinem Praktikumsort?

Sehr hoch: New York ist sehr teuer!!
Grundschullehrer verdienen im Verhältnis weniger als hier in Deutschland, Mietpreise sind unglaublich hoch und auch Lebensmittel sind teuer.
Ich war froh, dass ich einen Schlafplatz bei meiner ehemaligen Gastfamilie und Freunden hatte. Außerdem war die Schule nur 3 Minuten entfernt, so dass ich mit meinen ehemaligen Gastkindern zu Fuß zur Schule laufen konnte, wobei ich mir Fahrtkosten sparen konnte.
New York City ist schön für eine Zeit lang (so lange wie das Taschengeld reicht); für länger muss man allerdings sehr viel arbeiten, um sich ein Leben dort zu ermöglichen.

Was war die größte Herausforderung im Zusammenhang mit deinem Auslandsaufenthalt?

Die Anmeldung (Aufnahme ins System) an der Schule.
Ich musste zusätzlich zu meinem Visum zusätzlich vor Ort Fingerabdrücke machen lassen (vergleichbar mit unserem „Führungszeugnis“), was mich 100$ gekostet hat und sich als teilweise schwierig erwies, da ich keine amerikanische Staatsbürgerschaft habe. Es hat aber alles geklappt und meine Ansprechpartnerin vor Ort hat mir sehr geholfen! 

Was aus Deutschland hast du am meisten vermisst?

Anweisungen und einen genauen Stundenplan (und die deutsche Krankenversicherung, das hatte aber nichts mit meinem Praktikum zu tun.

Was vermisst du aus deinem Gastland?

Die offene und sehr liebevolle Art zwischen Lehrern und Schülern.
Außerdem vermisse ich die Sprache und all die lieben Menschen, die ich dort kennen lernen durfte.

Was würdest du anderen empfehlen, die über einen Auslandsaufenthalt nachdenken? Welche drei Gründe sprechen dafür,sein Praktikum im Ausland zu absolvieren?

  1. Du vertiefst deine Sprachkenntnisse.
     
  2. Du lernst wunderbare Menschen aus der ganzen Welt kennen und neue Kulturen.
     
  3. Du machst Erfahrungen fürs Leben. (Teilweise schon bei Unterhaltungen mit Eltern, Lehrern, Kindern, etc.)

Was hast du aus deinem Land mitgenommen oder gewonnen? Erfahrungen, Gegenstände, Freunde oder Inspirationen? 

  • Inspirationen und Anregungen für meinen späteren Beruf als Lehrerin
  • Selbstständigkeit
  • Kontakte von Lehrern und Eltern für Empfehlungsschreiben, Korrekturen von englischen Arbeiten oder Ansprechpartner für Fragen
  • liebe Freunde und interessante Bekanntschaften
  • Bestätigung, dass der Beruf „Grundschullehrerin“ das Richtige für mich ist