Forschung und Projekte

Im Fokus unserer Forschung steht das soziale Lernen. In empirischen Studien gehen wir der Frage nach, wie Lehrerinnen und Lehrer den gemeinsamen Unterricht gestalten können und welche Professionalisierung der Pädagoginnen und Pädagogen hierfür notwendig ist. Dabei untersuchen wir insbesondere die Beziehungen und die Kooperation der Kinder und Jugendlichen und die multiprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den Lehrpersonen.

Kurzbeschreibungen und Ansprechpartner*innen

Teilprojekt QUALITEACH: Kompetenz- und Entwicklungszentrum für Inklusion

Qualitätsoffensive Lehrerbildung - Identität. Immersion. Inklusion.

Eine integrierte Initiative zur nachhaltigen Qualitätsentwicklung der Erfurter Lehrerbildung.

Ziel des Kompetenz- und Entwicklungszentrums für Inklusion ist es, Studierende für die Heterogenität in Lerngruppen zu sensibilisieren. Dabei werden unterschiedliche Lernvoraussetzungen und Lernausgangslagen in den Blick genommen, die eine individualisierte Förderung im gemeinsamen Unterricht erfordern. Darauf aufbauend sollen sich die Studierenden Möglichkeiten im Umgang mit der Heterogenität in Lerngruppen erschließen. Hierzu werden verschiedene Lehr- und Lernangebote bereitgestellt, wie beispielsweise Unterrichtsvideos oder Fördermaterialien. Außerdem können Hochschullehrende eine Beratung oder Lehrbegleitung in Anspruch nehmen und sich in Bezug auf die Themen Heterogenität und Inklusion im Rahmen verschiedener Veranstaltungen weiterbilden.

Projekt TKKG: Transaktive Kommunikation für kooperative Gruppenarbeit

Damit Lernende das Potenzial kooperativer Lehr-/Lernformen für sich nutzen können, sind ihre sozial-kommunikativen Fähigkeiten gefordert. In der transaktiven Kommunikation nehmen Lernende aufeinander Bezug, bauen in ihren Ideen aufeinander auf und entwickeln sie gegenseitig weiter, so dass Wissen ko-konstruiert wird. Unsere bisherigen Studien zeigen die Bedeutung transaktiver Kommunikation für das Lernergebnis. In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt haben wir eine Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe I entwickelt, in der fachliches Lernen (Welthungerproblematik) und die Förderung sozial-kommunikativer Fähigkeiten (transaktive Kommunikation) verknüpft werden. Die Überprüfung der Wirksamkeit dieses Trainings in 32 Schulklassen erfolgt in einem quasi-experimentellen Kontrollgruppen-Design, wobei die transaktive Kommunikation prä und post anhand von Audioaufnahmen eingeschätzt wird. Auf den Ergebnissen aufbauend wird das Transaktivitätstraining für die Lehrer*innenbildung adaptiert.

Ansprechpartner*in: Susanne Jurkowski, Lukas Mundelsee

Entwicklung einer digitalen Lernumgebung

Die Arbeit mit Unterrichtsvideos bietet die Möglichkeit, in der Hochschullehre Praxisbezüge herzustellen. Im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung an der Universität Erfurt gehen wir der Frage nach, wie Unterrichtsvideos hochschuldidaktisch in Lehrveranstaltungen eingebunden werden können. Besonderheiten stellen dabei die 360° Videos, die eine stärkere Immersion hervorrufen und das Erkennen der Komplexität des Unterrichtsgeschehens erleichtern sollen, sowie die Einbindung von Unterrichtssequenzen in eine Online-Lernumgebung dar. Thematisch fokussieren die Unterrichtsvideos beispielsweise die emotionale Unterstützung der Lehrperson, die individuelle Lernförderung und das Management des Unterrichtsgeschehens. In der Begleitforschung untersuchen wir die Wirkung unterschiedlicher hochschuldidaktischer Umsetzungen der Arbeit mit Unterrichtsvideos auf die Wahrnehmungs- und Analysefähigkeiten der Studierenden für unterrichtliche Lehr-/Lernprozesse.    

Ansprechpartnerin: Katja Bianchy

Kooperative Lehr-/Lernformen im Unterricht

Die Etablierung kooperativer Lehr-/Lernformen in die Unterrichtspraxis stellt eine Herausforderung für die Schul- und Unterrichtsentwicklung dar. Einerseits versprechen kooperative Lehr-/Lernformen die (individuelle) Unterstützung fachlicher und sozialer Lernprozesse und eignen sich damit für den inklusiven Unterricht. Gleichzeitig sind aus Sicht der Lehrer*innen damit ein höherer Aufwand in der Unterrichtsvorbereitung und Herausforderungen im Management des Schülerverhaltens verbunden. In einer Studie mit 1.500 Lehrer*innen in Polen untersuchten wir deren Wissen, Überzeugungen und Unterrichtspraxis in Bezug auf kooperatives Lernen. Darauf aufbauend entwickeln und evaluieren wir aktuell ein onlinegestütztes Fortbildungsprogramm, welches den Einsatz kooperativen Lernens in der Unterrichtspraxis stärken soll.

Ansprechpartnerin: Anna Abramczy

anna.abramczyk.wroc@gmail.com

Multiprofessionelle Unterrichtsteams

Das gemeinsame Unterrichten von Regelschullehrer*innen und Förderpädagog*innen ist ein Ansatz inklusiven Unterrichts. Die multiprofessionelle Zusammenarbeit wird teilweise erschwert durch professionsspezifische Erwartungen an den Teampartner oder unterschiedliche Vorstellungen über Lernziele und Unterrichtmethoden. Wir haben 33, in multiprofessionellen Unterrichtsteams arbeitende Lehrer*innen (16 Regelschullehrer*innen, 17 Förderpädagog*innen) zu ihren Vorstellungen über eine gelingende Zusammenarbeit befragt. Die mit einem Leitfaden geführten Interviews geben Aufschluss über Anforderungen an das Bildungssystem, die einzelne Schule und die Teampartner selbst. Als besonders wichtig erachteten die Lehrer*innen, dass beide Teampartner über Wissen zu sonderpädagogischen Förderbedarfen und Möglichkeiten der Individualisierung verfügen, bei bestimmten Aufgaben die Verantwortung teilen, bei anderen wiederum entsprechend ihrer Expertise aufteilen, sich in einem Aushandlungsprozess als Team entwickeln können und die Schulleitung eine inklusive Schul- und Unterrichtsentwicklung federführend anleitet.   

Ansprechpartnerinnen: Susanne Jurkowski, Manuela Ulrich

manuela.ulrich@uni-konstanz.de

Mündliche Mitarbeit und Schüchternheit in der Schule

Mit bis zu 50 Prozent macht die mündliche Mitarbeit einen bedeutenden Teil der Schulnote aus. Gleichzeitig wird diese Form der Leistungsbewertung in der Ausbildung von Lehrkräften kaum behandelt. Untersucht werden die Bedingungsfaktoren mündlicher Mitarbeit, wobei ein spezieller Blick auf schüchterne Schüler*innen geworfen wird, die von Lehrkräften häufig übersehen werden oder deren Schüchternheit mit Desinteresse verwechselt wird. In einer ersten Studie untersuchten wir die aus dem kooperativen Lernen bekannte Methode „Think-Pair-Share“ und deren Auswirkungen auf die mündliche Beteiligung von über 800 Neuntklässlern. Analysen ergaben, dass eine vorgeschaltete Think-Phase die mündliche Beteiligung von allen, aber insbesondere von schüchternen Schüler*innen, erhöhen kann und diese mit einer niedrigeren negativen Befindlichkeit (z.B. Nervosität) einhergeht. Eine zweite Studie soll nun über das emotionale Befinden von Schüler*innen in Abhängigkeit von der jeweiligen Unterrichtsmethode Aufschluss geben.

Ansprechpartner: Lukas Mundelsee

Reflexive Praxis in der Hochschullehre

Ein Verständnis akademischen Lernens als Veränderung bzw. Erweiterung von gewohnten Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmustern führt gerade auch dazu, dass sich Pädagog*innen im Rahmen von Erziehungsprozessen mehr Handlungsmöglichkeiten erschließen können. Mit der Öffnung für Beobachtungen zweiter Ordnung entsteht eine Praxis, in der es keine Trennung zwischen Beobachter*in und Beobachteten gibt. Verschiedene Ansätze zur Erforschung dieser inneren Prozesse sind geeignet, den Einfluss der eigenen Vorannahmen und Bewertungen in sozialen Handlungsfeldern zu erkennen und weniger automatisch bzw. impulsiv sondern situationsangemessen zu handeln. Im Rahmen des Studium Fundamentale werden Studierende mit der Praxis der Zenmeditation vertraut gemacht. Sie erarbeiten sich zentrale, aus dem buddhistischen Kontext kommende, Aspekte zur Klärung der Frage, wie wir unsere Welt und unser Selbst konstruieren. In welcher Weise das schließlich in der späteren beruflichen Praxis nützlich sein kann, erfordert eine Befragung zu einem nach dem Studium liegenden Zeitpunkt. Ehemalige Seminarteilnehmer*innen sollen dazu eingeladen werden über einen Onlinefragebogen die Relevanz von Meditation und Achtsamkeit in ihrem gegenwärtigen pädagogischen Kontext einzuschätzen. 

Ansprechpartnerin: Birgit Jäpelt

Service Learning in Brennpunktschulen

Im LIFE-Programm (Líderes Inspirando Futuro y Éxito/Leaders Inspiring Future and Success) bieten Studierende der Studiengänge BWL und Buchhaltung mit Schwerpunkt auf Transformational Leadership einer Hochschule in El Salvador für Acht- und Neuntklässler in Brennpunktschulen Workshops in Unternehmertum und Teamarbeit an. Teamarbeit ist für beide Gruppen von zentraler Bedeutung: Die Studierenden bereiten gemeinsam jede Sitzung vor, implementieren und reflektieren sie. Dabei sollen sie die gelernte Theorie über Transformational Leadership mit der Praxis verbinden und gegenüber den Schüler*innen die Rolle eines Mentors einnehmen. Die Schüler*innen sollen soziale Fähigkeiten erlernen und einüben, eigene Stärken entdecken und neue Perspektiven für ihre Zukunft entwickeln. Das Programm wird im Laufe des aktuellen Schuljahres umgesetzt und mit einer Mixed-Methods-Studie im Hinblick auf die Lern- und Entwicklungsprozesse der Studierenden wie der Schüler*innen evaluiert.

Ansprechpartnerin: Christine Schmalenbach

christineschmalenbach@nehemiahiu.net

Team-Teaching in der Hochschullehre

Die Vorbereitung auf inklusiven Unterricht ist eine Herausforderung für die Lehrer*innenbildung. Dabei soll die Vorbereitung von Studierenden auf ein inklusives Schulsystem querschnittlich in allen Studienangeboten der Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften verankert sein. Team-Teaching eignet sich zur Verzahnung von Wissen, beispielsweise aus der Sonderpädagogik und der Fachdidaktik bzw. Bildungswissenschaft. Im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung an der Universität Erfurt werden Studierende über Team-Teaching in der Hochschullehre auf inklusive Schulpraxis vorbereitet. Wir begleiten die Lehrveranstaltungen wissenschaftlich und untersuchen die Wirkung verschiedener Formen des Team-Teaching auf das Verständnis der Studierenden über Heterogenität und individuelle Unterstützungs- und Förderbedarfe, ihr Wissen zu Möglichkeiten der Individualisierung und ihre Vorstellungen von inklusivem Unterricht.

Ansprechpartner: Cedric Steinert

Von der Gruppe zur Gemeinschaft

Kinder und Jugendliche mit Auffälligkeiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung sind häufig wenig bis gar nicht in die Klassengemeinschaft integriert. Gleichzeitig sind Verhaltensauffälligkeiten umso geringer, je unterstützender das Lehrerverhalten den Schüler*innen gegenüber ist und je unterstützender das Verhalten der Schüler*innen untereinander ist. In einer ersten Studie gehen wir der Frage nach, wie Lehrpersonen im inklusiven Unterricht aus und mit einer heterogenen Schülerschaft eine Klassengemeinschaft bilden können. Dabei identifizierte Handlungsstrategien sollen im nächsten Schritt in ihrem Zusammenhang mit dem Ausmaß an Verhaltensauffälligkeiten der Schüler*innen und ihrer erlebten sozialen Eingebundenheit in die Klassengemeinschaft untersucht werden. Abschließend werden Maßnahmen zur Unterrichtsentwicklung für Lehrer*innen erstellt und mit Blick auf die soziale Eingebundenheit der Schüler*innen evaluiert.

Ansprechpartnerin: Katja Bianchy