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Neues Forschungsprojekt über Frauen in ländlichen Entwicklungsprogrammen in Indien

Mit rund 335.000 Euro Euro unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bis Juli 2024 ein neues Forschungsprojekt von Dr. Maria Framke am Historischen Seminar der Universität Erfurt. Es trägt den Titel "Hidden Histories: Frauen in ländlichen Entwicklungsprogrammen in Indien, c. 1920–1966" und widmet sich Beiträgen indischer Frauen zu ländlichen Aufbauprogrammen. Es folgt dabei der Forderung, Gender als Analysekategorie in die Geschichte von Entwicklung einzubeziehen.

Das Ziel des Projektes ist es, die Rolle von Frauen in der Gestaltung und Umsetzung von staatlichen und nichtstaatlichen ländlichen Entwicklungsprojekten in Indien in den Schlüsselbereichen Gesundheit, Bildung und Existenzsicherung zu untersuchen und auf diese Weise die Prozesse von Entwicklung und Staatsbürgerschaft neu zu erfassen.

Diese Analyse verspricht sowohl neue Einsichten in die internationalen Verflechtungen zwischen Nordamerika, Europa und Südasien als auch auf die dazugehörigen Rückwirkungen auf die indische Nationalstaatsbildung. Während sich die Forschung bisher auf männliche Akteure konzentriert, verlagert das Projekt den Fokus auf Elite-Frauen und ihre Arbeit mit subalternen Zeitgenossinnen im ländlichen Raum.

Obwohl staatliche Großinvestitionen zumeist die Modernisierung des industriellen Sektors forcierten, kam dem ländlichen Raum als Zentrum der landwirtschaftlichen Produktion verantwortlich für die Ernährungssicherheit eine gesonderte Bedeutung in indischen Entwicklungsvorhaben zu. Wie das Projekt zeigen wird, war der ländliche Raum dabei ein wichtiger Ort für die ‚geschlechtsspezifische‘ Ausgestaltung von Entwicklung. Eine Reihe von Entwicklungsprogrammen zur Verbesserung der Gesundheit von Mutter und Kind, zur Entwicklung von Heimindustrien und zur Alphabetisierung richtete sich ausdrücklich an Frauen in ländlichen Regionen. Das Projekt erforscht, ob diese von den Ideen des zeitgenössischen Sozialfeminismus beeinflussten Entwicklungsprogramme, dem konventionellen dualen Modell, das Arbeitsbereiche nach Geschlecht trennte, folgten oder ob sie es durchbrachen. Führte die Teilhabe von Frauen an Entwicklungsarbeit zu gleichberechtigter Staatsbürgerschaft? Um die Komplexität der Einflüsse und Wechselwirklungen zu untersuchen, die der Entwicklungsarbeit indischer Akteurinnen zugrunde lagen, kombiniert das Projekt einen biografischen mit einem institutionshistorischen Ansatz, mitsamt der Analyse der dazugehörigen Netzwerke. Darüber hinaus erlaubt es der zeitliche Rahmen, der sowohl die späte Kolonial- als auch die frühe postkoloniale Zeit umfasst, unerforschte Kontinuitäten und Brüche herauszuarbeiten.

Aufgrund umfänglicher Vorarbeiten geht das Projekt von der fundierten Arbeitshypothese aus, dass das Aufeinandertreffen von Elitevorstellungen und ländlicher Realbedingungen Einblicke in die Verhandlung von Entwicklungsprogrammen ermöglicht, da es zentrale Kontroversen und Konfliktlinien zum Vorschein bringt. Zusammenfassend analysiert das Projekt wie Frauen ‚Entwicklung‘ konzipierten und nutzt die bei der Umsetzung dieser Initiativen entstandenen Auseinandersetzungen als Ausgangspunkt um neue Einblicke in die historische Genese und die Facetten von Staatsbürgerschaft in der größten Demokratie der Welt zu generieren.


Kooperationspartner sind die ETH Zürich, das Leibniz-Zentrum Moderner Orient (ZMO) und die Jawaharlal Nehru University (JNU Dehli).

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Hidden histories: Frauen in ländlichen Entwicklungsprogrammen in Indien, c. 1920–1966“
(Historisches Seminar)
Lehrgebäude 4 / Raum 114
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