Universität Erfurt

Forschung und Nachwuchsförderung an der Universität Erfurt

Die Liederbücher der Gothaer Freimaurer-Loge

Die Forschungsbibliothek Gotha bewahrt eine historisch gewachsene Musikaliensammlung, die in Handschriften und Drucken schwerpunktmäßig Werke der am Gothaer Hof tätigen Komponisten wie Gottfried H. Stölzel (1690–1749), Georg Benda (1722–1795), Anton Schweitzer (1735–1787), Louis Spohr (1784–1859) und Andreas Romberg (1767–1821) sowie der Musikerfamilie Bach enthält.

Unter den handschriftlichen Liedersammlungen sind drei Liederbücher der Gothaer Freimaurer-Loge zu erwähnen. Die Loge Ernst zum Compass bestand von 1806 bis 1934 und hatte neben Angehörigen der herzoglichen Familien Sachsen–Gotha–Altenburg sowie Sachsen–Coburg und Gotha so bekannte Mitglieder wie den Vater der deutschen Schauspielkunst Conrad Ekhof (1720–1778), den Gründer der philanthropischen Erziehungsanstalt in Schnepfenthal Christian G. Salzmann (1744–1811), den Lehrer und Verlagsbuchhändler Rudolph Z. Becker (1752–1822), den ersten Mozartbiograf, Philologe und Numismatiker Friedrich v. Schlichtegroll (1765–1822) oder Karl G. Bretschneider (1776–1848), protestantischer Theologe und wichtiger Vertreter des Theologischen Rationalismus.

Das früheste Liederbuch unter dem Titel Gesänge der Loge Ernst zum Compass aus den Jahren 1820 bis 1840 enthält 109 Gesänge (FB Gotha, Mus. 4° 81o/12), darunter einzelne von Benda, Haydn, Mozart, Zelter oder Spohr, der selbst auch Mitglied der Loge war. Bei einigen Liedern sind Pausen aus einem oder mehreren Takten Indiz dafür, dass Instrumentalbegleitung möglich war.

Die Handschrift Gesänge für Die Loge Ernst zum Compass in Gotha (FB Gotha, Mus. 4° 82a/6) besteht aus 59 Liedern, die zwischen 1830 und 1860 abgeschrieben wurden: Neben einer Reihe von anonymen Kompositionen sind u.a. Wer ist ein freier Mann von Ludwig v. Beethoven sowie zwei Lieder von Louis Spohr enthalten. Ein großer Teil der Lieder ist auf zwei Systemen als Klavierpartitur, bei anderen Liedern sind Vokalstimme(n) und Klavierbegleitung separat notiert.

Melodien zu den Liedern des neuen Freimaurer Gesangbuches der Loge Ernst zum Compass zusammengestellt vom Br[uder] Fr[iedrich] Hellmann überliefert 39 Gesänge, die zwischen 1860 und 1870 in einen querformatigen Band geschrieben wurden (FB Gotha, Mus. 4° 82a/5). Auf dem vorderen Einbanddeckel steht der Kurztitel in Anlehnung an die Freimaurersymbole auf einem aufgeklebten weißen Dreieck (s. Abb.). Der Band enthält neben Kompositionen von Friedrich Hellmann selbst auch ein Lied von Justinus Felsberg, der mindestens seit den 1830er-Jahren in Gotha als Kantor, Komponist und Musiklehrer tätig war und dessen Werke bisher nur in der Forschungsbibliothek Gotha nachweisbar sind. Das aus vier Strophen bestehende Singet den Schwestern, den zarten, den milden ist auf drei Systemen notiert (s. Abb.).

Die handschriftlichen Musikalien der Forschungsbibliothek Gotha werden seit 2005 für das Répertoire International des Sources Musicales mit Unterstützung der RISM Arbeitsgruppe Deutschland, Arbeitsstelle Dresden zunächst an der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz und anschließend im Hochschularchiv/Thüringischen Landesmusikarchiv an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar katalogisiert und sind über den Onlinekatalog recherchierbar (http://www.rism.info/de/startseite.html).

(Text: Cornelia Hopf)

Freimaurer Gesangbuch der Loge Ernst zum Compass. FB Gotha, Mus. 4° 82a/5.Freimaurer Gesangbuch der Loge Ernst zum Compass. FB Gotha, Mus. 4° 82a/5.Freimaurer Gesangbuch der Loge Ernst zum Compass. FB Gotha, Mus. 4° 82a/5.

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