Förderstipendien für Wissenschaftlerinnen am Forschungszentrum Gotha und am Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes

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Die Universität Erfurt schreibt im Rahmen des „Thüringer Programms zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchskünstlerinnen“ Stipendien für promovierte Wissenschaftlerinnen aus. Vergeben werden Kurzzeitstipendien für 3-4 Monate und Langzeitstipendien für 12 bzw. 24 Monate zur Erforschung der Bestände der Forschungsbibliothek Gotha. Je nach Schwerpunktsetzung sind die Stipendiatinnen ans Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt oder ans Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes angebunden.

Die Bewerbungsfrist endet am 30. Juni 2021.

Stipendienbeginn ist am 1. September 2021.

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FORSCHUNGSKOLLEG TRANSKULTURELLE STUDIEN / SAMMLUNG PERTHES
Das zu Jahresbeginn 2021 neu eingerichtete Forschungskolleg Transkulturelle Studien/Sammlung Perthes (FKTS/SP) ist ebenfalls eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Erfurt. Es versteht sich als eine Plattform für interdisziplinäre Forschungen zur historischen Gewordenheit der heutigen globalen Welt. Seine Forschung orientiert sich an den Gothaer Sammlungszusammenhängen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert und richtet ein besonderes Augenmerk auf die Sammlung Perthes. Das Kolleg verfolgt eigenständige sowie kooperative Forschungsvorhaben und -projekte, u. a. zur Kartographie der Meere und den Karten Afrikas und Asiens. Dabei arbeitet es eng mit nationalen und internationalen Wissenschaftler*innen zusammen und strebt enge Kooperationen mit Wissenschaftler*innen aus dem globalen Süden an. Geleitet wird das FKTS/SP von Prof. Dr. Iris Schröder.

FORSCHUNGSZENTRUM GOTHA
Das 2004 gegründete Forschungszentrum Gotha (FZG) ist eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Erfurt. Aufgabe des FZG ist die koordinierte Durchführung von Forschungsvorhaben insbesondere zur Kultur- und Wissensgeschichte der Neuzeit in enger Kooperation mit den bestandshaltenden Institutionen auf Schloss Friedenstein. Derzeit sind am Zentrum Forschungsprojekte bspw. zur Numismatischen Sammlung, den landesherrlichen Finanzen sowie osteuropäisch-osmanisch-persischen Mobilitätsdynamiken situiert. Darüber hinaus organisiert das FZG (Gast-)Vorträge, Konferenzen und Kolloquien und dient als Plattform für Stipendiat*innen, Gastwissenschaftler*innen und Forschungsnetzwerke. Geleitet wird das FZG von Prof. Dr. Martin Mulsow.

FORSCHUNGSBIBLIOTHEK GOTHA
Die Forschungsbibliothek Gotha auf Schloss Friedenstein bewahrt herausragende Sammlungen zur Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit und der Neuzeit. Sie ist nach Berlin und München neben der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel die bedeutendste Bibliothek historischer Bestände des 16. bis 18. Jahrhunderts in der Bundesrepublik Deutschland. Seit 2003 gehört außerdem die Sammlung Perthes Gotha zur Bibliothek, die aus den Beständen des 1785 gegründeten Verlags Justus Perthes Gotha hervorgegangen ist. Sie zählt weltweit zu den bedeutendsten geographischen Spezialsammlungen.

Aufgabe der Forschungsbibliothek ist die Sammlung, Bewahrung und Erschließung ihrer Quellen, die Teil des europäischen kulturellen Erbes sind. Insgesamt befinden sich in der Bibliothek etwa 700.000 gedruckte Werke, darunter rund 350.000 Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts. Hinzu kommen ca. 11.500 Handschriftenbände, die eine bedeutende Sammlung von Handschriften, Autographen und Nachlässen zur Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit enthalten, sowie eine Kollektion von rund 3.500 orientalischen Handschriften – die drittgrößte ihrer Art in Deutschland. Die Bibliothek bewahrt ferner eine bemerkenswerte Sammlung von Briefen deutscher Auswanderer nach Amerika.

Die Sammlung Perthes umfasst die Überlieferung des 1785 in Gotha gegründeten Verlagshauses Justus Perthes Gotha und seiner Nachfolger und bildet mit ihren drei Bereichen Kartensammlung, Fachbibliothek und Verlagsarchiv ein einzigartiges Zusammenhangsmaterial. Die Kartensammlung enthält ca. 185.000 Blätter des 18. bis 20. Jahrhunderts aus der internationalen und verlagseigenen Kartenproduktion; die kartographisch-geographische Fachbibliothek umfasst 120.000 Bände. Das Verlagsarchiv mit 800 laufenden Metern beinhaltet u. a. die Überlieferung der Schriftleitung von Petermanns Mitteilungen, eine Belegexemplar-Sammlung der Verlagsproduktion sowie 1.650 Kupferplatten.

FÖRDERUNGSPROFIL UND -VORAUSSETZUNGEN
Gefördert wird die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Beständen der Forschungsbibliothek und den dazugehörigen historischen Sammlungen des Verlags Justus Perthes Gotha. Die wissenschaftlich-inhaltliche Ausrichtung zielt darauf, den vielfältigen Beständen und der Universalität der Gothaer Bibliothek Rechnung zu tragen. Das Programm besitzt thematisch und disziplinär einen offenen Charakter. Ergänzend können auch die Bestände des Landesarchivs Thüringen – Staatsarchiv Gotha und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha in die Forschung einbezogen werden.

1)    Das Kurzzeitstipendium (3-4 Monate) richtet sich an exzellent promovierte Nachwuchswissenschaftlerinnen, die ein neues Forschungsvorhaben aufnehmen oder eine bereits begonnene Arbeit weiterführen bzw. abschließen möchten und dafür die oben genannten Bestände verwenden wollen. Die Promotion bzw. PhD-Arbeit sollte nicht länger als vier Jahre zurückliegen (Ausstellungsdatum Urkunde/Mutterschutz und Elternzeit werden berücksichtigt).

2)    Das Initialisierungsstipendium (12 Monate) richtet sich an exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen, die nach der Promotion einen Drittmittelantrag zur Durchführung eines selbstständig geplanten Forschungsprojekts auf Grundlage der Gothaer Bestände konzipieren wollen. Eine Anbindung des Forschungsvorhabens an die Universität Erfurt wird erwartet. Die Promotion oder PhD-Arbeit sollte nicht länger als vier Jahre zurückliegen (Ausstellungsdatum Urkunde/Mutterschutz und Elternzeit werden berücksichtigt). Die Stipendiatinnen sollen sich bereits mit wissenschaftlichen Leistungen hervorgetan haben und eine Karriere in der Wissenschaft anstreben sowie eigenständig ein Drittmittelvorhaben an der Universität Erfurt planen oder wesentlich in eine Antragstellung eines größeren Drittmittelvorhabens an der Universität Erfurt eingebunden sein.

3)    Das Karrierestipendium (24 Monate) richtet sich an exzellente Wissenschaftlerinnen, die sich gezielt auf eine wissenschaftliche Karriere als Professorin vorbereiten oder bereits die formalen Voraussetzungen für eine Professur erfüllen. Sie sollten ihre Promotion, PhD-Arbeit oder Habilitation mit sehr gutem Ergebnis abgeschlossen haben und nach der Promotion eine mind. dreijährige Berufserfahrung in der Wissenschaft vorweisen können. Im Rahmen des Stipendiums ist die Durchführung eines Forschungsprojekts als Vorarbeit für ein großes Vorhaben (z. B. Habilitation) oder eines umfangreicheren Forschungsprojekts (z. B. die Planung eines Verbundvorhabens) unter Einbeziehung von Gothaer Beständen vorgesehen.

Die monatliche Förderung beträgt 2.000 Euro. Zusätzlich wird ein Familienzuschlag in Höhe von 300 Euro für ein Kind und 150 Euro für jedes weitere Kind gewährt. Stipendienbeginn ist der 1. September 2021. Regelmäßige Präsenz in Gotha und die aktive Vernetzung mit Wissenschaftler*innen vor Ort werden vorausgesetzt.

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