Karten-Meere. Für eine Geschichte der Globalisierung vom Wasser aus

Karten, insbesondere See- und Meereskarten, spielen in der Geschichte der Globalisierung bislang eine marginale Rolle, obwohl sie wie kaum ein anderes Medium maritime Räume mitsamt den dazugehörigen globalen Verknüpfungen veranschaulichen. Deshalb soll mithilfe von See- und Meereskarten eine bislang kaum bekannte Geschichte der Umbruchszeit von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erzählt werden, die einen neuen Blick auf die Genese der heutigen globalen Welt eröffnen kann.

Zwei bedeutende Sammlungen bilden die materielle Grundlage des Projektes: zum einen die Sammlung Perthes, die in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt bewahrt wird und eines von zwei in Europa noch erhaltenen Kartenverlagsarchiven ist. Zum anderen die Karten- und Navigationssammlung des Deutschen Schifffahrtsmuseums – Leibniz-Institut für Maritime Geschichte in Bremerhaven.

Der transdisziplinär ausgerichtete Forschungsverbund soll die See- und Meereskartenbestände exemplarisch erschließen, erforschen und die Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Im Verbund arbeiten mit Prof. Dr. Iris Schröder (Universität Erfurt/Forschungszentrum Gotha), Prof. Dr. Ruth Schilling (Universität Bremen) und Prof. Dr. Wolfgang Struck (Universität Erfurt) nicht nur Geschichts- und Literaturwissenschaften zusammen. Mit Dr. Petra Weigel (Forschungsbibliothek Gotha/Sammlung Perthes) und Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner (Deutsches Schifffahrtsmuseum – Leibniz-Institut für Maritime Geschichte, Bremerhaven) sind auch ausstellungserfahrene Praxispartner am Projekt beteiligt, das die Materialität von Karten in ein neues Licht rücken und greifbar machen will. Gezeigt werden soll, wie Karten als Objekte wirken und wie sie bis heute unseren Blick auf die Meere prägen. Damit versteht sich das Projekt als ein Beitrag zu einer historisch vermittelten Erforschung der Relation von Mensch und Meer.

Projektleitung
Prof. Dr. Iris Schröder, Forschungszentrum Gotha und Professur für Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts am Historischen Seminar, Universität Erfurt (Projektpartner/Koordinatorin)
Prof. Dr. Wolfgang Struck, Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Erfurt (Projektpartner)
Dr. Petra Weigel, Forschungsbibliothek Gotha/Sammlung Perthes (Praxispartner)
Prof. Dr. Ruth Schilling, Juniorprofessorin am Institut für Geschichtswissenschaft, Universität Bremen (Projektpartner)
Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner, Geschäftsführende Direktorin am Deutschen Schiffahrtsmuseum – Leibniz-Institut für deutsche Schifffahrtsgeschichte (DSM), Bremerhaven (Projekt- und Praxispartner)


Kooperationspartner

Forschungsbibliothek Gotha/Sammlung Perthes
Universität Bremen
Deutsches Schifffahrtsmuseum Leibniz-Institut für Maritime Geschichte, Bremerhaven

Ansprechpartner/innen:

Prof. Dr. Iris Schröder
Dr. Felix Schürmann

Laufzeit:
07/2018–12/2021

Förderung:
BMBF-Verbundvorhaben in der Förderlinie Sprache der Objekte mit einem Gesamtfördervolumen von 1,1 Mio. Euro.

Weitere Informationen

Factsheet (Karten–Meere)

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auch im Karten-Meere-Blog  und auf der Forschungsprojekt-Seite der Universität Erfurt .

Begleitende Publikation

Buchcover "Karten Wissen Meer"

Wolfgang Struck, Iris Schröder, Felix Schürmann und Elena Stirtz
Karten–Meere. Eine Welterzeugung
Wiesbaden: Corso Verlag, 2020
EAN: 978-3-7374-0763-2  
192 Seiten

Ausstellung

"Karten Wissen Meer. Globalisierung vom Wasser aus"

Plakat zur Ausstellungseröffnung "Karten-Wissen-Meer"

Die Ausstellung „Karten Wissen Meer. Globalisierung vom Wasser aus“ präsentiert Karten und weitere Objekte aus der Sammlung Perthes Gotha und der Kartensammlung des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven. Sie zeigen, wie die Kartographie der Meere ab dem frühen 19. Jahrhundert dazu verhalf, die Welt als ein Ganzes zu betrachten und zu begreifen. Diese Kartographie schuf Voraussetzungen für den sich immer weiter intensivierenden Schiffsverkehr. Karten wiesen Reisenden, Kaufleuten, Migrantinnen und Migranten Wege in einer sich zunehmend verdichtenden und geschlossen anmutenden Welt. Als Seekarten ermöglichten sie die immer präzisere Navigation, sie schufen aber auch als Welt- oder besser Weltmeereskarten ein Bewusstsein des zeitgenössischen globalen Zusammenhangs mitsamt all seinen Verwerfungen.

Die Ausstellung wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Leibniz-Aktionsplan „Eine Welt in Bewegung“ gefördert und basiert auf Forschungen eines Verbunds von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Forschungszentrums Gotha der Universität Erfurt, der Universität Bremen und des Deutschen Schifffahrtsmuseums (Bremerhaven) unter dem Titel „Karten-Meere. Für eine Geschichte der Globalisierung vom Wasser aus“. Ein Begrüßungsvideo zur Ausstellung finden Sie  auf den folgenden Kanälen:

 https://www.hausderwissenschaft.de/Karten-Wissen-Meer.html
 https://www.facebook.com/LeibnizDSM
 https://www.youtube.com/watch?v=Rct6AJMRU1s

 

Presse:

Pressemitteilung auf (idw) Nachichten. Informationsdienst Wissenschaft vom 05. August 2020 über die Ausstellung:
"Wie Karten den Blick auf die Welt ermöglichen"

Beitrag in der taz.bremen vom 20. Juli 2020 mit einem Interview mit Prof. Dr. Iris Schröder:
"Karten sind immer politisch"

 

 

Bild: August Petermann, Der grosse Ocean, Mitteilungen aus Justus Perthes‘ Geographischer Anstalt, [3] (1857), Tafel 1. © Forschungsbibliothek Gotha, SPA 4°000100.