Abteilung 2 (Neueste Geschichte/Zeitgeschichte)

 

Vor allem auf Basis der Sammlung Perthes verfolgt die Mitte 2013 gegründete Abteilung 2 das Ziel, Konturen einer neuen Globalgeschichte des Wissens zu entwickeln. In einem ersten Schritt hierzu soll die klassische Kartographiegeschichte für neue Ansätze der globalhistorischen Wissenschaftsforschung geöffnet werden.

 

6. Arbeiten am Raum: Arbeiten im Feld (19. und 20. Jahrhundert)

Der Schwerpunkt betrifft die wechselvolle Genese von Wissen im Feld. Ausgangspunkt sind dabei indigene Raumpraktiken sowie die dazugehöriges Wissensbestände, die zahlreiche Spuren in den in der Sammlung Perthes überlieferten Karten und Berichten europäischer Reisender hinterlassen sollten. Ziel des Schwerpunktes ist es, weitergehende empirische Einblicke in die variablen Konstitutionsweisen des Räumlichen sowie in die dazugehörigen Wissensökonomien zu erarbeiten. Dabei geht es zum einen um das Vorhaben, mögliche konkurrierende und sich zugleich dynamisch verändernde Paradigmen des Räumlichen zwischen der außereuropäischen und der europäischen Welt in ihrer Übergängigkeit kenntlich zu machen, zum anderen aber auch um den Versuch, die wechselvolle Verbreitung eines europäischen Ordnungsvorstellungen folgenden Raumwissens über Europa hinaus genauer zu situieren. Eine beispielgebende Studie widmet sich derzeit den konkurrierenden Kartographien und Topographien des Heiligen Lands (Tobias Mörike). Darüber hinaus ist - mit besonderem Blick auf die engen Verbindungen zwischen Nord-Ostafrika und dem Gothaer Perthesverlag - ein Antrag zu den Wissensökonomien zwischen Afrika und Europa in Vorbereitung (Michael Pesek/Iris Schröder). Der Schwerpunkt unterhält enge Kooperationsbeziehungen zur Humboldt-Universität zu Berlin, zur Pariser École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris (Frankreich) sowie zur Universität Mekelle (Äthiopien).

 

7. Raumwissen – Politik – Territorialität: Zur Geschichte politischer Räume zwischen Wissenschaft, Kolonialismus und Militär, 1855–1945

Das wechselvolle Verhältnis von Wissenschaft und Kolonialismus wurde für den behandelten Zeitraum in Bezug auf die Geschichte politischer Räume erstaunlicherweise bislang kaum detailliert untersucht, gleiches gilt für die oft nur allgemein postulierte enge Verknüpfung von Militär und Raumwissen. An diesem Desiderat setzt der Forschungsschwerpunkt an. Im Fokus steht die Verknüpfung von politisch-territorialen Ambitionen und räumlichen Expertisen, aber auch die Frage nach einer möglichen Eigendynamik des Raumwissens. Die laufenden Projekte sind zur Zeit auf Europa und Afrika konzentriert: Sie widmen sich dem „Scramble for Africa als kartographischem Projekt“ (Iris Schröder) sowie trigonometrischen Vermessungsprojekten im kolonialen Senegal und in Kamerun (Wolfgang Göderle) und den Karten des Krieges, 1914–1918 (Oliver Kann). Darüber hinaus bestehen Kontakte zu ähnlichen Vorhaben an der University of St. Andrews.

 

8. Natur – Raum – Naturräume: Für eine Naturgeschichte des globalen Zeitalters

Neben der Sammlung Perthes bieten die Gothaer naturkundlichen Sammlungen für die Arbeiten der zweiten Abteilung einen bemerkenswerten Fundus. Sie sind die Basis für eine Reihe von künftigen Forschungsvorhaben, die im Sinne einer zu erneuernden Naturgeschichte weitere Erkenntnisse über die Wissenskulturen des 19. und 20. Jahrhunderts versprechen. Bündeln will diese Forschungsvorhaben der Schwerpunkt „Natur – Raum – Naturräume“. Eine Pilotstudie zur Botanik erfolgte im Rahmen des TMBWK-Projektes „Globalisierung und lokales Wissen: Sammlungsbezogene Forschungen zum Verlag Justus Perthes“ (Nils Güttler). Anknüpfend an eine Tagung zum Thema „Revisiting Humboldtian Science“ ist zur Zeit ein Diskussionsband zu den Kulturen der Naturforschung im 19. Jahrhundert in Vorbereitung (Iris Schröder, Reiner Prass). Zwei weitere Vorhaben, die eng mit dem Forschungszentrum verbunden sind, widmen sich der Erforschung der Arktis (Christian Holtorf, Coburg) sowie der Konstruktion von „UmWelt“ im Andenraum und im Amazonasgebiet (Sebastian Dorsch, Erfurt).  Weitere Kooperationsbeziehungen bestehen zu ähnlich gelagerten Forschungsprojekten an der Universität Zürich, der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich sowie der Königlich Technischen Hochschule Stockholm.

 

9. Zusätzliche wichtige Arbeitsfelder

a) Dingwelten des Wissens
b) Kartographie und neue Globalität
c) Kartographie – Wissen – Ästhetik 
d) Globalgeschichte in Briefen
e) Internationale Geschichte – Wissensgeschichte