Einleitung zu Matteo Palmieri: Della vita civile / Vom bürgerlichen Leben

Projektbeschreibung

Cristofano dell'Altissimo: Porträt des Matteo Palmieri, nach 1552
Cristofano dell'Altissimo: Matteo Palmieri, nach 1552. Uffizien, Florenz (public domain).

Florenz hatte sich – bedingt durch die neuentstandene Wollindustrie, die nicht mehr auf lokale Märkte beschränkt werden konnte, sondern nach Fernhandel verlangte, und bedingt durch das frühkapitalistische Bankwesen, das für diesen Fernhandel notwendig war – schon ab dem 14. Jahrhundert an die Spitze der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Europas gestellt und es im 15. Jahrhundert zu einer Blüte gebracht, die bis heute als die größte dieser Stadt gelten kann.

Nicht nur die Namen der Medici verbinden sich mit diesem Aufstieg, sondern auch die unzähliger Künstler, die heute noch Weltgeltung haben. Auch die große Bildungsbewegung des Humanismus konnte in Florenz auf besondere Weise prosperieren: Hier wurde sie mehr als anderswo aus abgeschlossenen Gelehrtenzirkeln aktiv den Bürgern zugeführt. Man spricht daher seit Hans Barons epochaler Arbeit The Crisis of the Early Italian Renaissance (1955) von civic humanism, Bürgerhumanismus.

Matteo Palmieri (1406-1475), als Sohn und Erbe eines Apothekers geboren, im Laufe seines Lebens mehr als fünfzig öffentliche Ämter bekleidend, Verfasser von acht Werken, darf dabei mit seiner Schrift Della vita civile / Vom bürgerlichen Leben geradezu als Kronzeuge gelten:

Auf italienisch geschrieben, damit jeder sie verstehe, verwirklicht sie eines der Grundanliegen des Humanismus – nämlich die Texte und Kultur der Antike wiederzuentdecken und neuzubeleben – auf verblüffende Weise. Durch intelligentes, feinfühliges, auch unbekümmertes Herauspicken passender Passagen, insbesondere aus Ciceros De officiis und der Aristotelischen Nikomachischen Ethik, schafft sie es, diese über tausendfünfhundert Jahre hinweg in einen Text zu transportieren, der dem Bürger seiner Zeit das richtige Handeln nahelegen will. Dieser Leitfaden hat denn auch schon bald unter Palmieris Mitbürgern zu zirkulieren begonnen und findet in dieser Epoche nicht seinesgleichen.

In vier Büchern betrachtet Palmieri Geburt, Kindheit, Erziehung, Jugend, Lebensweg und Alter, flicht die klassischen Kardinaltugenden Klugheit, Mäßigkeit, Tapferkeit und insbesondere Gerechtigkeit unentwegt ein, beschäftigt sich mit Witzen bei Gastmählern ebenso wie mit Hochzeitsbräuchen und Militärwesen, Tagelohn und freier Arbeit, Hafenanlagen und dem Unwesen von Condottieri und Söldnern.

Seine Arbeit kann in Denkströmungen eingebettet werden, die von Dante, Francesco Petrarca, Coluccio Salutati, Leonardo Bruni über ihn bis zu Baldassar Castiglione und Niccolò Machiavelli reichen.

Gegenstand des Projekts ist die bislang fehlende Einleitung, die achtzig bis hundert Seiten umfassen soll.

Ansprechpartner: Peter Michael Schenkel, M.A.
Finanzierung: DFG-Förderung
Laufzeit: November 2021 bis April 2022