Universität Erfurt

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

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Forschungszentrum Gotha
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99855 Gotha

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andre.bochynski@uni-erfurt.de

Zur Person

geboren 1984 in Berlin

2005-2009
Bachelorstudium der Geschichtswissenschaft, Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Soziologie an der Universität Erfurt und der Friedrich-Schiller-Universität Jena (B.A.)

2009-2012
Masterstudium der Geschichtswissenschaft, Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Erfurt, Abschlussarbeit zum ‚Austausch von Büchern im Kontext protestantischer Kommunikation des 17. und frühen 18. Jahrhunderts.’

2010-2012
Wissenschaftliche Hilfskraft am Forschungszentrum Gotha für Sozial- und Geschichtswissenschaftliche Studien sowie am Projekt ‚Erschließung, Auswertung und Analyse eines europäischen Netzwerkes des protestantischen Nonkonformismus um 1700 ausgehend von Friedrich Brecklings „catalogus testium veritatis“ ’ (DFG)

2008-2011
Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

Seit Oktober 2012
Promotionsstipendium für sammlungsbezogene Forschungen am Forschungszentrum Gotha, Dissertationsprojekt

Projektbeschreibung

Studien zum Buch als Kriegsbeute im deutschsprachigen Raum des 17. Jahrhunderts
In meinem Promotionsvorhaben möchte ich der Frage nachgehen, wie die Inbesitznahme sowie der Verlust von Büchern aufgrund militärischer Einwirkungen eine besondere Form kultureller Transferbeziehungen darstellen. Hierbei soll sich dem Objektcharakter des Buches vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen im Verlauf des 17. Jahrhunderts angenähert werden. Gerade in diesem Zeitraum ergab sich eine enorme Vielfalt an Erwerbsmöglichkeiten, die zum großen Teil über einen gut organisierten Buch- und Kunstmarkt bedient, gleichzeitig auch durch unfreie Austauschprozesse in Gang gesetzt wurden. Der Transfer von Manuskripten und Druckschriften durch Plünderungen, Abgaben und Tausch lässt diese zu einer besonderen Gruppe der Kriegsbeute werden, welche den Umgang mit sozialem und politischem Prestige im Umfeld eines Hofes beschreibbar werden lässt. Bei der Betrachtung der ersten Hälfte des  17. Jahrhunderts macht sich allem voran der Dreißigjährige Krieg als ein einschneidender Faktor in zahlreichen Büchersammlungen bemerkbar. Bemerkenswert ist, dass solche Formen der Plünderung wiederum andere Vergeltungsmaßnahmen nach sich zogen, die im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges ebenso als Akte der Wissensakquise, der militärischen Revanche sowie als Bemächtigung von Repräsentationsobjekten verstanden werden können. Durch Auslagerung, Verteilung oder Auflösung manch traditionsreicher Sammlung waren diese Entwicklungen zudem Ausgangspunkte neuer Zentren höfischer Traditionen und Austauschbeziehungen. Wie weitreichend und doppeldeutig diese Schäden sein konnten, wenn sowohl die ideellen als auch finanziellen Werte von Büchersammlungen in Bewegung versetzt wurden, soll in meiner Arbeit untersucht werden.

Als wissenschaftlicher Ansatz sollen hierbei Fragen des Kulturtransfers herangezogen werden. Es soll betrachtet werden, inwiefern eine Bedeutungsverschiebung zwischen einer beraubten sowie einer begünstigten Partei Folgen für die höfische Wahrnehmung bzw. deren Traditionsbildung trug. Konkret soll es um Aspekte von Repräsentation und Wahrnehmung gegenüber bestimmten höfischen Teilöffentlichkeiten gehen, welche innerhalb der Arbeit auszumachen sind. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt wird zudem in der Rekonstruktion der Objektbewegungen selbst liegen. Hierzu sollen sowohl beraubte und in der Folge auch begünstigte Kombattanten untersucht und die Verlagerung der als ‚materielle Kultur’ verstandenen Bücher beschrieben werden. Welche möglichen Strategien einer Sammlungserweiterung hierbei zugrunde lagen und inwiefern auch ethische Grundsätze hierzu die Umstände der Aneignungen rechtfertigen konnten, soll ein wichtiger Aspekt der Untersuchung sein, da dieses Wechselspiel, in dem durch Plünderungen mehrfach Gleiches mit Gleichem vergolten wurde, in seiner Erscheinung einmalig sein dürfte.

Das für diese Studie wichtigste Beispiel bietet die herzogliche Büchersammlung auf Schloss Friedenstein im ehemaligen Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. Ihre frühesten Buchbestände rekrutierten sich aus ebensolchen kriegerisch erbeuteten bzw. vermachten Tributleistungen. Hierbei ist neben den diplomatischen und geografischen Wegen der Buchtransaktionen zu untersuchen, auf welche Weise gerade die persönlichen Verbindungen zwischen den Unionsheeren und den Ernestinern bestanden. Diese sorgten dafür, dass die Bücher entweder durch Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha (1601-1675; reg. seit 1640) direkt oder vermittels seines Bruders Bernhard von Sachsen-Weimar (1604-1639), der als Heerführer die Soldaten Gustav Adolfs befehligte, nach Weimar und Gotha dirigiert werden konnten. Zudem ergibt sich am Beispiel der Gründungszeit der Gothaer Bibliothek ein Einblick in den höfischen bzw. diplomatischen Umgang mit den Beutestücken selbst.

Forschungsinteressen

Publikations- und Provenienzgeschichte

Buchdistributionsgeschichte in der Frühen Neuzeit

Austausch- und Aneignungsprozesse im Dreißigjährigen Krieg

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