Universität Erfurt

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

Franziska Turre M.A.

Kontakt

Forschungszentrum Gotha
der Universität Erfurt
Schloss Friedenstein
99867 Gotha

 

 

Curriculum Vitae

1989

geboren in Mühlhausen/Thür.

2007–2011

Bachelorstudium der Geschichtswissenschaft und evangelischen Religionslehre an der Universität Erfurt

2011–2014

Masterstudium der Geschichtswissenschaft an der Universität Erfurt und der Eberhard Karls Universität Tübingen

2010–2012

Studentische Hilfskraft an der Professur für Mittelalterliche Geschichte der Universität Erfurt

2012-2014

Studentische Hilfskraft in der Nachwuchsforschergruppe „Religiöse Rituale in historischer Perspektive“ (Dr. Dominik Fugger) im Universitären Schwerpunkt Religion der Universität Erfurt

seit Oktober 2014

Promotionsstipendium im Rahmen des Erfurter Promotions- und Postdoktorandenprogramms (EPPP) „Wissensgeschichte der Neuzeit“

Forschungsinteressen

Antikenrezeption in der Frühen Neuzeit

Konfessionalisierung

Religiöse Rituale in der Frühen Neuzeit

Religiöser Nonkonformismus in der Reformationszeit

Konfessionelle Polemik

Projektbeschreibung

Zwischen konfessioneller Polemik und gelehrtem Interesse - Die Beschäftigung christlicher Autoren des 16. und 17. Jahrhunderts mit dem antiken Heidentum

Bereits die Humanisten hatten ihr Wissen über die antike Religion in Beziehung zur christlichen Frömmigkeitspraxis ihrer Gegenwart gesetzt. Im Zuge der Konfessionalisierung entstand auf dieser Basis ein konfessionell geprägter Diskurs, in dem die katholische Seite in zunehmendem Maße mit dem Vorwurf heidnischer Praktiken konfrontiert wurde. Auf diesen grundlegenden Angriff mussten die katholischen Autoren reagieren, wodurch ein Diskursfeld entstand, bei dem die Vorwürfe der lutherischen und reformierten Seite und im Gegenzug die Reaktionen der katholischen Gegenspieler in den Blick genommen werden können. Infolge dieser Auseinandersetzung mit dem Heidentum wurde zugleich Wissen über die antiken Religionen produziert. Auch wenn das konfessionelle Stereotyp als das herrschende angesehen werden muss, setzten sich viele Autoren ausführlich mit den heidnischen Bräuchen auseinander und referierten diese detailliert. Für die breite Masse der Bevölkerung, die der lateinischen Sprache nicht kundig war, waren solche Schriften oftmals die einzige Möglichkeit, sich über antike Religionen zu informieren. Neben der konfessionspolemischen Auseinandersetzung, die bis in das 18. Jahrhundert hinein geführt wurde, erschienen im Laufe des 17. Jahrhunderts Schriften, bei denen die Beschäftigung mit den heidnischen Religionen eine „verwissenschaftlichte Qualität“ gewann, die – so meine These – als ein nicht professionalisierter religionswissenschaftlicher Diskurs bezeichnet werden kann.

In meinem Promotionsvorhaben steht die Produktion und Vermittlung von Wissen über das antike Heidentum in volkssprachlichen Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts im Vordergrund. Es sollen Interessen und Konjunkturen der Beschäftigung mit dem Gegenstand aufgezeigt, Wandlungen in den thematischen Schwerpunkten und der diskursiven Stoßrichtung dieser Wissensproduktion ermittelt und die Strategien der Vermittlung in den Blick genommen werden. In der Summe geht es um den Stellenwert der Beschäftigung mit dem Heidentum in einer sich christlich verstehenden und konfessionell gespaltenen Gesellschaft. Dabei ist insbesondere die Frage von Bedeutung, was mit diesem Wissen geschieht, wenn es die sprachlichen Schranken des lateinischen Gelehrtendiskurses – vermittelt selbstverständlich durch die Gelehrten selbst – verlässt.

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