Universität Erfurt

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

Globalisierung und lokales Wissen: Sammlungsbezogene Forschungen zum Verlag Justus Perthes: Wissensgeschichte

Laufzeit

09/2012–02/2016

Finanzierung

Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, seit MM/2014 Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft: ca. 300.000 EUR

Projektleitung

Prof. Dr. Martin Mulsow, Direktor des Forschungszentrums Gotha

Prof. Dr. Susanne Rau, Professorin für Geschichte und Kulturen der Räume in der Neuzeit

Dr. Kathrin Paasch, Leiterin der Forschungsbibliothek Gotha und Stellvertretende Direktorin der UFB

Dr. Petra Weigel, wissenschaftliche Referentin der Forschungsbibliothek Gotha für die Sammlung Perthes

Projektbeschreibung

„Globalisierung und lokales Wissen: Sammlungsbezogene Forschungen zum Verlag Justus Perthes“ versteht sich als Pilotprojekt, das die Forschungspotenziale der 2003 vom Freistaat Thüringen erworbenen kartografisch-geografischen „Sammlung Perthes Gotha“ erstmals umfassend aufzeigen soll. Darüber hinaus soll es dazu beitragen, Bestände der Sammlung weiter zu erschließen und ein virtuellen Kartenlabor „GlobMapLaboratory“ zu etablieren.
Von Wissenschaft und Öffentlichkeit wird die Sammlung Perthes bisher vor allem als Kartensammlung wahrgenommen. Karten bildeten auch zweifellos das Zentrum der Produktion des Perthes Verlages, doch machte die Kartenherstellung nur einen kleinen Teil der Verlagsaktivitäten aus. Von Gotha aus wurde geografisches Wissen nicht nur kartiert, popularisiert und verkauft, Perthes war zugleich eine Institution, in der Wissen aus allen Bereichen der Geografie und Naturforschung gesammelt und in verschiedensten Medien weiterverarbeitet wurde. Schon für Zeitgenossen war Perthes kein passiver Vertriebskanal für geografische Produkte, sondern – vergleichbar mit einer Universität oder wissenschaftlichen Forschungseinrichtung – einer der wichtigsten und lebendigsten Knotenpunkte der „geografischen Gelehrtenrepublik“, vor allem des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die zentrale Stellung des Verlages in der damaligen Wissenschaftslandschaft spiegelt sich noch heute in der Sammlung Perthes wider. Als Arbeitsinstrument des Verlages finden sich in ihr neben der Kartensammlung auch bislang weniger beachtete Materialgruppen, die wie eine Kette zwischen den ersten Feldbeobachtungen und den kartografischen Endprodukten liegen: Vermessungsaufzeichnungen, Feldnotizen, Kartenskizzen, Reisetagebücher und Korrespondenzen, Arbeitstagebücher von Kartografen, Kupferplatten, Archivalien des Unternehmens wie beispielsweise Rechnungsbücher, eine umfangreiche geografische Spezialbibliothek und meterweise Loseblattsammlungen mit Detailinformationen. Jedoch wurde das in dieser Überlieferungsdichte einzigartige Zusammenspiel verschiedenster Materialgruppen von der kulturhistorischen Forschung bislang kaum wahrgenommen. Die Sammlung Perthes ist auch im internationalen Vergleich eines der wenigen Archive, das nicht universitär oder als Bibliothek, sondern betriebswirtschaftlich organisiert war und gleichzeitig als maßgeblicher Motor wissenschaftlicher Forschung wirkte. Es existiert kaum eine Vergleichssammlung, anhand derer sich Ökonomien des Wissens in einer solchen Überlieferungsdichte und -komplexität nachvollziehen lassen wie in der Gothaer Sammlung.
Das Vorhaben untersucht an Fallbeispielen die einzigartig miteinander verzahnten Materialgruppen der Sammlung in ihrem Zusammenhang und entwickelt darauf aufbauend längerfristige Strategien einer innovativen sammlungsbezogenen und drittmittelbasierten Forschung. Eng damit verknüpft wird das GlobalMapLap aufgebaut, durch das ausgewählte Materialien und Ergebnisse der Fallstudien präsentiert und Kartenbestände der Sammlung Perthes digital bereitgestellt werden. Im Ergebnis sollen das Profil des Forschungszentrums Gotha um den Schwerpunkt „Sammlungsbezogene Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der Globalisierung in der Neuzeit“ erweitert, die vorhandene Infrastruktur gestärkt sowie das Kartenlabor in eine virtuelle Forschungsumgebung für netzbasiertes wissenschaftliches Arbeiten in Forschung und Lehre überführt werden. Das Projekt soll einen wichtigen Beitrag zu dem vom Freistaat Thüringen energisch vorangetriebenen Ausbau Gothas zum Barocken Universum als dem neben Kosmos Weimar zweiten kulturellen Herzstück Thüringens und zu einer überregionalen und internationalen Profilierung der wissenschaftlichen Sammlungs- und Forschungslandschaft Thüringens leisten.

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