Université d'Erfurt

Die Inszenierung der verkehrten Welt: Dr. Dominik Fugger

Dr. Dominik Fugger
Dr. Dominik Fugger
Bannerbild "Warum steht die Welt zum Karneval Kopf?"
Warum steht die Welt zum Karneval Kopf?

11.11.11 um 11.11 Uhr. Beginn der Karnevalssaison. Die Narren übernehmen das Zepter und mancherorts steht die Welt auf dem Kopf. Sie wird im wahrsten Sinne des Wortes „verkehrt“ und dies findet sich auch in zahlreichen Inszenierungen wieder − egal ob im Festzelt, auf dem Fernsehbildschirm oder im politischen Kabarett. Was sich zunächst erst einmal wie buntes närrisches Treiben mit Konfetti und lauten Tröten anhört, ist ein Jahrtausende altes Phänomen, ein Ritual mit überaus ernstem Hintergrund. Und es gibt in der Religionsforschung auch einen Fachbegriff dafür: Verkehrungsritual. Einer, der sich damit auskennt, ist Dr. Dominik Fugger, Leiter der im Herbst 2009 an der Universität Erfurt ins Leben gerufenen Nachwuchsforschergruppe „Religiöse Rituale im Alten Europa in historischer Perspektive“.

„Mit ritueller Verkehrung bezeichnen wir die Vorstellung, dass eine Reihe von Ritualen aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen die jeweils bestehende soziale Hierarchie auf Zeit umkehrt, also eine sprichwörtliche ‚verkehrte Welt‘ inszeniert“, erklärt der Wissenschaftler. „Und einer breiteren Öffentlichkeit ist dieser Gedanke eben vor allem im Zusammenhang mit dem Karneval vertraut.“ Wissenschaftler weisen den Verkehrungsritualen oder auch Verkehrungsfesten eine Schwellenposition im sozialen Prozess zu: Ihre Feier schafft einen Zwischenzustand, der die herrschende Ordnung befristet aufhebt. „Damit“, erklärt Fugger weiter, „entsteht eine Phase der Offenheit, an deren Ende der Umsturz oder aber auch die Rückkehr zur althergebrachten Ordnung stehen kann.“ Trotz der Popularität des Begriffs fehle es bislang allerdings an einer systematisch-vergleichenden Untersuchung der rituellen Phänomene, die mit dieser Kategorie erfasst werden sollen. Und genau darauf zielt nun Fuggers Forschung ab: das Thema systematisch einzuordnen und die „Verkehrungsrituale in Europa“ umfassend zu beschreiben und darzustellen.

Die Nachwuchsforschergruppe „Religiöse Rituale in historischer Perspektive“ im Schwerpunkt Religion an der Universität Erfurt besteht aus Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen aus dem Bereich der historisch ausgerichteten Kulturwissenschaften. Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Vielschichtigkeit rituellen Handelns empirisch zu erfassen und theoretisch zu bewältigen und strebt damit nach einer angemessenen Integration des religiösen Moments von Ritualen in Theoriebildung und Beschreibung. Die Nachwuchsgruppe richtet den Blick auf die Ritualität des Alten Europas (von der Antike bis um 1800) und bezieht dabei alle Religionen ein, die in diesem Zeitraum in Europa anzutreffen sind. Die Untersuchungsbasis ist innerhalb dieses Rahmens breit gesteckt. Sie beschränkt sich nicht auf gottesdienstliche Formen oder Festrituale, sondern bezieht auch politische oder Rechtsrituale ein und fragt nach ihrer religiösen Dimension.

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