Université d'Erfurt

Willkommen, welcome, welkom: Gerard Rouwhorst ist neuer Fellow am Max-Weber-Kolleg

Gerard Rouwhorst

Jüdische und christliche Rituale sind seit jeher eng miteinander verflochten und genau diese Verflechtungen sind es, die den Theologen Gerard Rouwhorst besonders interessieren. Der Professor für Liturgische Studien an der Universität Tilburg untersucht die Wurzeln früher christlicher Rituale und die komplexen Beziehungen und Interaktionen zwischen jüdischen und christlichen Riten. Dabei verortet er diese in ihren historischen Kontext und erforscht so ihre theologischen als auch anthropologischen Dimensionen, ihre sozialen Funktionen und ihre Einbettung in die sozialen Strukturen von Gemeinschaften und Gesellschaften. Seit dieser Woche ist der niederländische Theologe Fellow am Research Centre „Dynamik ritueller Praktiken im Judentum in pluralistischen Kontexten von der Antike bis zur Gegenwart“ des Max-Weber-Kollegs der Uni Erfurt. Eine Kurzvorstellung:

Prof. Rouwhorst, einmal ganz einfach gesagt: Wie würden Sie einem Kind Ihr jetziges Forschungsprojekt erklären?
Ich gehe der Frage auf den Grund, warum Menschen, die verschiedenen Religionen und Kulturen angehören, bei speziellen Gelegenheiten Bräuche und Feste feiern. Warum halten manche von ihnen diese Rituale und Feste für so wichtig und warum geben sie so oft Anlass zu Diskussionen und Konflikten? Und warum gilt dies insbesondere auch für Juden und Christen?

Gibt es eine Station in Ihrem Leben, die Sie am besten auf die Forschung in diesem Projekt vorbereitet hat?
Das war vor allem mein Theologie-Studium. Das weckte in mir ein besonderes Interesse am Judentum und an dem komplexen Verhältnis zwischen Juden und Christen. Zugleich entdeckte ich, dass Rituale hier eine Schlüsselrolle gespielt haben und spielen.

Welches jüdische Ritual fasziniert Sie am meisten?
Ein jüdisches Ritual, das mich besonders fasziniert, ist die jüdische Mahlzeit, insbesondere wie sie am Schabbat und an Festen wie dem Pessach gehalten wird. Es geht hier weder um eine hochsakralisierte Mahlzeit – wie die christliche Eucharistiefeier – noch um ein profanes Mahl, das der Sättigung dient und daneben manchmal auch eine soziale Funktion hat. Es überwindet die Diskrepanz zwischen  der praktischen und sozialen Dimension einerseits und andererseits der religiösen wie wir ihr oft im Christentum begegnen. Zudem erfahre ich die jüdischen Trauerrituale als besonders beeindruckend und zugleich auch lehrreich, da sie vor allem auf die Situation der Hinterbliebenen abgestimmt sind.

Kurz und knackig: Ihr Forscheralltag in drei Worten?
Disziplin, Stress, Entdeckerfreude.

Mal in die Zukunft gesponnen: Welche Fragestellungen könnten die Ritualforschung in zehn Jahren beschäftigen?
Zwei Fragen: Was werden die Deutschen, die Niederländer und andere Nationen feiern? Und wer wird mit wem feiern und Rituale begehen? Außerdem: Was werden rituelle Gemeinschaften voneinander lernen?

Vom Angelurlaub bis zur Zahnseide: Was ist Ihr persönlich „heiligstes“ Ritual?

Jeden Morgen vor der Arbeit mache ich einen meditativen Spaziergang.

VIP: Welche/r jüdische Wissenschaftlerin/Gelehrte oder Künstler/in hat Sie im Leben geprägt und warum?
Lange Zeit war das der Religionswissenschaftler David Flusser, weil er vor allem Christen auf die jüdischen Wurzeln des Christentums hingewiesen hat. Heute ist es unter anderem Guy Stroumsa. Er hat das komplexe Verhältnis von Judentum und Christentum im Kontext der Antike mit besonderer Gelehrsamkeit und beeindruckender Kenntnis beider Traditionen auf offene Weise zu rekonstruieren versucht.

Ein abschließendes Wort: Ohne Rituale wäre die Welt…

… möglicherweise etwas friedlicher, aber sicher auch trauriger und oberflächlicher.

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