Université d'Erfurt

20 Jahre Kommunikationswissenschaft in Erfurt

Deutsch-Indonesische Hochschulkooperation: Mediensysteme und Kommunikationskulturen in Indonesien: Strukturen, Dynamiken und Akteure der öffentlichen und privaten Kommunikation in Transformationsprozessen

Ein Kooperationsprojekt zwischen den kommunikationswissenschaftlichen Fachbereichen der
Universität Erfurt und der State University of Padjadjaran UNPAD Bandung

gefördert durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD 
im Programm "Hochschuldialog mit der Islamischen Welt"

Projektbeschreibung: International vergleichende Kommunikationsforschung im westlich-islamischen Vergleich

Die Bandung-Erfurt Connection: Dialog mit der islamischen Welt

Das dreijährige Kooperationsprojekt in Lehre und Forschung zwischen der Universität Erfurt und der State University of Padjadjaran (UNPAD) in Bandung, Indonesien, wurde im Rahmen des DAAD-Programms "Hochschuldialog mit der islamischen Welt" gefördert. Es hat Studierenden der Fachbereiche Kommunikationswissenschaft die Gelegenheit geboten, durch konkrete Forschungsprojekte und innovative Lehrmodelle die Rolle indonesischer und deutscher Medien, politischer Kommunikationsprozesse und -kulturen international vergleichend zu analysieren. Zu diesem Zweck wurden zwei bilaterale Studienexkursionen (Indonesien 2015, Deutschland 2016) durchgeführt sowie eine sich daran anschließende nachhaltige Hochschulpartnerschaft etabliert, die den Austausch und die Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern fördern soll. Im dritten Jahr (2017) wurde eine internationale Fachtagung in Bandung abgehalten.

Deutschland und Indonesien – ein verwegener Vergleich?

Indonesien ist die Nation mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit und befindet sich in einem Zustand anhaltender gesellschaftlicher Transformationen. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht sind jene jüngsten politischen Entwicklungen in Richtung eines demokratisch zunehmend konsolidierten Systems interessant. Der Vergleich zu Deutschland erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich und asymmetrisch. Die Länder gehören unterschiedlichen Religions- und Kulturräumen an, Medien- und Gesellschaftsentwicklung sind weder verwoben noch auf den ersten Blick ähnlich. Doch zeigt sich bei einem näheren Blick, dass sich durchaus auch strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Indonesien finden lassen:

  • Politisch gilt Deutschland als ältere und stabilere Demokratie, Indonesien hingegen ist eine junge und nur zum Teil konsolidierte Demokratie. Wesentliche Aspekte der Herausbildung des Rechtsstaats, der Gewaltenteilung und der Meinungsfreiheit sind noch nicht so gefestigt wie in Deutschland. Zugleich Deutschland in einem Prozess der Neuordnung. Die liberale Demokratie wird zum Beispiel durch den Rechtspopulismus herausgefordert.
  • Wirtschaftlich ist Indonesien Mitglied der G 20-Gruppe und zählt zu einer der am schnellsten wachsenden Ökonomien weltweit. Dennoch bestehen im Unterschied zu Deutschland häufig noch frühkapitalistische Verhältnisse und ein tiefer Graben zwischen Reichtum und Armut. Dennoch ist es schwer, die indonesische Ökonomie einzuordnen, da sie in manchen Bereichen geradezu moderner erscheint als Deutschland (Mega Cities, Indonesien als „Facebook-Land“).
  • Kulturell zeigen sich trotz scheinbarer Unterschiede ganz erstaunliche Parallelen. Beide Gesellschaften weisen zum Beispiel eine markante Genozid-Geschichte in jüngerer Vergangenheit auf, wobei in Indonesien erst langsam ein Prozess der öffentlichen Diskussion einsetzt. In beiden Ländern sind ethnisch religiöse Abgrenzungen und neo-rassistische Haltungen weit verbreitet. Indonesien hat allerdings aufgrund seiner Geschichte und der multiethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung strenge Regeln eingerichtet (Pancasila), die ein harmonisches Miteinander gewährleisten sollen.

Die Rolle der Medien in Transformationsprozessen

Letztlich stellt sich also die Frage, ob Transformationsprozesse in beiden Ländern wirklich so unterschiedlich verlaufen, wie man zunächst annehmen könnte. In den einzelnen Projekten der Kooperation wurde der Vergleich offen gestaltet und es wurden sowohl Unterschiede als auch Ähnlichkeiten herausgearbeitet.

Der Fokus der Kooperation lag bei der Frage der Medienentwicklung ein. Welche Rolle spielen Medien im gesamten Prozess der politischen, ökonomischen und kulturellen Transformation? Die klassische Frage der Transformationsforschung lautet hier, ob die Medien Transformationsprozesse stimulieren oder vielmehr von ihnen abhängig sind. Im „arabischen Frühling“ zeigten sich ganz erhebliche Umbrüche, die maßgeblich auch durch veränderte Kommunikationsbedingungen eingeleitet wurden. Auch Indonesien hat bereits solche Erfahrungen gemacht – etwa 1998, als beim Sturz des Regimes von Suharto das Internet bereits eine bedeutsame Rolle spielte.

Medien erzeugen also neue „opportunity structures“ (Tilly & Tarrow). Allerdings wurde diese Theorie oftmals falsch gelesen: strukturelle Möglichkeiten ergeben sich nicht allein aus der Mobilisierung der Zivilgesellschaft, sondern erforderlich sind strategische Bündnisse mit herrschenden Eliten. Die kommunikative Macht der Medien in Transformationsprozessen muss also neu reflektiert werden.

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Teilprojekte im Rahmen der Kooperation

  1. Studienexkursion nach Indonesien (Wintersemester 2015/16)
  2. Fall School in Erfurt und Berlin (Wintersemester 2016/17)
  3. Internationale wissenschaftliche Tagung in Bandung (WS 2017/18)
  4. Langfristige Hochschulkooperation zwischen der Universität Erfurt und der UNPAD (seit 2017)

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