Université d'Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Anja Schöbel

von Oktober 2012 bis Dezember 2016 ehemalige Gastkollegiatin am Max-Weber-Kolleg

Vita

Geboren 1987 in Rodewisch

2006-2011 Studium der Neueren Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

2010 Praktikum am Deutschen Historischen Institut in London

Thema der Magisterarbeit: "Mediale Inszenierung im Herrscherporträt. Viktorianisches England und Deutsches Kaiserreich in vergleichender Perspektive"

2012 Arbeit als Ausstellungsführerin für die Kunstsammlung Jena, die Klassik Stiftung Weimar und das Stadtmuseum Weimar

Seit 10/2012 Kollegiatin am Max-Weber-Kolleg

Thema der Dissertation: "Monarchie und Öffentlichkeit im 19. Jahrhundert. Zur medialen Inszenierung der deutschen Bundesfürsten 1850-1918"

Betreuer: Prof. Dr.  Gunther Mai (Universität Erfurt) und Prof. Dr. Thomas Kroll (Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Forschungsprojekt

Monarchie und Öffentlichkeit im 19. Jahrhundert. Zur medialen Inszenierung deutscher Bundesfürsten von 1850-1918

Dass für heutige Politiker eine prägnante Inszenierung ihrer Person, ihrer Standpunkte und Ideen elementarer Bestandteil ihrer Popularität ist und von den Medien geradezu gefordert wird, ist kein Geheimnis mehr. Wie aber verhielt es sich mit diesem Wissen zu einer Zeit, in der die Medien erst am Beginn ihrer Entwicklung standen, die zu ihrer ständigen Präsenz führen sollte? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich die mediale Inszenierung der deutschen Bundesfürsten zur Zeit der Medienrevolution des 19. Jahrhunderts untersuchen, als es bedingt durch die Telegrafie zu einer Überwindung des Raumes und einem dadurch begünstigten rasanten Anstieg der Presse sowie zur Erfindung der Fotografie kam.

Es fällt auf, dass gerade den deutschen Bundesfürsten unterstellt wird, die Umstellung ihrer Regierungspraxis von bloßer Machtausübung zu Gunsten einer glanzvollen, symbolstiftenden Repräsentation verpasst oder verweigert zu haben, ohne dass dieser Sachverhalt je genauer untersucht oder belegt wurde. Ich möchte daher die Repräsentation der Bundesfürsten von Sachsen, Bayern, Baden, Hessen-Darmstadt und Sachsen-Coburg-Gotha in drei Bereichen genauer untersuchen. Dabei steht erstens die öffentlichkeitswirksame Inszenierung wichtiger monarchischer Ereignisse wie Krönungen, Geburten, Hochzeiten, Bestattungen und Jubiläen sowie die Einbindung der Bevölkerung im Mittelpunkt. Zweitens wird nach der Sichtbarkeit des Herrschers vor Ort gefragt, d.h. inwieweit dieser durch öffentliche Engagements oder Reisen im eigenen Herrschaftsgebiet präsent war und den Kontakt zu seinen Landeskindern herstellte. Drittens ist geplant, die stellvertretende Darstellung in klassischen Herrschergemälden, Fotografien, Postkarten und Denkmälern zu beleuchten.

Da allerdings allein die Untersuchung dieser Strategien für eine Bewertung der Wirkmächtigkeit der fürstlichen Repräsentation nicht ausreicht, sollen in einem zweiten Schritt an Hand von Rezeptionszeugnissen wie Pressesachen, Briefen und Memoiren gefragt werden, ob die fürstlichen Intentionen von den Rezipienten auch verstanden wurden bzw. wie diese wahrgenommen wurde. Dies beinhaltet zudem auch ein Erörtern der Frage nach dem Zusammenhang zwischen monarchischer Repräsentation und Legitimität.

Neben der Erforschung individueller Inszenierungsstrategien und deren Vergleich soll ebenfalls überprüft werden, inwieweit sich die Repräsentation der Bundesfürsten bedingt durch die verschiedenen politischen Systeme veränderte. Aus diesem Grund setzt der Untersuchungszeitraum 1850 ein, als die Monarchen noch vollkommen souveräne Herrscher waren. So kann überprüft werden, wie sich diese Repräsentation im Vergleich zu der eines Bundesfürsten des Kaiserreichs verhielt und welche Änderungen eintraten.

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