Université d'Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Anna Piazza

von Januar 2013 bis Oktober 2016 Gastkollegiatin am Max-Weber-Kolleg

Forschungsprojekt

Max Schelers Phänomenologie der Religion und ihre Bedeutung innerhalb seines Gesamtwerkes, mit besonderer Berücksichtigung seines Werkes des Übergangs „Vom Ewigen im Menschen“

In meinem Forschungsprojekt möchte ich den Fokus auf Max Schelers religionsphilosophische Werke legen, und zwar auf diejenigen, die er in seiner sogenannten „zweiten Phase“ verfasst hat (circa 1910-21). Mein Interesse entsteht aus der Vermutung, dass Schelers Religionsphilosophie selbst Ausdruck einer Entwicklung ist, die ich verfolgen und rekonstruieren will.

Ausgangspunkt meiner Arbeit soll Max Schelers religionsphilosophisches Hauptwerk „Vom Ewigen im Menschen“ (Bd. 5 der GW) sein, eine Sammlung, die Scheler als Vorarbeit für größere systematisch zusammenhängende Werke konzipiert hat und die meiner Meinung nach als Übergangswerk zu Schelers   späterer metaphysischer panentheistischer Anschauung gilt.

Meine Arbeit zielt darauf ab, die Entwicklung von Schelers Metaphysik aus einer zeitlichen und einer theoretischen Perspektive zu rekonstruieren. „Vom Ewigen im Menschen“ ist nicht als einheitliche Arbeit entstanden. Die heutige Version ist das Ergebnis des Versuchs, erst von Scheler selbst und später von der Herausgeberin Maria Scheler, dem Werk eine sinnvolle und komplette Gestalt zu verleihen. Dies macht es allerdings sehr schwer, einen klaren Einblick in die innere Veränderung von Schelers Denken zu erlangen.

Wie die Herausgeberin der Werke behauptet, ist „der Versuch einer Lösung des Theodizeeproblems auf dem Boden der personalistischen, spiritualistischen christlichen Religion, in dessen Konsequenz sich der
Verfasser zu dem Entwurf des tragischen universalen Weltbild – als des Bildes einer Welt ohne Erlösung –
gedrängt sah, wie er es in dem letztgenannten Kapitel umrissen hat, einer der Ansatzpunkte gewesen für die Wandlung in den religiösen bzw. metaphysischen Anschauungen Max Schelers, die sich in den Jahren nach 1920 stetig in ihn vollzogen hat.“ (Vom Ewigen im Menschen, GW5, „Nachwort der Herausgeberin“, S. 456.)

Einerseits bezeichnet Scheler selbst seinen Weg über den christlichen Theismus in seiner katholischen Form als einen echten Entwicklungsgang und notwendigen Durchgang zu den metaphysischen Anschauungen seiner letzten Jahre. Andererseits wurde von vielen der Wandel seines Denkens persönlichen und biographischen Problemen zugeschrieben oder weltanschaulicher  Voreingenommenheit.

Was in meiner Arbeit bestimmt werden muss, sind die Knotenpunkte und die Schwachstellen in Schelers
metaphysischem Aufbau, die ihn später zu einer solch panentheistischen Position geführt haben.
Was hier entscheidend gewesen ist und immer als roter Faden für Schelers Denken gilt, worauf Nikolai
Hartmann hingewiesen hat, ist das ontologische Problem, d. h. das Realitätsproblem.

Das „Scheitern“ der Lösung des Realitätsproblems, welches ihn am Ende der sogenannten „zweiten Phase“zu einem Dualismus zwischen Drang und Geist bringt, fordert auf, die Voraussetzungen zu untersuchen, aus denen sich die Grundsituation Schelers ergibt und aus denen die Wege des phänomenologischen Realismus und personalistischen Theismus eingeschlagen werden. Ausgehend von der Hypothese, dass in Schelers Denken immer eine Spannung zwischen zwei Tendenzen verdeckt bleibt, welche auf unterschiedlichen Stufen verschiedene Formen annehmen (Leben – Geist, Phänomenologie – Metaphysik, Existenzerkenntnis – Wesenserkenntnis), beabsichtige ich mit meiner Arbeit, Schelers kontinuierlichen Versuch, die beiden Polen zu versöhnen, in einer Systematisierung seiner Metaphysik darzulegen.

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