Université d'Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

PD Dr. Benjamin Steiner

Junior Fellow am Max-Weber-Kolleg
von Oktober 2014 bis Oktober 2016

benjamin.steiner@uni-erfurt.de

Forschungsprojekt

Engineering Empire. Großprojekte, globale materielle Kulturen und lokale Identitäten im französischen Kolonialraum (1608–1804)

Dieses Projekt liefert einen Beitrag zum Verständnis der Interaktion globaler und lokaler Identitäten hinsichtlich des Einflusses materieller Kulturen in der Geschichte europäischer Expansion in der Frühen Neuzeit. Die Forschung der letzten Jahre, die sich den frühneuzeitlichen Kolonialreichen und deren materiellen Kulturen gewidmet hat, zeigt sehr vielversprechende Ansätze und neue Wege zu einer globalen Historiographie ohne eine intrinsisch eurozentrische Methodologie auf. Eine Kombination der beiden Felder europäischer Expansionsgeschichte und materieller Kulturforschung steht jedoch noch aus. Doch bietet sich ein solcher Ansatz an, um Alternativen zum prinzipiell westlichen Fokus und Lösungen zum Problem der asymmetrischen Verbreitung von schriftlichen Quellen in der Globalgeschichte zu finden.

Kurz: Es mangelt Forschern der frühneuzeitlichen Globalgeschichte an schriftlichen Quellen, um eine wirklich geteilte Historiographie zu ermöglichen. Deshalb ist es notwendig, auch auf materielle Quellen nicht-europäischer Kulturen zuzugreifen. Das Forschungsprojekt konzentriert sich auf große materielle Dinge, die sowohl von kolonialen als auch indigenen Akteuren geschaffen wurden. Das ist das Thema einer umfassenden Studie über die Frage, wie materielle Kulturen von Imperien entstanden sind und wie sie den globalen Austausch und lokale Interaktion bis zum heutigen Tag geprägt haben. Ich beabsichtige, insbesondere das französische Kolonialreich zu untersuchen, da sich hierzu Quellen zur imperialen Baugeschichte leicht zugänglich im Nationalarchiv befinden. Zusammen mit archäologischem Material dokumentieren diese Quellen die Aktivität der kolonialen und indigenen Akteure bei der Konstruktion von großen Dingen wie etwa Festungen, Stadtmauern, Häfen, hydraulischer und konventioneller Infrastruktur. Weitere vergleichende Forschungen zu anderen europäischen imperialen Bauprojekten bieten darüber hinaus Möglichkeiten, die Untersuchung auszuweiten.

Von diesen Studien zu imperialen und kolonialen materiellen Kulturen ausgehend fokussiert das Projekt
schließlich auf die sich verschiebenden Vorstellungen von religiöser Individualisierung. Die Konstruktion von
großen zeremoniellen Gebäuden, z.B. Kirchen oder Tempeln, führte zur De-Individualisierung von indigener religiöser Pluralität sowie zur Herausbildung neuer Räume für religiöse Praktiken und daher neuer globaler Identitäten. Ich erhoffe mir von einem solchen Ansatz nicht nur einen Beitrag zur Lösung drängender Probleme moderner globaler Geschichtsschreibung, sondern auch das öffentliche Bewusstsein über das Problem historischer verwurzelter (und entwurzelter) Identitäten in einem üblicherweise als in dieser Hinsicht prekär erscheinenden globalisierten Zeitalter zu wecken.

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