Université d'Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Forschungsaufenthalt von Prof. Colliot-Thélène am MWK: Dezember 2012 - Juli 2013

Nach der Veröffentlichung eines Buches (Demokratie ohne Volk, Hamburger Edition 2011), das den Begriff der modernen Demokratie unter dem Gesichtspunkt seiner Beziehung zu den subjektiven Rechten analysiert, versuche ich die selbe Problemkonstellation anhand einer Refle-xion über die Vieldeutigkeit der „Macht“ zu untersuchen. Ich gehe von der Annahme aus, dass Macht für jede Form der Politik, also auch für eine demokratische Politik, konstitutiv ist. Die deutschsprachige Literatur über den Begriff Macht und die mit ihm verwandten Konzepte Autorität und Herrschaft ist viel reicher als die französische Literatur über dieses Thema. Die Gelegenheit, die mir die Einladung an das Max-Weber-Kolleg gegeben hat, während acht Monaten in einer deutschen Universitätsbibliothek arbeiten zu können, hat sich für mein Forschungsvorhaben als sehr förderlich erwiesen. Die anregenden Diskussionen mit den Fellows und Doktoranden des Max-Weber-Kollegs waren auch sehr hilfreich. Zwei Monate vor meiner offiziellen Ankunft im Max-Weber-Kolleg habe ich dort schon an dem interdisziplinären Workshop „Kampf um Übersetzung? Die lokale Politisierung globale Geltung beanspruchender Normen“ (25.-26.10.12) teilgenommen. Ich habe dort über „Das Recht, Rechte zu haben: Eine Lösung für das Problem der Kulturbezogenheit der Menschenrechte“ vorgetragen. Mitte Dezember habe ich die Thesen meines schon veröffentlichten Buches im Rahmen des regulären Kolloquiums des Max-Weber-Kollegs diskutiert und konnte später auch von den Diskussionen über die Forschungsarbeiten von Andreas Pettenkofer, Antje Linkenbach-Fuchs und Gunnar Folke Schuppert profitieren. Da ich seit Langem mit dem Werk von Max Weber beschäftigt bin, konnte ich mich darüber auch mit den Kollegen austauschen, die seine Religionssoziologie aus verschiedenen Perspektiven untersuchen. Zudem habe ich an einem Promotionsverfahren (Kristin Reichel, 11.07.13) teilgenommen. Das war für mich eine sozusagen ethnologische Erfahrung, da sie mir die Gelegenheit gab, die Unterschiede zwischen den deutschen und den französischen akademischen Sitten aus nächster Nähe als teilnehmende Beobachterin festzustellen.

Die Erfurter Zeit hat mir erlaubt, verschiedene Vorträge gründlich vorzubereiten. Am 13.02.12 habe ich einen Vortrag über „La démocratie à l’épreuve de la globalisation“ („Demokratie auf dem Prüfstand der Globalisierung“) im Seminar von Pierre Rosanvallon (Collège de France, Paris) gehalten. Im Mai (29.-31.05.13) war ich bei einer Tagung der Villa Vigoni, organisiert von Andreas Anter, Furio Ferraresi und Hinnerk Bruhns, über „Max Weber, die Stadt und der Staat“. Diese Veranstaltung stand im Zusammenhang mit der laufenden Arbeit an einer französischen Übersetzung der Werke Webers, in denen das Problem der „Herrschaft“ thematisiert wird. Ich bin an dieser kollektiven Arbeit beteiligt (Übersetzung, mit meiner Kollegin Elisabeth Kauffmann, des Bandes I/22 der MWG, Gemeinschaften). Außerdem habe ich Mitte Juni zwei Vorträge an der Universität Paris Ouest gehalten, den ersten (10.06.13) über „Les pouvoirs impersonnels“ („Die unpersönlichen Mächte“) im Seminar des Forschungszentrums Sophiapol, den zweiten (13.06.13) über „Democratie, communauté et individualisme“ („Demokratie, Gemeinschaft und Individualismus“) in einer von den Juristen dieser Universität organisierten internationalen Konferenz über die Demokratie. Im Januar hatte ich zwei Aufsätze abgeliefert: „La théorie de la domination de Max Weber. Éléments d’analyse“ („Max Webers Herrschaftstheorie. Elemente einer Analyse“, erscheint in Kürze in der Reihe „Dialogiques“ des CIERA) und „Kelsen reading Weber. Is a Sociological Concept of the State Possible?“ (für Langford, P., Bryan, I. & McGarry, J., eds., 2014, forthcoming, „The Foundation of Juridico-Political. Concept Formation in Kelsen and Weber“, Routledge). Anfang Juli habe ich die schriftlichen Fassungen der Vorträge im Collège de France und an der Internationalen Konferenz in Nanterre für die Veröffentlichung fertiggestellt. Ich bin zuversichtlich, anhand der reichen Literatur, die ich während dieser ergiebigen Monate in Erfurt gesammelt und zum Teil bearbeitet habe, mein Forschungsprojekt über Macht und Demokratie im Zeitalter der Globalisierung bald in Form eines Buches vorstellen zu können.

Prof. Dr. Catherine Colliot-Thélène

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