Université d'Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Christian Karst

ehemaliger Gastkollegiat am Max-Weber-Kolleg

Forschungsprojekt

Brunnen in der römischen Kaiserzeit als religiös markierte Orte

Brunnen galten in der griechisch-römischen Antike als Stätten, die auf vielfältige Art und Weise mit dem Wirken göttlicher Mächte in Verbindung gebracht wurden und dienten häufig als Kontaktstellen zwischen Ober- und Unterwelt. Dennoch fanden sie in der bisherigen Forschung nur wenig Berücksichtigung, obwohl eine enorme Materialfülle vorliegt. Lediglich Brunnen in ausgewählten, begrenzten Regionen oder Städten wurden intensiv erforscht. Fast völlig unberücksichtigt blieb bei diesen Untersuchungen allerdings der religiöse Kontext, da das Hauptaugenmerk nahezu ausschließlich der alltäglichen Versorgung mit Trinkwasser für den profanen Gebrauch galt oder aber der Beschaffenheit von Brunnen in architektonischer und kunsthistorischer Perspektive. Da jedoch auch in der Archäologie nicht immer eindeutig nachweisbar ist, ob ein gefundener Schacht Wasser führte und als Brunnen zu deuten ist oder ob dieser einem anderen Zweck diente, soll der Schwerpunkt dieses Dissertationsprojektes der Fragestellung gelten, inwieweit sich Brunnen und Schächte während der römischen Kaiserzeit als Orte für eine persönliche Frömmigkeit und individuelle Religiosität eigneten und welche religiöse Praktiken sowie Vorstellungen mit diesen verbunden waren, ohne hierbei das Element Wasser als zentralen Aspekt zu betrachten. Neben den literarischen und epigraphischen Quellen werden gezielt auch ausgewählte Funde aus den westlichen Provinzen des Imperium Romanum untersucht, vor allem Kleinfunde wie Terrakotten oder Fluchtafeln, die nachweislich aus Brunnen oder Schächten stammen. Dabei sollen nicht nur die Quantität und Qualität dieser Funde berücksichtigt werden, sondern auch die genauen Fundumstände und Fundzusammenhänge, um Erkenntnisse über die vollzogenen religiösen Handlungen zu gewinnen.

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