Université d'Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Helena Fischer

Von April 2010 bis September 2011 zunächst als Gastkollegiatin, von Oktober 2011 bis Dezember 2013 als Kollegiatin mit einem Stipendium der DFG im Rahmen des Graduiertenkollegs 846 (Göttingen/Erfurt) am Kolleg.

Dissertationsprojekt: "Anthropologische Reflexionen in Dämonologien der hohen römischen Kaiserzeit. Justin – Apuleius – Censorinus (150-238 nach Christus)"

Forschungsprojekt

Anthropologische Reflexionen in Dämonenvorstellungen der hohen römischen Kaiserzeit. Hermas – Justin der Märtyrer – Chaldäische Orakel – Apuleius – Tertullian – Censorinus

Im Umfeld von Polytheismus und Monotheismus und im Kontext religiöser Systembildung hat der zwischen „Geist“ und „Satan“ changierende Begriff „Dämon“ einen Sinnwandel erfahren. Er ist ein Teil spezifischer Konstrukte und Funktionen von Menschenbildern im Spannungsverhältnis zwischen Gott und der Welt.

Mein Interesse gilt der Untersuchung antiker Diskurse zu Dämonenvorstellungen im Hinblick auf ihren ethisch-anthropologischen Gehalt. Ich erhoffe mir hierdurch eingehende Erkenntnisse über den komplexen Zusammenhang von Gottes- und Weltbildern hinsichtlich der zu untersuchenden religiösen bzw. kulturellen Kommunikationsräume. Das Hauptaugenmerk richtet sich jedoch auf die den Dämonenvorstellungen zugrunde liegenden Annahmen zum Menschen, seiner Position in der Welt, seinen negativen und positiven Qualitäten sowie der Auseinandersetzung mit der Frage nach der eigenen (Un-)Endlichkeit.

Unter dem Zwang seine Wahrnehmungen und Erlebnisse zu klassifizieren, sie zu deuten und sie so im Hinblick auf ein sinnvolles Ganzes zu synthetisieren und hierarchisieren, ist dem Menschen das Bedürfnis nach Sinn als Handlungsmotivation eine universalkulturelle Eigenheit. Der Dämonendiskurs soll nicht als spezifische Vorstellung antiker Gesellschaften betrachtet werden, sondern als Teil von Weltdeutungen mit Blick auf weitere Sinnzusammenhänge.

In Anbetracht der Fülle an unterschiedlichsten,zum Teil einander überlagernden Dämonenkonzepten ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen nicht einfach. In dem sich ergebenden breiten und wandelbaren Spektrum an Interpretationen spiegeln sich die spezifischen Probleme, gedanklichen Reflektionen und generellen Veränderungen der Zeit in besonderem Maße wider. Bei dem Dämonenkonzept handelt es sich um eine äußerst geeignete Kategorie, um philosophisch, theologisch, soziologisch und politisch über die Beziehung der menschlichen und der transzendenten Welt zueinander unter Einschluss von Sinnfragen zu reflektieren. Folglich gilt es, die den Dämonenkonzepten zugrunde liegenden Annahmen bzw. Auslassungen und die möglichen Motive hierfür aufzudecken. Ebenso sollte der Perzeption bzw. Funktion der jeweiligen Konzepte in antiken Kommunikationsräumen und ihren Auswirkungen auf das Denken und Handeln nachgespürt werden. So erleichtert beispielsweise eine dualistische Teilung in eine gute, göttliche Welt und eine böse, dämonische Gegenwelt die Theodizee, während sie gleichzeitig einem konfrontativ-dualen Umgang mit anderen Göttern den Vorzug vor einem harmonischen Synkretismus geben muss. Zugleich zeigt sich, dass der Dämonnals Schnittpunkt der menschlichen und der göttlichen Welt eine große Aussagekraft für das Verhältnis von Gottes- und Menschenbildern hat und bei einer anthropologischen Deutung der allgemeinen Werte, Lebensweise und des sozialen Umgangs von Bedeutung ist.

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