Université d'Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Marc Holland-Cunz

ehemaliger Gastkollegiat am Max-Weber-Kolleg, Promotion November 2015

Vita

  • seit November 2015 Doktorand am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt
  • 2013-2015wiss. Mitarbeiter am Institut für angewandte Forschung der Hochschule Esslingen, Projekt "Schulsozialarbeit als Antidiskriminierungsinstrument (SalsA)"
  • 2012-2013wiss. Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Projekt "Entscheidungsträger in Deutschland", und Lehrbeauftragter am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2009-2012 Studium M.A. Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und der New School for Social Research, New York (Masterarbeit: "Die internationale Organisation des 'Problems' Migration. Die IOM in der Weltgesellschaft"
  • 2006-2009 Studium B.A. Sozialwissenschaften (Nebenfach VWL) an der Humboldt-Universität zu Berlin (Bachelorarbeit: "Risikoverarbeitung im Wandel des Finanzsystems")
  • 2004-2006 Zivil- und Freiwilligendienste in Estland und Mexiko

Forschungsprojekt

Eine soziologische Untersuchung der Antidiskriminierungsberatung

Lokale Anti­diskriminierungs­büros beraten und begleiten die von Diskriminierung Betroffenen in Klärungsprozessen, formulieren Beschwerden, vermitteln Rechtsbeistand oder untermauern Diskriminierungs­vermutungen etwa durch sogenannte Testings. Die vermutlich umstrittenen objektiven wie normativen Bezüge, mit denen Diskriminierungs­fälle hier verhandelt und "hergestellt" werden, sollen in meinem Promotionsvorhaben untersucht werden: Was wird überhaupt als (rassistische) Diskriminierung verstanden und wie als Fall etabliert? Unter welchen Bedingungen sind Beschwerden "erfolgreich" und welche Muster der Auseinandersetzung gibt es im Spannungsverhältnis zwischen dem individualisierten Auftrag durch die Ratsuchenden und einem gesellschaftspolitischen Anspruch? Welche Rolle spielen dabei wissenschaftliches Wissen und wissenschaftliche Konzepte? Unterhalb der Ebene kollektiver Mobilisierungsformen möchte ich also vom (normalen) Einzelfall ausgehen und untersuchen, wie dieser im spezifischen institutionellen Setting der lokalen Antidiskriminierungsstellen und der Beratungspraxis als Keim von Diskriminierungskritik, Politisierung und institutioneller Veränderung bearbeitet wird. Dabei konzentriere ich mich zur Eingrenzung des Gegenstandsbereichs auf rassistische Diskriminierung, also auf eine Benachteiligung auf Grundlage phänotypischer und sprachlicher Merkmale bzw. biologischer oder ethnisch-kultureller Zuschreibungen.

Theoretisch werde ich mich der Fragestellung zunächst mit dem Instrumentarium der pragmatischen Soziologie der Kritik nähern, das um Luc Boltanski (Boltanski/Thévenot 2007, Boltanksi/Chiapello 2003) entwickelt wurde. Es erlaubt, die normativen und objektiven Bezugnahmen, die Formen der Kompromissfindung wie auch die Konstitution relevanter Subjekte und Objekte in Situationen der Beratung und des gerechtigkeitsorientierten Konflikts um Diskriminierung theoretisch zu fassen und so vermutlich auch die Spezifika der Praxis von Diskriminierungskritik in den Antidiskriminierungsstellen herauszuarbeiten. In Verknüpfung mit Angeboten der Rassismustheorie oder des Intersektionalitätsansatzes soll die Arbeit so auch theoretische Impulse für die kritische Diskriminierungsforschung und die Frage nach den Möglichkeiten professionalisierter und Alltagskritik des Rassismus liefern.

Als empirische Basis des Vorhabens möchte ich Daten primär aus jenen Stellen erheben, die "unabhängige" Beratung anbieten und rassistische Diskriminierung bearbeiten. Dabei sind mehrere Schritte für die Rekonstruktion von Erfolgs- und Diskriminierungskonzepten sowie von Rechtfertigungs- und Konfliktmustern vorgesehen: 1) Die Auswertung veröffentlichter Dokumente der Beratungsstellen (Fallbeschreibungen, Jahresberichte, Konzeptpapiere). 2) Die Durchführung von problemzentrierten Interviews mit Beratenden und Ratsuchenden. 3) Die Erhebung von Beschwerdekorrespondenz der ausgewählten Stellen. Die Analyse aller drei Datengrundlagen soll inhaltsanalytisch sowie durch rekonstruktive, sequenzanalytische Verfahren erfolgen.

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