Université d'Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Susanne Herrmann-Sinai

ehemalige Gastkollegiatin am Max-Weber-Kolleg

Vita

Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Logik und Wissenschaftstheorie an der Universität Leipzig

Magisterarbeit zum Thema "Musik und Zeit bei Kant"

seit April 2006 als Kollegiatin mit einem Stipendium der Universität Erfurt im Rahmen des Hochschul- und Wissenschaftsprogramms, seit Juni2006 mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes am Kolleg

seit August 2011 Visitor an der University of Oxford

Dissertationsthema: "Formenwandel und Entwicklung - oder was es heißt, einem Prinzip zu folgen. Eine Theorie moralischer Handlungspraxis in Auseinandersetzung mit Christine Korsgaard"

Betreuer: Prof. Dr. Andrea Kern (Leipzig) und Prof. Dr. Matthias Jung (Max-Weber-Kolleg)

Forschungsprojekt

Formenwandel und Entwicklung - oder was es heißt, dem Prinzip zu folgen. Eine Theorie moralischer Handlungspraxis in Auseinandersetzung mit Christine Korsgaard"


Das Dissertationsprojekt konzentriert sich vor allem auf die im englischen Sprachraum als Vertreterin des Neokantianismus bekannte, jedoch in Deutschland bisher zu wenig rezipierte Philosophin Christine M. Korsgaard. Ihre Arbeiten befassen sich größtenteils mit Kants praktischer Philosophie und verfolgen dabei das Ziel, Kant gegenüber gängigen Vorwürfen, wie sie etwa seitens der Tugendethik erhoben wurden, zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund vereint sie in ihren Locke Lectures (2002) Aristoteles' Analyse der Form vernünftigen Lebens und Kants deontologische Perspektive, die vornehmlich das moralische Urteil im Blick hat. Sie verbindet dabei auch die Lager der Tugendethiker und der Prinzipien- oder Pflichtethiker, die sich in englischen wie deutschen Debatten oft kontrovers gegenüberstehen.

Innerhalb des Projekts soll an dem genannten Ziel Korsgaards festgehalten werden, jedoch kritisch die Auseinandersetzung zwischen Kant und Aristoteles sowie zwischen Neokantianismus und moderner Tugendethik tiefer beleuchtet werden, als sie es selbst vorführt. Korsgaard hat zwar in ihren Schriften viel dazu beigetragen, stark vereinfachende Lesarten kantischer Ethik (als Deduktivismus oder Regelethik) zu kritisieren und eine alternative Interpretation aufzuzeigen. Ihre eigene Lesart weist jedoch ein Problem auf - dies ist zugleich Kants Problem -, das man eine ungenügende Antwort auf die Frage, was es heißt, einem Prinzip zu folgen, nennen könnte. Während die Befolgung von Regeln unter klaren Anwendungsbedingungen steht, scheinen Prinzipien ein höheres Maß an Urteilskraft darüber zu verlangen, was in einer Situation die angemesse Handlungsweise ist, wenn sie unter das Prinzip fallen soll. Außerdem kann sich offenbar die Auffassung darüber, was z. B. als dem Prinzip nach gerechte Handlung gilt, durch die Zeiten wandeln. Somit stellt es schon eine Verkürzung des Verständnisses moralischer Handlungspraxis dar, die in ihr vollzogenen Handlungen unter Regeln zu subsumieren, wie die Züge eines Schachspiels.

Die Begriffe "Regel" und "Prinzip" einerseits zu differenzieren und andererseits zu zeigen, wie sie nur aufeinander bezogen verstanden werden können, ist die Hauptaufgabe des Dissertationsprojekts. Für das Vorhaben wird es nötig sein, insbesondere auf Hegel in seiner Kantkritik einzugehen und diese Kritik in einem nächsten Schritt auf Korsgaard zu übertragen. Unter der systematischen Frage, was es heißt, einem Prinzip - im Gegensatz zu einer Regel - zu folgen, soll der reflektiert-gestaltende Umgang mit Formen des menschlichen Lebens innerhalb eines Entwicklungsprozesses artikuliert werden können. Erst dann - so die These weiter - lässt sich der kantische Autonomiegedanke, der nach Korsgaards Anspruch für ihre eigene Philosophie zentral bleiben soll, angemessen verstehen.

Publikationen

  • Mit-Herausgeberin "Metaphysik der Hoffnung: Ernst Bloch als Denker des Humanen" zusammen mit Henning Tegtmeyer, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2012;
  • "Einleitung" zusammen mit Henning Tegtmeyer, in: "Metaphysik der Hoffnung";
  • "Denken in Grenzen" zusammen mit Romy Köhler, in: "Dritte Generation Ostdeutschland", Berlin: Ch.Links Verlag 2012;
  • "639 Jahre lang zuhören," in: neue musikzeitung 9/2011 60. Jahrgang;
  • Art. "Prinzip". In: Enzyklopädie Philosophie 2. Auflage, hg. v. H.-J. Sandkühler, Hamburg: Felix Meiner Verlag 2010;
  • "Sounds Without The Mind". In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 6/2009;
  • "Musik und Zeit bei Kant". In: Kant-Studien 4/2009, S. 427--454;
  • "Natur oder Geschichte? Zum Status der Rede über Musik bei Hermann von Helmholtz". In: form follows function. Zwischen Musik, Form und Funktion (= Tagungsband des 18. internationalen studentischen Symposiums des DVSM), hg. v. T. Knipper u.a., Hamburg 2003

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