Université d'Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Torsten Lattki

Von April 2011 bis Dezember 2011 als Kollegiat mit einem Stipendium der Graduiertenschule "Religion in Modernisierungsprozessen", von Januar 2012 bis März 2014 mit einem Stipendium des Evangelischen Studienwerk e.V. Villigst am Max-Weber-Kolleg.

Vita

geb. am 27.03.1985 in Magdeburg

10/2004-07/2008 Bachelorstudium "Evangelische Theologie und Nichtchristliche Religionen" an der Freien Universität Berlin

Abschlussarbeit: "Das Pharisäerbild Walter Grundmanns als Paradigma antijüdischer Theologie"

10/2008-12/2010 „Ernst-Ludwig-Ehrlich-Masterstudiengang für Geschichte, Theorie und Praxis der Jüdisch-Christlichen Beziehungen“ an der Freien Universität Berlin

Abschlussarbeit: "Die Debatte um das ,Ethos der hebräischen Propheten‘ zwischen Troeltsch, Cohen und Kellermann 1916-1917. Ein Beitrag zum jüdisch-christlichen Disput"

Seit 4/2011 Kollegiat am Max-Weber-Kolleg in Erfurt
Dissertationsprojekt: "Benzion Kellermann. Das Prophetische Judentum als Vernunftreligion"

Betreuer: Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Deuser (Max-Weber-Kolleg Erfurt) und PD Dr. Thomas Meyer (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Publikationen

Torsten Lattki, Die Gedächtnisrede von Benzion Kellermann auf Hermann Cohen. Eine unbekannte Grabrede, gehalten am 7. April 1918 auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, in: ZRGG 65/1 (2013), S. 47-67.

Torsten Lattki, Rezension zu Arnhold, Oliver, "Entjudung" – Kirche im Abgrund. Die Thüringer Kirchenbewegung Deutsche Christen 1928-1939 und das "Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben" 1939-1945, in: Das Argument 299 (5/2012), S. 783f.

Torsten Lattki, Die Debatte um das „Ethos der hebräischen Propheten“. Ein gesellschaftspolitischer Streit um die Zugehörigkeit des deutschen Judentums im Ersten Weltkrieg, in: Judaica. Beiträge zum Verstehen des Judentums 67/3 (2011), S. 263-288.

Torsten Lattki, Anamnetische Kultur und Memoria passionis als Zentrum der „Politischen Theologie“ von J. B. Metz, in: dahlemit. theologisches magazin 9/2 (2011), S. 2-13.

Forschungsprojekt

Benzion Kellermann. Das prophetische Judentum als Vernunftreligion

In meiner Dissertation möchte ich eine Werkbiografie des zu Unrecht vergessenen Berliner Rabbiners, Philosophen und Lehrers Benzion Kellermann (1869-1923) vorlegen und damit einen Beitrag zur Erforschung der Geistes- und Kulturgeschichte von den 1870er Jahren bis in die Anfänge der Weimarer Zeit leisten, der sowohl für die christliche Theologie als auch für die Judaistik, die Philosophie und die Geschichts- und Kulturwissenschaft bedeutsam ist.

Benzion Kellermann war eine führende Persönlichkeit des deutschen liberalen Judentums vor der Shoa, der intensive Kontakte zu den wichtigsten Intellektuellen der Zeit pflegte, z. B. zu Hermann Cohen, Ernst Cassirer und Leo Baeck. Er wirkte zunächst in Marburg, Frankfurt am Main und Westpreußen, war seit 1901 in Berlin als Lehrer an verschiedenen jüdischen und staatlichen Schulen tätig und ab 1917 ordentlicher Rabbiner der Liberalen Berliner Gemeinde.

Philosophisch war er seit seiner „Erweckung“ in Marburg Neukantianer und einer von Hermann Cohens Lieblingsschülern. Er verteidigte Kant rigoros gegen Hegel, Nietzsche und die neuen existentialistischen Strömungen innerhalb der zeitgenössischen Philosophie. Seine Auffassung, dass sich in der Zukunft eine reine Menschheitsreligion der Vernunft herausbilden müsse, war an liberalprotestantischen und liberaljüdischen Denkansätzen des 19. Jahrhunderts als auch an Cohens Religionsphilosophie geschult und wurde von Kellermann auch dann noch vertreten, als Cohen in seinem Spätwerk ab 1915 eine „Wende“ vollzog und die Eigenständigkeit der Religion neben der universalen Ethik behauptete.

Das Judentum in seiner liberalen Form sah der Neukantianer Kellermann bis dato als einzige ernstzunehmende Religion, die sich schrittweise dem ethischen Ideal annähern und sich parallel dazu ganz in Ethik und Wissenschaft auflösen würde. Wegen dieser Forderung nach einer universalen Ethik, an deren Schaffung auch die partikularen Religionen mitzuwirken haben, blieb Kellermann immer ein überzeugter und dem Christentum gegenüber selbstbewusster liberaler Jude. Die Dissertation versucht anhand der Biografie Kellermanns, die auch heute noch pauschalisierend erhobenen Anklagen, zeitgenössische liberaljüdische Selbstverständnisse seien per se eine Selbstverleugnung oder gar Aufgabe jüdischer Identität gewesen, zu entkräften und die Vielfalt möglicher Identitätskonstruktionen innerhalb des deutschen Judentums aufzuzeigen.

Kellermann verbindet die jüdische Religion mit der Kantischen Transzendentalphilosophie durch die Propheten der Hebräischen Bibel, denn diese würden in ihren sozialethischen Forderungen eine inhaltliche Kongruenz zu den philosophischen Deduktionen des Königsbergers aufweisen. Da dieser lebenslang mit Kant verteidigte ethische Monotheismus den Kern seines gesamten Wirkens als Rabbiner und Philosoph ausmacht, wird die Werkbiografie dieses Konzept in ihr Zentrum stellen. Von dort aus fragt sie auch nach der Rolle von Religionen in den Transformationsprozessen einer wertepluralen Moderne sowie danach, welchen Ertrag die moderne Philosophie, Judaistik, Kulturwissenschaft und christliche Theologie aus einem Gespräch mit Kellermanns Texten gewinnen könnte.

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