Université d'Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Kleininschriften : Sektion VII

War Stein neben Tafeln aus Bronze, in die vor allem Gesetze und amtliche Verfügungen eingraviert wurden, das Hauptmaterial als Träger für größere lateinische Inschriften diverser Typen (Sektion IV), so wurden sogenannte Kleininschriften mit unterschiedlichstem Inhalt, Zweck und Umfang in die verschiedensten Materialien eingeritzt, eingepunzt, eingestempelt, eingelegt, daraus ausgestanzt bzw. darauf aufgemalt .

Demzufolge finden sich:

Ritzinschriften privaten, militärischen sowie religiösen (kultischen) Inhalts, als Namen, Besitzerhinweise, Angaben von Truppenteilen, Wunschformeln, Segens- bzw. Verfluchungswünsche, Mitteilungen und Nachrichten sowie als Weihungen beispielsweise auf Haus- und Mauerwänden, auf Keramik und Ziegeln vor bzw. nach dem Brand, auf Metallgegenständen und hölzernen Schreibtäfelchen.

Punzinschriften privaten, militärischen sowie religiösen Inhalts, Namen, Besitzerhinweise, Angaben von Truppenteilen, Wunsch- und Segensformeln sowie Weihungen beispielsweise auf Metallgegenständen und Münzen.

Stempelinschriften als in Ton eingepreßte und mit dem Gegenstand mitgebrannte Stempel staatlicher bzw. privater Ziegeleien oder römischer Truppenteile, auf Amphorenhenkeln oder Gefäßböden, die den Hersteller oder den Gefäßinhalt bzw. dessen Gewicht nennen, sowie als Stempel auf Metallgegenständen, die den zivilen bzw. militärischen Hersteller, die kaiserliche Werkstätte bzw. das Gewicht nennen.

"Ausgestanzte" Inschriften als Angaben von Truppenteilen römischer Soldaten beispielsweise auf ledernen Schildüberzügen.

Inschriften in "Durchbruchtechnik", als Herstellername einer Werkstatt beispielsweise auf Metallbeschlägen.

"Eingelegte" Inschriften als Namen der Auftraggeber bzw. als Künstlersignaturen oder als erklärende Beischriften zu dargestellten Szenen in Mosaiken.

Aufgemalte Inschriften in Farbe bzw. Tinte als Geschäftsreklamen, Wahlempfehlungen, Ankündigungen von Gladiatorenspielen bzw. anderer Ereignisse auf Haus- und Mauerwänden sowie beispielsweise als private Wunsch- und Segensformeln auf Tongefäßen vor bzw. nach dem Brand.


Inschrift in "Durchbruchtechnik" I

Theken-Beschlag aus Bronze, gefunden in Lauriacum/Enns, aus der Werkstatt des Gemellianus mit Inschrift in opus interrasile (Durchbruchtechnik):
Aquis He(lveticis) Gemellianus f(ecit)
Übersetzung: Zu Baden im Helvetierland hat Gemellianus es gemacht.

Inschrift in "Durchbruchtechnik" II

 

Spielturm bzw. Würfelturm aus Bronze, gefunden in Vettweiß-Froitzheim, mit Inschrift in opus interrasile (Durchbruchtechnik):

Vorderseite: Rechte Seite:Rückseite:Linke Seite:
Pictos
Victos
Hostis
Deleta
Ludite
Securi
UtereFelixVivas

Übersetzung: Die Pikten sind besiegt, der Feind ist vernichtet. Spielt in aller Ruhe. Benutze mich glücklich, lebe (wohl) !


 

Stempelinschrift

Bleibarren, gefunden in Mechernich, mit Stempelinschrift:
Leg (io) XVI
Übersetzung: (Hergestellt von der) 16. Legion.

Ritzinschrift

Fragment eines hölzernen Schreibtäfelchen, gefunden in Mogontiacum/Mainz, mit Ritzinschrift:

Innenseite:
Salutabis meis verbis

Fortunatum [---?]
meum et Maximum [---?]
meum [---?]
Übersetzung: Richte meine Grußworte meinem Fortunatus [---?] und meinem Maximus [---?] Grüße von mir aus!

Außenseite:
Dabis Ario eques

turma Setumi
Übersetzung: Abzugeben bei dem Reiter Arius aus der von Septimus befehligten Turm.
Der Wechsel von I und U sowie die Auslassung des P vor T bei Setumi für Septimi sind häufige Erscheinungen.

Ritzinschrift II

Henkelkrug, gefunden in Mogontiacum/Mainz, mit Ritzinschrift:
Lagona(m) Sever(a)e
Übersetzung: Diesen Krug für Severa.

Ritzinschrift III

Fingerring (oben), gefunden in Straubing, mit Ritzinschrift:
Merc(curio)
Übersetzung: Für Mercur.

Fingerring (unten), gefunden in Nida/Frankfurt-Heddernheim, mit Ritzinschrift:
Min(ervae)
Übersetzung: Für Minerva.

Stempelinschrift

Wasserleitungs-Druckrohr aus Blei, gefunden in Aquae Mattiacorum/Wiesbaden, mit Stempelinschrift:
Leg(io) XIIII Gem(ina) Mart(tia) Vic(trix)
Übersetzung: (Hergestellt von der) 14. Legion Gemina Martia, der Siegreichen.

"Aufgemalte" Inschrift

Spruchbecher mit Götterdarstellungen in Farbmalerei und Weißbarbotinedekor auf schwarzem Grund, gefunden in Augusta Treverorum/Trier, mit Pinselinschrift:
Utere felix
Übersetzung: Benutze mich glücklich.

"Aufgemalte" Inschrift II

Fragment einer Ölamphore (Oberteil) der Form Dressel 20 aus der Provinz Baetica, gefunden in Nida/Frankfurt-Heddernheim, mit Pinselinschrift:

Fisci rationis patrim(onii)
provinciae Baeticae
Übersetzung: (Öl) auf Rechnung des Staates aus den Staatsgütern der Provinz Baetica.

Eingelegte Inschrift

Mosaik mit siegreichem Wagenlenker, gefunden in Augusta Treverorum/Trier, mit Mosaikinschrift:
Polydus
Compressore
Übersetzung: Polydus (mit seinem Leitpferd) Compressor.

Inschrift in Durchbruchtechnik

Ledertäfelchen in Form einer tabula ansata vom Schildüberzug, gefunden in Vindonissa/Windisch bei Brugg, mit Inschrift in opus interrasile (Durchbruchtechnik):
Leg(io) XI C(laudia) p(ia) f(idelis)
Übersetzung: 11. claudische, kaisertreue Legion.


Ritzinschrift IV

Bleilot, gefunden in Kalkriese (Landkreis Osnabrück) mit Ritzinschrift:
C(o)HO(rtis) I
Übersetzung: (Hergestellt von der) 1. Kohorte.



Ritzinschrift V

Zwei bronzene S-förmige Haken einer Schließe vom Kettenpanzer, gefunden in Kalkriese (Landkreis Osnabrück), mit einer Punz- sowie einer Ritzinschrift:

Ritzinschrift (oben):
M. Aii (cohorte) I (prima) > (centuria) Fab(ricii)
Übersetzung: Eigentum/Besitz des Marcus Aius aus der 1. Cohorte (einer unbekannten Legion) und der Hundertschaft unter Führung des Fabricius.

Punzinschrift (unten):
M. Aius (cohorte) I (prima) (centuria) Fabrici(i)
Übersetzung: Eigentum/Besitz des Marcus Aius aus der 1. Cohorte (einer unbekannten Legion) und der Hundertschaft unter Führung des Fabricius.



leif Scheuermann, dernière actualisation: 17.05.2010

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