Universität Erfurt

Antike Kultur

Promotionen

Kai Brodersen - Promovierende und Promovierte

Diese Seite informiert über Promovierende (Erstbetreuung: Lucas Rischkau, Otto Ritter, Sofia Bianchi, Doris Fleischer,) und Promovierte (Manuel Schulte, Amina Kropp, Martin Lindner, Katharina Weggen, Wolfgang Moschek, Katrin Herrmann, Uwe  Herrmann, Kirsten Dzwiza, Johannes Eberhardt), sowie Habilitierende (Cordula Bachmann, Johanna Leithoff) und Habilitierte (Karen Piepenbrink).

Die Promotionsordnungen der Universität Erfurt (Philosophische Fakultät) - gültig ab 2007 und ab 2012 - finden Sie auf der Seite www.uni-erfurt.de/uni/hochschulrecht/satzungsrecht/studium/promotion . Zum International Graduiertenkolleg "Resonant Self–World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices", an dem Prof. Brodersen beteiligt ist, siehe die Startseite des Kollegs.

Promovierende

SOFIA BIANCHI

The Defixiones Iudiciariae: a study of the social values of honour and shame in Greek magic

The defixiones iudiciariae, which I will analyse in this project, roughly date back to the 5th and 4th centuries B.C. They have been mostly found in Attica, however, we also have examples from Sicily and Olbia Pontica. The role that the emotion of shame had in Greek magic has been suggested by Versnel (2013) who has argued that shame was used in the Prayers for Justice (a sub-category of curse tablets) as a form of manipulation affecting one’s status in society. Versnel, however, does not develop the argument any further.

By taking Versnel’s idea on the role of shame in the Prayers for Justice, this project will explain that the reason why the Greeks of the 5th and 4th centuries B.C resorted to the use of magic in agonistic contexts must be sought in their shame-oriented culture. For, whoever was brought into trial risked losing face in front of his peers. For this reason, I will argue that the defendant might have availed himself not only of the use of a carefully constructed oration in order to regain his honour but also of a defixio iudiciaria that was able to make his prosecutor be subject to dishonour by disabling him of any verbal faculty or by wishing him to be meaningless in life. This project will also answer the following questions: why are the defixiones iudiciariae found in Sicily and Olbia Pontica linguistically different from the ones discovered in Attica? Are the Sicilian and Olbian tablets part of the same shame-oriented culture that we find in the 5th and 4th centuries B.C. Athens? Why were some judicial curse tablets from the 4th century B.C written in boustrophedon writing? Can this solve the problem of who could have written the defixiones iudiciariae? Can the invocation of the dead and gods in the tablets be explained through the rites of the orpheotelestai? How was the action of digging a tomb up for the burial of a defixio iudiciaria perceived? 

In order to validate my research objectives, it will be necessary to analyse the tablets under a philological, political and socio-cultural aspect. The study of Greek laws and Athenian oratorical speeches will be necessary for our understanding of to what extent magical practises were condemned and stigmatised with shame in the 5th and 4th centuries B.C. A comparative analysis of the defixiones iudiciariae with a subcategory of curse tablets called Cnidian Prayers for Justice will also be carried out. Although this latter group is post-classical, it will be pivotal to our perception of shame and honour in magic.

Betreuer: Kai Brodersen / Katharina Waldner. Annahme als Doktorandin in Erfurt am 12.4.2018.

Kontakt: sofia.bianchi_mancini@uni-erfurt.de

DORIS FLEISCHER

"Denn was die meisten Menschen Frieden nennen, das sei ein bloßes Wort" (Plat. nom. 626a) - Frieden im Krieg? Ein Diskurs im klassischen Athen

Weil Friedens- und Konfliktforschung unterschiedlichste wissenschaftliche wie auch gesellschaftliche Teilgebiete berührt, hat sich mein Dissertationsprojekt zur Aufgabe gemacht, Blickpunkte auf Krieg und Frieden von verschiedenen Seiten anzugehen. Es versucht anhand einer multiperspektivischen Darstellung kulturellen sowie historischen Wandel – die Dynamik des Krieges – systematisierbar, erzählbar und sichtbar zu machen. Denn obwohl die Moderne nur wenig über Häufigkeit, Ursachen, Motive und die Rolle des Krieges in der Antike auszusagen vermag, hält sich die Charakterisierung des klassischen Athens als Gesellschaft, die Krieg als Normalzustand erachtet – nicht nur in der althistorischen Forschung – hartnäckig. Hat der 'Frieden' (Aristoph. pax.) überhaupt Platz in der nach WEBER typisierten 'Kriegerzunft' (MWG I/22§5) oder bleibt er lediglich Teil phantastischer Utopie?

Dieser Fragestellung wie dem Verhältnis von Krieg und Frieden im klassischen Athen soll sich das Promotionsprojekt widmen. Anhand ausgewählter Paradigmen des antiken Schriftenkanons wird der häufig die realen Verhältnisse konterkarierende Diskurs nachgezeichnet, im Abgleich mit den realhistorischen Gegebenheiten die Divergenz von gesellschaftskulturellem Diskurs und politischer Akteursebene untersucht. Die kohärente Frage nach der Wahrnehmung von Konflikten auf unterschiedlichen sozialen Ebenen und die daraus resultierenden oder ausbleibenden Implikationen auf die realpolitischen Verhältnisse des klassischen Athens reagiert dabei nicht nur auf ein althistorisches Forschungsdesiderat. Zudem reflektiert das Projekt die Antike auch als Identifikationsobjekt und nimmt ausgehend Gegenwartsfragen – insbesondere dem Theorem des gerechten Krieges angesichts der Verhältnisse derzeitiger Konflikte – die Bedeutung der griechischen Denker für Debatten der Gegenwart in den Blick.

Betreuer: Kai Brodersen / Claudia Tiersch (HU Berlin). Annahme als Doktorandin in Erfurt am 18.5.2018
Kontakt: doris.fleischer@uni-erfurt.de

LUCAS RISCHKAU

Crudelitas Caesaris. Kaiserliche Grausamkeitsbeschreibungen als Spiegel eines wandelnden Machtverständnisses im Prinzipat

Die Beschreibung von grausamen Taten antiker Herrscher ist ein wichtiger Bestandteil historiographischer, politischer und biographischer Werke griechischer sowie römischer Autoren und hat daher schon immer die Aufmerksamkeit der Geschichtswissenschaft auf sich gezogen. Jedoch neigte die ältere Forschung zumeist dazu diese Beschreibungen entweder unreflektiert zu übernehmen oder ihnen jeden historischen Wert abzusprechen, weil sie als rein literarische Fiktionen angesehen wurden. Dies gilt vor allem für die Darstellung der crudelitas bei römischen Kaisern des 1. – 3. Jahrhunderts.    

Die jüngere Forschung weist jedoch darauf hin, dass ‚Grausamkeit‘ auch als fiktives Element einen literarischer Topos bedient, der stark durch das gesellschaftliche Umfeld des Autors und dem Entstehungshorizont des Werkes beeinflusst wird. Die Darstellung der Grausamkeit von Herrschern dient damit als mentalitäts- und kulturhistorische Quelle, in denen sich zeitgenössische politische Ideen und Vorstellung widerspiegeln. Die Beschreibung von Grausamkeit und Gewalttätigkeit eines Herrschers diente immer dazu, dessen Herrschaft zu kritisieren oder sogar als unrechtmäßig zu charakterisieren. In dem Fall der crudelitas Caesaris wäre dies die zeitgenössische Ansicht darüber, ab welchem Punkt ein einzelner Kaiser seine legitime Herrschaftsgewalt überschritten hat. Das beschriebene Repertoire an Grausamkeiten, die ein Kaiser begehen konnte, war lang und erfuhr mit der Zeit Erweiterungen sowie Veränderungen.

Dabei soll der Frage nachgegangen werden, ob sich in den veränderten exempla von Grausamkeiten, die den Kaisern vorgeworfen werden, ein wahrgenommener Wandel der Herrschaftsbefugnis der römischen Monarchen abzeichnete, der sich in einem erweiterten realpolitischen Machtverständnis  ̶  auch als direkte Herrschaftsgewalt über die Körper der römischen Bürger  ̶  ausdrückte. In anderen Worten: Davon ausgehend, dass ein autokratisches Herrschaftspotential größere Befugnisse über den menschlichen Körper der Untertanen zulässt, soll die Untersuchung zeigen, ob die Darstellungsweise von Grausamkeit römischer Herrscher im Laufe des Prinzipats eine Veränderung erfahren hat und inwiefern dies einem Wandel der Machtstrukturen entspricht.

Betreuer: Kai Brodersen / Filippo Carla (Potsdam). Annahme als Doktorand in Erfurt am 5.10.2016
Kontakt: lucas.rischkau@uni-erfurt.de

OTTO RITTER

Dichter und Dichtung in der römischen Republik, 240–90 v.Chr.

In jüngerer Zeit hat sich die Alte Geschichte auch der Erforschung der Literatur der römischen Republik im 3. und 2. Jh. v.Chr. zugewandt. Große Aufmerksamkeit haben hier v.a. die Historiographie und verwandte Prosagattungen erfahren, kaum jedoch die Werke der Dichtung. Dies kann auf drei überkommene, doch noch immer wirksame Vorurteile zurückgeführt werden: dass sie zu trümmerhaft überliefert seien, als dass eine Beschäftigung lohnend erschiene; dass ihre Schöpfer ohnehin ‚nur‘ Nicht-Römer von minderer sozialer Stellung gewesen seien; dass diese Dichtwerke ohnehin ‚nur‘ Übersetzungen griechischer Vorbilder darstellen. Entsprechend wird der Dichtung auch nur in ihrer Totalität historischer Quellenwert zuerkannt, als Kronzeugin für den Hellenismus der Römer, der erst in der augusteischen Epoche seinen klassischen Abschluss fand. Das Projekt versucht, abseits dieser Vorurteile zu einer angemessenen Würdigung der älteren lateinischen Dichtung zu gelangen und ihre Texte als historische Quellen fruchtbar zu machen. Dies, so die Ausgangsthese, kann nur erreicht werden, indem die Dichtung dieser Epoche nicht nur als künstlerische, sondern auch als soziale Institution – als „das von der Gelegenheit und der Gesellschaft geforderte Wort“ (K. Büchner) – betrachtet und dezidiert in ihren historischen Kontext eingebettet wird.

In diesem Sinne wird der Gegenstand in drei Teilen untersucht: Der erste fragt nach dem Aufkommen literarischer Dichtung im ‚Epochenjahr‘ 240 v.Chr. und versucht, abseits des Hellenismus-Narrativs Bedingungen und Ursachen für die betreffenden Vorgänge innerhalb der römischen Gesellschaft namhaft zu machen. Der zweite Teil widmet sich der Frage, was eigentlich ein Dichter sei und welche soziale Rolle er für sich und sein Tun vindizierte bzw. ihm von der Gesellschaft beigemessen wurde. Der dritte Teil schließlich behandelt die erhaltenen Fragmente und fragt, in welchem Verhältnis die mit Mitteln der Sprache entworfenen Welten der Dichtwerke zu ihrem gesellschaftlichen Umfeld stehen. Was verbindet etwa die poetische persona eines Ennius mit dem Habitus der nobiles seiner Zeit? Welche strukturellen Beziehungen bestehen zwischen den Satiren des Lucilius und der Politik des Tiberius Gracchus? Was sagen solche Beziehungen über den jeweiligen Zustand der römischen Gesellschaft aus und wie hat die Dichtung auf diesen eingewirkt? In einer Zeit, in der der politische und gesellschaftliche Diskurs zunehmend von exklusiven Wahrheitsansprüchen geprägt wird – sprachlich emphatisch vorgetragen in Form von sog. ‚alternativen Fakten‘ und ‚Hasskommentaren‘, deren imaginierte Gewalt gegen Andersdenkende immer häufiger in reale Gewalt umschlägt –, erscheint eine solche Untersuchung höchst aktuell.

Betreuer: Kai Brodersen / Gerrit Kloss (Heidelberg). Annahme als Doktorand ion Erfurt 3.11.2016
Kontakt: otto.ritter@uni-erfurt.de

ALEXANDRU BUNESCU
Was Alexander the Great's Campaign in Asia an Expression of the Concept of "Homonoia"?

Annahme als Doktorand am 29.7.2014; von der Arbeit an der Promotion beurlaubt seit 2017.

Promovierte

J. MANUEL SCHULTE

Speculum Regis: Studien zur Fürstenspiegel-Literatur in der griechisch-römischen Antike

Fürstenspiegel bringt man meist mit dem Mittelalter und der Neuzeit in Verbindung, doch beschreibt der Begriff ein bereits im Altertum bekanntes Phänomen: Wo nämlich Macht ausgeübt wird, gab es immer ein Bedürfnis, Machthabern Maßstäbe, Spielregeln und Grundtugenden ihrer Position zu erklären. Die vorliegende Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Fürstenspiegel-Literatur der griechisch-römischen Antike zu untersuchen. Sie beginnt dabei mit den homerischen Epen und endet mit Mark Aurels Selbstbetrachtungen. Aus einer Quellenschau heraus will die Arbeit die Art, Ausprägung und Entwicklung der antiken Fürstenspiegel-Literatur darlegen und erläutern.

Betreuer: Kai Brodersen (Mannheim), Stefan Rebenich (Mannheim). - Abschluß der Promotionsverfahrens in Mannheim.
Publikation: J. Manuel Schulte: Speculum Regis. Studien zur Fürstenspiegel-Literatur in der griechisch-römischen Antike. Antike Kultur und Geschichte 3, Münster: Lit-Verlag 2001. ISBN 3-8258-5249-0, 296 S. 25,90 Euro
Kontakt via http://de.linkedin.com/in/jmanuelschulte

AMINA KROPP

"Wenn Worte töten könnten ..." Sprachverwendung in aggressiv-magischen 'Ich-Ritualen' der römischen Antike

Hauptuntersuchungsgegenstand sind die sog. Fluchtafeln in lateinischer Sprache, antike Bodenfunde aus dem gesamten römischen Reich, die interessante Einblicke in die Ausübung des rituellen Schaden- und Bindezaubers geben. Die Arbeit ist so angelegt, da* sie diese Texte in den Mittelpunkt stellt, sich dabei aber nicht nur auf traditionelle philologische Fragestellungen konzentriert, sondern insbesondere den pragmatischen Kontext mitberücksichtigt, d.h. auch moderne sprachwissenschaftliche Theorien, vor allem im Sinne einer kommunikationsorientierten Textlinguistik, integriert. Da sich in diesen Texten die Gesellschaft, die sich des Schadenzaubers bedient, widerspiegelt, können neben magisch-religiösen Aspekten auch sozio-kulturelle Phänomene nä\her beleuchtet werden. Daneben soll ein Abgleich mit anderen Fächern dazu dienen, die Tradition des Bindezaubers in anderen Zeiten und Kulturbereichen nachzuvollziehen.

Betreuer: Wolfgang Raible (Freiburg), Kai Brodersen (Mannheim). - Abschluss des Promotionsverfahrens in Freiburg am 4.12.2006 (summa cum laude).
Publikation: Amina Kropp, Magische Sprachverwendung in vulgärlateinischen Fluchtafeln (defixiones) ScriptOralia 135, Tübingen: Narr 2008. 341 S., ISBN 978-3-8233-6436-8, 98.-- Euro; Dies. defixiones - Ein aktuelles Corpus lateinischer Fluchtafeln, Speyer: Kartoffeldruck-Verlag 2008. 412 S. ISBN 978-3-939526-02-5. 30.-- Euro. - Weitere Publikationen: (gemeinsam mit K. Brodersen) Fluchtafeln: Neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber. Frankfurt am Main (Verlag Antike) 2004. 160 S. (mit eigenem Beitrag) u.a.m.; siehe http://www.phil.uni-mannheim.de/romsem/mitarbeiterinnen/sprach_medienwissenschaft/kropp_amina_dr/publikationen/index.html
Kontakt: kropp[at]phil.uni-mannheim.de

MARTIN ANDREAS LINDNER

Rom und seine Kaiser im Historienfilm

Historienfilme bilden heute für weite Teile der Bevölkerung den ersten und oftmals einzig dauerhaften Zugang zur antiken Geschichte, ganz besonders aber zur Römischen Kaiserzeit. Die Gestalt des jeweiligen Herrschers bündelt dabei die verschiedenen Aspekte einer ganzen Epoche. Produktionen wie Quo Vadis? oder Gladiator haben die Grundlage für einen kulturellen Wissensschatz geschaffen, der in hohem Maße auf die Geschichtswissenschaft zurückwirkt. Die Erfahrung mit dem Historienfilm wird zum Maßstab für weitere Erkenntnisse und nicht selten erlangen filmische Erfindungen ein Eigenleben. Anders als bisherige Untersuchungen setzt das Projekt mit einem Längsschnitt in drei Phasen an: Anhand einer Auswahl der größten "Historical Epics" sollen zuerst formelle und inhaltliche Elemente der Präsentation und die Methodik der Auswahl erfasst werden. Um Entstehung und Bedeutung nachzeichnen zu können, gilt es zweitens, die Sinnvorgaben, die auf antike wie neuzeitliche Quellen und filmische Vorgänger zurückgeführt werden können, zu identifizieren und in Bezug zu setzen. Abschließend wird mittels eines Quervergleichs der Ergebnisse einzelner Analysebereiche der Weg zur Formulierung einer Gesamtsystematik im Sinn einer "Sprache der Historienfilme", eingeschlagen. Im Mittelpunkt stehen die folgenden Fragen: Welche Bilder der Römischen Kaiserzeit generieren Historienfilme, auch im Bezug auf ihren eigenen Entstehungshorizont? Was verrät die Auswahl von Mitteln und Grundlagen über die Formen und Traditionen historischer Rezeption? Wie lassen sich welche "Gesetzmäßigkeiten" der Darstellung beschreiben und in einen größeren Kontext einordnen?

Betreuer: Tanja Scheer (Oldenburg), Kai Brodersen (Mannheim). - Abschluss des Promotionsverfahrens in Oldenburg am 30.1.2007.
Publkation: Martin Lindner, Rom und seine Kaiser im Historienfilm. Frankfurt/M.: Verlag Antike 2007. 332 S. ISBN 978-3-938032-18-3, 49,90 Euro.
Kontakt: martin.lindner[at]uni-goettingen.de

KATHARINA WEGGEN

Studien zu M. Licinius Crassus

Mehrere grundlegende Aussagen sind zunächst in Bezug auf M. Licinius Crassus zu treffen: Zum einen ist sein Name bis zum heutigen Tage verbunden mit der schmählichen Niederlage bei Carrhae im Jahre 53 v.Chr., zum anderen mit seiner Teilnahme am so genannten 1. Triumvirat und einem riesigen, sprichwörtlich gewordenen Reichtum.
Im Gegensatz zu der mittlerweile fast unüberschaubaren Menge an Forschungsliteratur zu Caesar und Pompeius gibt es über ihn keine detaillierte neue (und vor allem keine deutsche) Studie. Es ist interessant zu sehen, wie weit der Einfluss Mommsens und Gelzers in diesem Falle reichte: Crassus wurde abgestempelt als "Verliererkreatur" und brutale "Wolfsnatur", der jegliche militärische und geistige Genialität abging; zugleich hielt man es kaum für nötig, sich seiner noch einmal genauer anzunehmen und die betreffenden Quellen einer kritischen Analyse zu unterziehen.
Ausgehend von einer Neubewertung des Partherfeldzuges sollen in der Arbeit verschiedene Aspekte aus Crassus' Leben neu beleuchtet und abschließend zu einem möglichst objektiven biographischen Bild zusammengefügt werden.

Betreuer: Rainer Bernhardt (Rostock), Kai Brodersen (Mannheim). - Abschluss des Promotionsverfahrens in Mannheim am 30.11.2007.
Publikation: Katharina Weggen, Der lange Schatten von Carrhae: Studien zu M. Licinius Crassus. Hamburg: Kovac 2011. ISBN 978-3-8300-5520-4
http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb04/institute/geschichte/alte_geschichte/personen/weggen.katharina
Kontakt: katharina.weggen[at]geschichte.uni-giessen.de 

WOLFGANG MOSCHEK

Der römische Limes – Eine Untersuchung zur kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Bedeutung der Bauwerke an den Enden des Römischen Reiches

Der jüngst zum ersten Europäischen Weltkulturerbe der UNESCO zusammen mit dem Hadrians Wall ernannte Obergermanisch-rätische Limes gehört zu den größten archäologischen Überresten der Antike. Bemerkenswert ist bei diesem Weltkulturerbe der Gegensatz der vielen archäologischen Befunde der Limesanlagen, die sich nahezu an allen Enden des römischen Weltreiches ab dem ausgehenden 1. Jahrhundert n. Chr. nachweisen lassen, zu dem fast verschwindend geringen Befund an schriftlichen Quellen aus der Antike, die sich mit der Funktion und der Auswirkung dieser Grenze beschäftigen oder diesen überhaupt erwähnen.
Die Arbeit untersucht die grundlegende Funktion von Grenzen in der römischen Kultur und deren Verortung in der Mentalität der antiken Bevölkerung des römischen Reiches, um so die Bedeutung und die Funktion dieser größten Grenze der Römer herauszuarbeiten. Die Klärung der Forschungsgeschichte, eine Untersuchung der bisherigen Theorien zur Funktion des Limes, die grundlegende Erörterung des Raum- und Grenzverständnisses der römischen Kultur und deren Ausprägungen in der täglichen Lebenswelt, sollen helfen, einen neuen Zugang zum Verständnis von Palisaden, Gräben und Mauern am Ende der römischen Welt zu finden.

Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Veit Rosenberger (Erfurt). – Abschluss des Promotionsverfahrens in Erfurt am 24.1.2009.
Publikation: Der Römische Limes. Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte. Speyer: Kartoffeldruck-Verlag 2011. 272 S: ISBN 9783939526100. 30.-- Euro
Kontakt: wolfgang.moschek[at]gmx.de

KATRIN HERRMANN

Gordian III. - ein Kaiser der plebs Romana?

Die Regierungszeit Gordians III. (238-244 n. Chr.) ist eine für das dritte Jahrhundert, der so genannten „Ära der Soldatenkaiser“, untypische Epoche. Besonders am Anfang der Herrschaft dieses Kaisers gewannen durch die (chronologisch noch immer umstrittenen) Ereignisse des Jahres 238 n. Chr. altrömische Institutionen wie der Senat wieder an Macht, so dass zumindest für diese Zeit weniger das von der späteren Forschung verwendete Etikett der „Krise des dritten Jahrhunderts“ zutrifft, sondern vielmehr von einer restaurativen republikanischen Phase gesprochen werden kann.
Auch die Herrschaft des erst 13-jährigen Gordian ist nicht kennzeichnend für die Karriere eines Augustus des 3. Jahrhunderts. Unterstützt durch seinen Prätorianerpräfekten und Schwiegervater Timesitheus geling es, dem wirtschaftlich und sozial am Boden liegenden römischen Staat wieder neue Impulse zu verleihen.
Nach dessen Tod im Jahr 242 änderte sich die Stimmung im Imperium Romanum. Alte strukturelle und wirtschaftliche Probleme brechen erneut auf und Gordian muss letztlich einen Krieg gegen die Sassaniden führen, in dem er getötet wird. Sein Nachfolger Philippus Arabs wird wieder vom Heer zum Kaiser erhoben, so dass damit auch der Versuch die Machtverhältnisse dauerhaft zu stabilisieren, ebenfalls gescheitert ist.

Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Veit Rosenberger (Erfurt). - Abschluß des Promotionsverfahrens in Erfurt am 5.1.2011.

Publikation: Gordian III. - Kaiser einer Umbruchszeit. Speyer: Kartoffeldruck-Verlag 2013. 203 S. ISBN  978-3-939526-20-9. - Weitere Publikation (mit J. Bruch): The Reception of the Philosopher-King in Antiquity and the Medieval Age, in: M. van Ackeren (Hg.), A Companion to Marcus Aurelius. Malden, Oxfrord, Chichester: Wiley Blackwell 2012, 483-496. - Herrschaftskonzeption und Herrschaftspraxis bei Marc Aurel und eine neue 'optimus princeps'-Konzeption im 3. Jahrhundert, in: M. van Ackeren / J. Opsomer (Hgg.), Selbstbetrachtungen und Selbstdarstellungen: Der Philosoph und Kaiser Marc Aurel im interdisziplinären Licht. (ZAKMIRA-Schriften 9) Wiesbaden 2012, 187-202.
Kontakt: katrin.herrmann[at]ccbuchner.de

UWE HERRMANN

Zorn, Rache und Gewalt im archaischen Griechenland

Darstellungen von Zorn, Rache und Gewalt finden sich in den literarischen Zeugnissen der archaischen Epoche Griechenlands auffallend häufig und oftmals in erschreckender Detailfülle. Bereits am Beginn der europäischen Literatur, den homerischen Epen, steht die extensive Schilderung von und die intensive Beschäftigung mit Zorn, Rache und Gewalt. Die Dissertation wird sich daher gründlich mit diesen Phänomenen auseinandersetzen. Die homerischen Epen und Hymnen werden für die Untersuchung ebenso herangezogen werden wie die Werke Hesiods, die der Lyriker und das Geschichtswerk Herodots. Ziel der Arbeit ist es, mittels einer eingehenden Diskussion der dargestellten und aufgeführten Zorn-, Rache und Gewaltphänomene die Ursachen, Funktionen, Formen und, vor allem, den Stellenwert ebendieser im gesellschaftlichen Miteinander zu bestimmen. Dafür ist auch eine Erörterung der gesellschaftlichen Strukturen unerlässlich. Insbesondere die Konzepte von Prestige, Status als auch deren Interdependenz von zorn-, rache- bzw. gewaltgeleiteten Handlungen stehen daher im Fokus der Arbeit. Auch die vorherrschenden Moral- und Ethikvorstellungen jener Zeit und die Funktionsweise von oraler Dichtung überhaupt werden dafür zu berücksichtigen sein. Es wird eine Antwort angestrebt auf die Fragen: Was ist der gesellschaftliche Platz des Zorns, der Rache und der Gewalt in archaischer Zeit, und welchen etwaigen Veränderungen unterlag er innerhalb dieser Zeitspanne? War die archaische Epoche Griechenlands eine Zeit besonders intensiv gelebten Zorns; war sie etwa erfüllt von Rache und Gewalt?

Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Veit Rosenberger (Erfurt). - Annahme als Doktorand am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt im September 2008, Einreichung der Arbeit am 27.10.2011, Disputatio am 17.2.2012.
Kontakt: her.u[at]web.de

Publikation: Anthropos Deinos: Zur Rolle der Gewalt in der griechischen Archaik im Spiegel der epischen und lyrischen Dichtung. (Antike Kultur und Geschichte 15) Münster: Lit 2014. ix, 440 S., ISBN 978-3-643-12525-5. http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-12525-5 .

KIRSTEN DZWIZA

Schrifttragende Artefakte in den Praxisanleitungen zur Interaktion mit höheren Mächten aus den griechischen, demotischen und koptischen Sammelschriften des 1.-7. Jahrhunderts. Untersuchung und Kontextualisierung von Materialität, Funktion, Handhabung und Beschriftungselementen.

Materialbasis – Grundlage – Gegenstand
Die Materialbasis dieser Arbeit besteht aus den griechischen, demotischen und koptischen Sammelschriften sowie Einzelanleitungen aus Ägypten, die zwischen das 1. Jh. v. Chr. und 7. Jh. n. Chr. datiert werden und deren Inhalte Handlungsanweisungen zur Interaktion mit höheren Mächten umfassen. Die Grundlage der Arbeit bilden jene Handlungsanweisungen, die schrifttragende Artefakte involvieren. Den Gegenstand der Arbeit bilden die schrifttragenden Artefakte, deren Herstellung und Handhabung in diesen Sammelschriften und Einzelanleitungen beschrieben wird. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Beschriftung gelegt. Der Bearbeitungszeitraum beginnt in etwa mit der Eingliederung Ägyptens in das Römische Reich im 1. Jh. v. Chr. und endet mit der Eroberung Ägyptens durch die Araber im 7. Jh. n. Chr. Dieser Rahmen umfasst sämtliche überlieferten griechischen Sammelschriften und Einzelanleitungen. Demotische Schriften dieser Art sind bereits vor dem Bearbeitungszeitraum belegt, koptische bis in das 11./12. Jh.

Fragestellungen
Der Fokus der Untersuchungen liegt auf der Beschriftung der Artefakte. Dazu werden in einem ersten Schritt die technischen Mittel untersucht:

  • Aus welchen Materialien bestehen die Schriftträger?
  • Welche Beschreibstoffe wurden verwendet?
  • Mit welchen Schreibwerkzeugen wurde geschrieben?

In einem zweiten Schritt stehen die Beschriftungselemente im Zentrum: 

  • Wie sieht das individuelle und vergesellschaftete Vorkommen der einzelne Beschriftungselemente aus?
  • Welche Schriftträger wurden verwendet, und lassen sich Verbindungen zwischen Beschriftungselement/en und Schriftträger herstellen?
  • Welche Funktionen werden genannt, und treten ausgewählte Beschriftungselemente ausschließlich im Kontext ausgewählter Funktionen auf?
  • Wie werden einzelne Beschriftungselemente bezeichnet, und werden die Bezeichnungen elementgruppenspezifisch oder elementgruppenübergreifend verwendet?
  • Wie werden autark zu verwendende Artefak
  • Aus welchen Beschriftungselementen bestehen die einzelnen Artefakt-Beschriftungen?
  • te beschriftet, und unterscheidet sich ihre Beschriftung von der Beschriftung der übrigen Artefakte?

Der dritte Teil der Arbeit baut auf den Ergebnissen der ersten beiden Teile auf und erschließt die unterschiedlichen Funktionen von Beschriftung im Rahmen der untersuchten Praxen zur Interaktion mit höheren Mächten:

  • Welche praktischen Funktionen übernimmt Beschriftung in den griechischen, demotischen und koptischen Praxisanleitungen des 1.-7. Jh.?
  • Welche konzeptuellen Funktionen können für die Beschriftungsgruppen Schrift, Zeichen und Bild in Betracht gezogen werden?
  • Welche Konzepte in Bezug auf die Interaktionsmöglichkeiten mit höheren Mächten können anhand der Verwendung schrifttragender Artefakte rekonstruiert werden?

Ziel der Arbeit ist es, die antike Verschriftlichungspraxis in Handlungsräumen zu untersuchen, die durch die individuelle Interaktion zwischen Mensch und höherer Macht konstituiert werden, und die Kontextualisierung der einzelnen Parameter dieser Verschriftlichungspraxis zu analysieren, auszuwerten und zu interpretieren.

Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Joachim F. Quack (Heidelberg). - Annahme als Doktorandin an der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt am 9.2.2012, Einreichung der Arbeit am 29.5.2013, Defensio am 18.9.2013

Kontakt: kirsten.dzwiza[at]uni-heidelberg.de

Publikation: Schriftverwendung in antiker Ritualpraxis anhand der griechischen, demotischen und koptischen Praxisanleitungen des 1. - 7. Jahrhunderts
http://www.db-thueringen.de/servlets/DocumentServlet?id=23500

JOHANNES EBERHARDT

Musikkultur in der spätrömischen Gesellschaft

Die Musik der römischen Welt ist nur indirekt vermittelt zugänglich. Ihre Melodien, Rhythmen, Aufführungen und die artikulierten Emotionen bleiben verklungen. Tausende überlieferter literarischer, ikonographischer und materieller Repräsentationen von Musikpraktiken deuten auf ihre große und vielfältige Bedeutung und die Musik der Spätantike wird aktuell als ein allgegenwärtiges, alltagsdurchdringendes Phänomen begriffen. Ob als wichtiges und hoch emotives  Kommunikationsmedium, als polyvalentes Ritual oder Symbol gab sie häufig Anlass zu kontroversen Äußerungen der antiken Autoren. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die spätrömische Musikkultur. Die des vierten nachchristlichen Jahrhunderts, in der das Christentum und die paganen Religionen und Rituale der Mehrheit der Menschen vielfach noch geduldet wurden, soll dabei nun neu gewürdigt werden. Die Musik dieser Zeit wurde häufig als von dynamischen neuen Impulsen des erstarkenden Christentums vor einer statischen Kulisse paganer Traditionen geprägt beschrieben. Eine musikkulturelle Konkurrenz von paganen und christlichen Religionen erscheint dabei als übergeordnetes Charakteristikum. Beides gilt es in der geplanten Dissertation zu hinterfragen.
Die verschiedenen Repräsentationen spätrömischer Musikkultur insbesondere auf immanente  Wertungen hin zu untersuchen, soll dabei helfen, diese in der spätrömischen Gesellschaft als ein Phänomen zu würdigen, welches einerseits über individuelle Spezifika und Vorbilder verfügt und andererseits weitaus mehr als das Konkurrieren von religiösen Blöcken oder Gruppen abbildet. Der komplexen Quellenlage muss dabei Rechnung getragen werden. Denn möchte man Duldung, Gefallen und Ablehnung von spätrömischer Musikkultur durch ihre Umwelt begreifen, muss nach individuellen Kontexten der beschriebenen Praktiken und Akteuren sowie den beschreibenden Autoren, deren Adressaten und Medien gefragt werden. Dabei interessieren besonders literarische Vorbilder,  geographische und zeitliche Räume und Interaktionen, die Bedeutung von Sozialisation, Emotionen und vielfältigen Erscheinungsformen von Macht. All dies in den Blick zu nehmen, soll nicht nur Musikkultur in der spätrömischen Gesellschaft zu verorten helfen, sondern überdies, die dynamische Forschung zur Spätantike und ihre alltagsgeschichtlichen Probleme in diesem Bereich ergänzen.
Publikationen: J. Eberhardt, Emperor Iulianus' Misopogon: Meta-Contests and Hybridity in Later Roman Culture of Music, in: D. Castaldo, F.G. Giannachi, A. Manieri: Poesia, musica e agoni nella Grecia antica. (Rudiae 22-23) Vol. 1, Galatina: Congedo Editore 2012, 241-255; Musik II (Vokalmusik), in: Reallexikon für Antike und Christentum XXV, Stuttgart 2012, 247-283 (mit A. Franz)

Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Veit Rosenberger (Erfurt). - Annahme als Doktorand an der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt am 17.3.2010, Einreichung der Arbeit am 17.2.2014, Promotion am 18.3.2014, Publikation als: Ungezähmte Musen. Musikkultur in der griechisch-römischen Spätantike (Antike Kultur und Geschichte 19) Münster: Lit 2018. 456 S. ISBN 978-3-643-13915-3

Kontakt: johannes.eberhardt(at)geschichte.uni-freiburg.de

Habilitierende

Cordula Bachmann

Wie lassen sich die griechischen Komödien für die Erforschung des Wandels im Verhältnis von Herren und Sklaven historisch nutzbar machen? (Habilitation, seit September 2014)

Johanna Leithoff

Meerengen als Konzept räumlicher Ordnungen (Habilitation, seit April 2015)

Habilitierte

Karen Piepenbrink

Im Apri 2005 hat sich an der Universität Mannheim Dr. Karen Piepenbrink mit einer Arbeit über "Christliche Identität und Assimilation in der Spätantike" für "Alte Geschichte" habilitiert. Sie ist seit 2011 Professorin an der Universität Gießen.
Weitere Informationen und zum Kontakt: Prof. Dr. Karen Piepenbrink .

Navigation

Werkzeugkiste

Nutzermenü und Sprachwahl