Universität Erfurt

Antike Kultur

C. Bachmann 18: Mythen als Quelle

Wohin mit dem Mythos? Mythen als historische Quelle / What shall we do with the myth? Myths as historical evidence

möglichst Do 10-12, maximal 30 Teilnehmende

Theorie- und Methoden-Seminar, 6 Leistungspunkte

  • B Ges 2012 E10#01 // S 6LP  ::102227::
  • B Rel 2012 F01#02 // S 6LP  ::102228::
  • BA Rel 2007 F01#02 // S-6 6LP  ::102226::
  • MEd R 2014 FWGe#02 // S 3LP   ::102229::

Die Griechen und Römer liebten Mythen. Mythen finden sich in der gesamten Antike, und zwar in praktisch allen Arten künstlerischer Darstellung und Ausdrucksform, in Dichtung und Prosa, auf Vasen, Wandgemälden und Sarkophagen, als Skulpturen und als Reliefs. Mythen werden rhetorisch durchgeformt im politischen Diskurs bemüht, aber auch in privaten Unterredungen. Es gibt Mythen um exponierte Persönlichkeiten und die Art ihres Denkens, Fühlens und Handelns, und Mythen im Zusammenhang mit historischen Ereignissen wie die Gründung von Städten. Mythen erklären Naturphänomene und zwischenmenschliche Beziehungen. Die gründliche und multiperspektivische Untersuchung des Themas Mythos verspricht daher einigen Aufschluss über die Gesellschaften der Antike. Im heutigen Sprachgebrauch nun hat der Mythos, speziell der politische Mythos, keinen guten Ruf, steht er doch als Synonym für „Verschleierung“, „Unwahrheit“, „(bewusste) Irreführung“.

Im Seminar wollen wir uns dem Thema „Mythos“ differenziert nähern und einerseits untersuchen, wie die antiken Menschen sich dem Mythos gegenüber verhielten, wie und warum sich Mythen herausbildeten und wie sie wirkten, andererseits wollen wir zu ergründen suchen, inwiefern antike Mythen der modernen Geschichtsforschung als Quelle dienen können. Dabei soll die Frage im Mittelpunkt stehen, mit welchen Theorien und Methoden wir uns heute antiken Mythen nähern, um sie richtig einordnen und gegebenenfalls historisch nutzbar machen zu können. Dabei wird sich herausstellen, dass es bei der wissenschaftlichen Analyse nicht einfach um Dekonstruktion des Mythos als einer als unzuverlässig erachteten Quelle geht, sondern um ein ausgewogenes Wechselspiel von kritischem Augenmaß, historischer Kontextualisierung und gelehrtem Kunstgenuss, so dass der Charme der mythologischen Erzählung trotz moderner wissenschaftlicher Arbeitsmethoden erhalten bleibt.

The Greeks and Romans loved myths. Myths are omnipresent in all of antiquity, in all types of artistic expression, in verse and prose, on vases, wall-paintings, and sarcophagi, as sculptures and as reliefs. Rhetorically perfected myths come up in the political discourse as well as in private conversation. There are myths about people of public character and the way they thought, felt, and acted, and myths referring to historical facts such as a the founding of cities. Myths explain natural phenomena and human relationships. Thinking about myths in a systematic way promises, therefore, to afford some more profound understanding of the ancient societies. In today’s language, the myth, and especially the political myth, does not have a good reputation since it is synonymous with “obfuscation”, “falsehood”, “(intentional) deception”.

In the seminar, we want to approach the topic of “myth” in a nuanced way. We want to examine how, on the one hand, the ancients stood with myth, how and why myths evolved and how they worked; on the other hand, we want to try and discover if and how ancient myths can be a historical source. We will focus on the question of which theories and methods can help us approach ancient myths in order to be able to correctly classify them and harness them to historical investigation. It will turn out that scientific analysis not always simply deconstructs the myth as an unreliable source but that, in dealing with myths, we need a well-balanced mixture of a critical sense of proportion, the ability of historically contextualizing the myth, and an erudite art appreciation so that the allurement of the mythological narrative survives.

Leistungsnachweis / Credit requirement

Aktive Teilnahme, Klausur / Active participation, written test

Literatur / Bibliography

  • Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1999 [LC 50000 A848(2)].
  • Schmitz, Thomas: „Marathon – Ein antiker Mythos“ in Tepe, Peter (Hrsg.), Politische Mythen, Würzburg 2006, 82–103 [bestellt].
  • Bachmann, Thorsten: „Platons Atlantis – Ein politischer Mythos“ in Tepe, Peter (Hrsg.), Politische Mythen, Würzburg 2006, 104–122 [bestellt].
  • Fuhrmann, Manfred (Hrsg.): Terror und Spiel. Probleme der Mythenrezeption, München 1990 [EC 8270 F959].
  • Gehrke, Hans-Joachim: „Geschichte, Politik - antik und modern“ in: Saeculum 45 (1994) 239–264 [JStor].
  • Hartmann, Andreas (Hrsg.): Mythen Europas, Bd. 1, Darmstadt 2004 [Mag 643693].
  • Horn, Hans-Jürgen (Hrsg.): Die Allegorese des antiken Mythos, Wiesbaden 1997 [FB 3770 H813]

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